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Die neue Teamleaderin

winterthur. Eine so gute Wasserballerin wie Nikoletta Kotsidou spielte noch nie für den Schwimmclub Winterthur. Die 24-Jährige über ihre bisherige Karriere in zwei Nationalteams und den Wechsel in die Schweiz.

Über Mittag und am Nachmittag betreut sie als Au-pair in Zürich drei Kinder im Alter von zwei, fünf und sechs Jahren. Am Abend ist Nikoletta Kotsidou Wasserballerin. «Ich trainiere jeden Tag», erzählt die 24-Jährige. «Auch am Samstag, wenn die Männer Training haben. Und am Morgen gehe ich noch manchmal schwimmen.» Sie sei schon immer ein Mensch im Wasser gewesen, erinnert sie sich: «Ich bin im Swimmingpool aufgewachsen.» Als Kind sei sie im Sommer von 8 bis 20 Uhr im Bad gewesen, lacht Kotsidou.

Die Ungarin ist in der Frauen-Equipe des Schwimmclubs Winterthur die neue Spitzenspielerin. Als 17-Jährige gehörte sie zur ungarischen Nationalauswahl. 2006, mit 18, spielte sie – für Griechenland. «Einmal im Leben darfst du das Nationalteam wechseln», erklärt Nikoletta Kotsidou. Ihr Vater ist Grieche, «der Verband machte mir ein gutes Angebot». Am World Cup erreichte die Rückraumspielerin Rang drei. «Aber im September 2007 sagte man mir, ich müsse ein Jahr in Griechenland sein wegen der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele.» Das wollte sie nicht.

«Ich war im ersten Jahr an der Universität in Budapest. Ich wollte mein Studium nicht aufgeben», erklärt Kotsidou. Sie liess die Olympischen Spiele in Peking sausen. «Das tat mir damals nicht weh. Aber 2012 in London, schrecklich! Da konnte ich nicht zusehen. Da spielte das gleiche Team, in dem ich war.» Später studierte Kotsidou ein Jahr in Griechenland, im Sommer hat sie ihr Jus-Studium abgeschlossen. «In Ungarn ist das eine grosse Sache», sagt sie. Sie fand einen Job als Anwältin in einer grossen Firma und coachte ein Team mit 25 zwölfjährigen Mädchen. Aber sie wollte weg. Ins Ausland.

«Manchmal brauchst du eine Veränderung», sagt sie. Bereits vor eineinhalb Jahren sprach sie mit Adam Ferenczy, 2011 ausländischer Verstärkungsspieler in Winterthur, über die Schweiz. Auch einen Umzug nach Holland oder Kanada hätte sich Nikoletta Kotsidou vorstellen können. Aber in Holland gibt es derzeit keine Frauen-Meisterschaft, in Kanada verliefen sich die Kontakte. Aus Winterthur erhielt sie die Nachricht, am besten komme sie im Herbst für drei, vier Tage vorbei und schaue sich alles an. «Ich wusste gleich, dass ich hier bleiben wollte. Ich habe mich in die Schweiz verliebt. Hier fühle ich mich frei.» Bis im September will Kotsidou so gut Deutsch sprechen, dass sie an der Universität Zürich Rechtswissenschaften studieren kann.

Umgänglich und motivierend

Für Winterthurs Trainer Stephan Müller kommt die Ungarin gerade recht, um sein Team nochmals einen Schritt vorwärtszubringen. «Niki ist sehr umgänglich, sehr mannschaftsdienlich und wirkt extrem motivierend auf die jungen Spielerinnen», freut er sich. «Sie spielt internationales Niveau, ist wendig, hat eine sichere Hand und einen sehr guten Schuss. Niki hat die Führungsrolle übernommen. Weil sie um Klassen besser ist als die anderen.» Derart viel Lob, das ist der Spielerin nicht recht. «Wasserball ist ein Teamsport», sagt Kotsidou.

Natürlich spüre sie Erwartungen, gibt sie zu. Klar sei sie eine Schlüsselspielerin. «Aber ich will das nicht einfach nur sein, indem ich Tore werfe, sondern indem ich die Mannschaft führe.» Dass das Schweizer Niveau nicht hoch ist, stört sie auch nicht. Sie schafft sich das Niveau selbst. «Es hängt alles von mir ab, ob ich 150 Prozent trainiere.» Sie freue sich, dass die Meisterschaft morgen Samstag losgehe, und sei schon ein wenig nervös, «aber das bin ich auch im Training, weil ich immer mein Bestes geben will». Und zuletzt sagt sie: «Ich hoffe, dass ganz viele Zuschauer kommen, um uns spielen zu sehen.»

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