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Die neue Biogasanlage lässt es «duften» und liefert Superkompost für jedermann

Mit der Kompogas-Anlage ist die Stadt an einem soliden Bio-Energie-Projekt beteiligt. Die Ökobilanz verbessert sich spürbar, während sich für die Konsumenten wenig ändert.

Winterthur gleich Gartenstadt gleich Grüngut-Verwertungs-Schweizer-Meister? Wohl kaum. Schon Frauenfeld ist ausser Reichweite. Mit 4000 Tonnen Grüngut wird die Thurgauer Stadt die neue Kompogas-Anlage bei der Deponie Riet jährlich speisen. Winterthur kommt auf 10 000 Tonnen, ist aber viermal grösser. «Die Stadtgärtnerei und Püntiker machen ihren Kompost zum Teil selber», kontert Werkvorstand Matthias Gfeller (Grüne) die kleine Spitze von Carlo Parolari, dem Frauenfelder Stadtammann, an der gestrigen Präsentation der neuen Anlage. Der Energiekonzern Axpo hält mit 52 Prozent die Mehrheit an der AG. Stadtwerk Winterthur und die Werkbetriebe Frauenfeld sind je mit 34 respektive 14 Prozent beteiligt. Am Fusse des «Stinkbergs» Seit zwei Wochen bereits verstromt dieser städtische Riesenkompost täglich 52 Tonnen an Grünabfall. Bei voller Auslastung entsteht aus rund 20 000 Tonnen Bioabfall jedes Jahr genug Methan, um 7 Millionen Kilowattstunden Energie zu produzieren. Das Biogas wird direkt ins lokale Gasnetz eingespeist, deckt rund 2 Prozent des städtischen Gasbedarfs und reicht für etwa 500 Haushalte. «Es ist ein nächster Schritt zur lokalen ‹Kreislaufwirtschaft›: Was wir verbrauchen, verwerten wir wieder», sagt Gfeller. Stadtwerk wird das Biogas als ­E-Strom.Gold verkaufen. Auf den Strompreis wirkt sich das zusätzliche Biogas aber nicht aus. Auch mit einer hohen Dividende aus ihrer Beteiligung rechnet die Stadt nicht. Ihre Investitionen von 1,36 Millionen Franken dürften sich dennoch bezahlt machen. Bisher musste man den Grünabfall ins 35 Kilometer entfernte Uzwil SG karren. Die Transportkosten von 125 Franken pro Ladung und 450 000 Franken pro Jahr werden um rund 20 Prozent sinken.

«Duft von frischen Waldblumen»

Erfreulich ist zudem, dass die neue Anlage sozialverträglich ist: Anders als der grüne «Stinkberg» nebenan – die temporäre Mülldeponie – werde die Winterthur Kompogas AG den «Duft von frischem Waldboden verströmen», sagt Gfeller. Möglich macht dies eine spezielle Belüftungsanlage. Bereits im Annahmebunker saugt diese den süss-säuerlichen Dunst ab, speist ihn in den Gärungsprozess ein und lässt ihn zuletzt durch einen Biofilter aus zerhäckseltem Wurzelholz CO2- und geruchsneutral wieder nach aussen strömen. Die Anlage läuft im 24-Stunden-Betrieb, und dies voll automatisiert. Lediglich ein Anlagenwart ist vor Ort. Selbst der Greifer ist sensorgesteuert. Es dampft aus dem Laub-Rasen-Küchenabfall-Gemisch, als er es krallt und in den Schredder hievt. Grössere Stücke werden aussortiert, dem Rest entziehen zwei Presswasserschnecken das Wasser. Mit diesem erneut leicht angereichert, kommt der Bioabfall in das «Herzstück der Anlage», den Fermenter. Zwei Wochen lang mischt ein Rührwerk dort die schlammbraune Biogülle und lässt die Bakterien arbeiten. Liegt der Methananteil im Gasgemisch bei 52 Prozent, folgt die letzte Stufe. In der Biogasanlage wird das Gas veredelt und erdgaskompatibel gemacht. Biokompost à discrétion Damit sich der ökologische Kreislauf ganz schliesst, werden auch «Abfallprodukte» wiederverwertet. Gar ein Entgelt für die Transportkosten erhalten Landwirte, die hier gratis Biodünger und günstige Gülle beziehen. Auch Püntiker und Urban Farmers kommen nicht zu kurz. Wer will, darf à discrétion Kompost schaufeln. Allerdings ist man gut beraten, diesen als Dünger dosiert unter die eigene Erde zu mischen. «Unser Kompost ist alleine viel zu sauer», sagt Klaus Schramm, Leiter der Axpo-Vergärungsanlagen. Scharf hingegen ist der Geruch, der mit sich trägt, wer die Anlage von innen besichtigt.Tag der offenen Tür, Samstag, 25. Oktober, 10–16 Uhr, Deponiestrasse, Deponie Riet, Winterthur.

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