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Die Poesie der Schatten

Der Fotograf Andi Dietrich stellt im Café Augenblick unter dem Titel «Land» seine Arbeiten aus. Eine Ode an das Licht und seine Kraft, Landschaften in magische Orte zu verwandeln.

Wer die Porträts der Strassenfeger im Theater Winterthur gesehen hat, dem muss man den Fotografen Andi Dietrich wohl kaum in Erinnerung rufen. Hat man seine Bilder einmal betrachtet, bleiben sie im Gedächtnis haften – warum, ist ein wenig ein Rätsel. Vielleicht wegen der Leidenschaft, mit der Dietrich fotografiert. Er selbst soll ja gemäss seiner Homepage als Kind in die Entwicklerschale seines Nachbarn gefallen sein – Ähnlichkeiten zu bekannten Figuren der Literatur sind beabsichtigt und kein Zufall.

Fotografieren mit grosser Kiste

Die aktuelle kleine Schau im Café Augenblick in Oberwinterthur zeigt eine Serie unter dem Titel «Land». Land, das gibt es beispielsweise in der Montagne Sainte-Victoire in Frankreich, in der türkischen Provinz Nevsehir und in der Schweiz, auf dem Albulapass, im Niemandsland mit pflanzlichem Wildwuchs. Wie gesagt, nur als Beispiel, Land gibt es natürlich auch noch anderswo. Aber nirgendwo ist Landschaft vordergründig so unspektakulär wie hier. Keine kühnen Gipfel, keine dräuenden Abgründe, einfach nichts, wo das Auge hängen bleiben würde. Ausser eben, man ist als Kind ins Entwicklerbad gefallen.

Dietrich arbeitet mit Schwarz-Weiss-Fotografie, schon lange, seit er auf seiner ersten Reise als junger Fotograf mit seiner «grossen Kiste» , einer Grossformatkamera, die neolithische Megalithkultur in Schottland, der Bretagne und Sardinien fotografisch erkundet hat. Wobei eigentlich nicht die Megalithe im Zen­trum der Arbeiten standen, sondern die Magie, die Poesie der von den Steinen geprägten Orte. Wenn Dietrich Landschaften fotografiert, dann ist er ganz schön mutig – angesichts der Tradition des Genres. Aber wer mal ins Entwicklerbad gefallen ist, darf das.

Die Schwarz-Weiss-Fotografie übersetzt ja in der Regel die Farben des Sujets in unterschiedliche Grauwerte. Dietrich fotografiert nun Landschaften, in denen die Farbe nahezu abwesend ist. Es ist der mit Altschneefeldern gesprenkelte Albulapass, irgendwo zwischen den Jahreszeiten, die staubgraue Macchia zwischen ebenso grauen Steinen, die von der Sonne versengte Landschaft der Türkei. Hier erkennt man auch, dass er seine Wurzeln in den hart vergrösserten schwarz-weissen Bildern der Grossformatfotografie hat. Details sind weniger von Interesse. Das Motiv wird in der Fotografie auf wenige Graustufen reduziert. Das Resultat ist also alles andere als ein Abbild, es ist das Gegenteil davon, es ist die Veranschaulichung einer Atmosphäre, wie sie der Fotograf empfindet.

Träumen vor den Bildern

Das Licht spielt dabei eine zentrale Rolle, modelliert es doch die Gegenstände, die in der fotografischen Wiedergabe vom Fotografen zu ineinanderspielenden Formen reduziert werden. Was bleibt, ist eine poetische Komposition eines raffiniert inszenierten Schattenspiels. Die Fotografie ist konkret genug, um dem Betrachter ein Wiedererkennen zu ermöglichen, die dargestellte Landschaft mit Landschaften in der Erinnerung abzugleichen. Und sie ist abstrakt genug, damit der Betrachter gemeinsam mit dem Fotografen dem Feinstofflichen nachspüren kann, der Kraft des Lichts und der Poesie der Schatten.

www.andidietrich.com

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