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Die neue Chance mit dem neuen Trainer

In seiner zweiten Saison bei den Vancouver Canucks wird Yannick Weber regelmässig eingesetzt – anders als im letzten Winter. Meistens bildet der 26-jährige Berner mit dem Zuger Luca Sbisa ein Verteidigerpaar.

Yannick Weber muss als Eishockeyprofi stets kämpfen, und zwar nicht nur auf dem Feld gegen starke, meist grössere Gegenspieler, sondern vor allem um seinen Platz in der NHL, der besten Liga der Welt. Der 26-Jährige ist nicht gut genug, sich als Top-4-Verteidiger zu etablieren, aber er ist zu gut, als dass er seinen Traum aufgeben müsste. Nach einem schwierigen Winter bei den Montreal Canadiens mit nur 6 Einsätzen wechselte Weber vor der Saison 2013/2014 zu den Vancouver Canucks, doch Headcoach John Tortorella setzte nicht richtig auf den Berner, nutzte ihn oft als Lückenbüsser. Oft bekam er nur wenige Minuten Eiszeit. Die Mannschaft verpasste schliesslich die Playoffs, Tortorella wurde entlassen. «Ein neuer Trainer bedeutet eine neue Chance», meint Weber. Und diese hat er genutzt, auch wenn er ab und zu noch immer überzählig ist. Unter dem Tortorella-Nachfolger Willie Desjardins ist Weber fast immer Teil des dritten Verteidigerpaares der Canucks, durchschnittlich steht er über 15 Minuten auf dem Eis. «Ich hatte einen guten Saisonstart. Die Coaches sagten mir, ich hätte über den Erwartungen gespielt.» Es gebe Sicherheit, zu wissen, dass er nicht gleich beim ersten Fehler auf der Bank bleiben müsse. Mit 3 Toren und 7 Assists ist der frühere SCB-Junior punktemässig die Nummer 3 in der Canucks-Abwehr, doch entscheidender ist für ihn ein anderer Wert: +4 in der Plus-Minus-Statistik. Das bedeutet, dass Vancouver mit Weber auf dem Eis 4 Tore mehr geschossen als erhalten hat, wobei Treffer in Über- und Unterzahl nicht eingerechnet sind. «Das Wichtigste ist, dass ich defensiv solid spiele – alles andere ist ein Bonus», hält er fest. Verständnis für Brunner Damien Brunner fiel in dieser NHL-Saison in New Jersey zwischen Stuhl und Bank und entschied sich deshalb, in die Schweiz zurückzukehren. Weber hatte sich letztes Jahr in einer ähnlichen Si­tua­tion befunden, aber über gute Leistungen im Farmteam den Sprung zurück in die NHL geschafft. Hat er dennoch Verständnis für Brunners Entscheid? «Ja, er konnte seine Lage am besten einschätzen. Damien hat sich in New Jersey wohl keine Chance mehr ausgerechnet und gedacht, er gehe besser in die Schweiz zurück und finde dort sein Spiel wieder.» In der Zwischenzeit wurde bei den Devils der Trainer entlassen. «Vielleicht hätte ihm der Neue wieder eine Chance gegeben. Es ist immer schade, wenn ein Schweizer Nordamerika verlässt. Doch Damien hat sich im Lockout-Jahr bei Detroit einen Namen gemacht. Wenn er an der WM oder den Olympischen Spielen auffällt, kann er später vielleicht wieder in die NHL zurückkehren.» Es ist kein Zufall, haben die beiden Schweizer Nationalspieler unterschiedlich gehandelt: Brunner ist Skorer und Künstler, Weber ein harter Arbeiter. Staunen über die Sedins Oft verteidigt Yannick Weber in Vancouver an der Seite des Zugers Luca Sbisa. «Wir kennen uns schon lange und verstehen uns auch neben dem Eis gut. Jeder weiss, was der andere macht», sagt Weber. Und Sbisa ergänzt: «Wenn man auf dem Eis eine gute Chemie haben will, muss man sich auch neben dem Eis gut verstehen. Schon an den Olympischen Spielen in Vancouver teilten wir das Zimmer. Auf dem Eis redet man sowieso englisch, aber auf der Bank oder in der Garderobe können wir rasch etwas deutsch besprechen.» Der 24-Jährige, der zuvor in Anaheim gespielt hat, fühlt sich bei den Canucks wohl. Er habe sicher noch Steigerungspotenzial, doch im Grossen und Ganzen sei er mit seinen Leistungen zufrieden. Sbisas Einschätzung trifft auf die ganze Equipe zu. Vancouver belegt derzeit in der Western Conference Platz 6. Allerdings beträgt der Vorsprung auf das unter dem Strich platzierte Los Angeles nach dem 2:1 über Florida nur drei Zähler. «Trotz ein paar schwierigen Partien ist das Selbstvertrauen noch vorhanden. Wir können zuversichtlich sein. Wenn wir so weiterfahren, werden wir die Playoffs erreichen», urteilt Weber, der in der letzten Partie überzählig war. Und nächste Saison? Vancouvers Prunkstück ist die Sturmlinie mit den schwedischen Zwillingen Daniel und Henrik Sedin. «Zum Teil steht man auf dem Eis und traut seinen Augen nicht, wenn man sieht, was die beiden zelebrieren», gesteht Weber. Als Verteidiger müsse man den beiden Raum lassen und sie nicht stören, «denn sie wissen genau, was sie tun. Manchmal spielen die Sedins Pässe und tun Dinge, die man nicht versteht, aber der eine scheint immer zu wissen, was der andere vorhat.» Yannick Weber hingegen ist nicht angestellt, um zu zaubern. Er will seinen Teil zum Erfolg beitragen und sich vor allem für einen neuen Vertrag aufdrängen. Er gibt zu, dass die Frage nach der Zukunft im Hinterkopf präsent ist. «Doch bei uns befinden sich fünf der acht Verteidiger im letzten Vertragsjahr. Gut spielen macht die Si­tua­tion einfacher», sagt er. «Dann löst sich das Problem meistens von alleine.» Will der Berner denn in Vancouver bleiben? «Ja, klar», antwortet er blitzschnell, fügt aber gleich an, er werde keine Wahl haben, weil die Canucks die Rechte an ihm besässen. «Wenn ich wieder einen Vertrag erhielte, wäre das grossartig. In Vancouver haben wir ein tolles Team mit viel Potenzial.» Weber ist bereit, für einen neuen Kontrakt zu kämpfen. Er kennt nichts anderes. Adrian Ruch

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