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Die Raketen und die Unendlichkeit der Form

Roman Signer hebt ab wie eine Rakete. Das Kunstmuseum St. Gallen zeigt neue Arbeiten des Kunstfeuerwerkers.

Den Raketenstart zeigt der 76-jährige Künstler Roman Signer mit «Springer». Dieses Objekt heisse so, weil die Silhouette seiner aufs Heck gestellten dreirädrigen blauen Ape Piaggio ihn an die gleichnamige Schachfigur erinnere, sagte Roman Signer auf einem Medienrundgang durch die Ausstellung in seiner Stadt St. Gallen. In einem Video, das auf die Wand des Treppenhauses projiziert wird, verwirklicht der Ostschweizer Konzeptkünstler einen Traum, den er bereits bei der Ausstellung anlässlich seines 75. Geburtstags in der Kunst-Halle St. Gallen träumte: einen Flug ins Weltall.

Mit einem alten Töfflihelm, in Lederjacke und roten Handschuhen lässt sich der Astronaut von seiner Crew zur «Rakete» geleiten. Er steigt ein, die Piaggio wird aufgestellt, und Signer hebt winkend ab, wie einst Neil Armstrong.

Fantasie und Wirklichkeit

Raketen beschäftigen Signer auch im nächsten Ausstellungsraum. Acht Stühle sind auf den Boden gekippt. Aus jedem Stuhlbein ragt ein Feuerwerkskörper. Was passieren würde, wenn man die Raketen zündete, überlässt der Künstler der Fantasie des Publikums. Nicht so beim Projekt «Schlauch mit Stühlen»: Wie an einen Tisch sind zehn Stühle auf einen Kunststoffschlauch gekippt. Füllt man den Schlauch mit Luft, werden die Stühle aufgestellt. «Es ist verblüffend, dass man sich den Vorgang ganz anders vorstellt, als er passiert», sagte Roland Wäspe, Direktor des Kunstmuseums, der Nachrichtenagentur SDA.

Die blaue Acht

Blau wie die Piaggio ist die Installation «Acht blaue Tische». Die Tische sind in Wirklichkeit auf Beine montierte Fassdeckel, die mit blau gefärbtem Wasser gefüllt sind. Je nach Blickwinkel glaubt man tatsächlich ein Fass vor sich zu haben. Mittels eines alten Theaterspots spiegelt Signer eine der Tischoberflächen an der Decke. Wer über den Holzboden geht, erzeugt durch die Vi­brationen seine eigene Kunst­installation.

Die blaue Spur führt wie ein roter Faden in einen andern Ausstellungsraum. «Blue Movie» heisst die Arbeit. Der Betrachter schaut durch ein Loch in ein mit blauem Wasser gefülltes Ölfass. Durch ein Guckloch schickt ein Super-8-Projektor Licht ins Innere, was ein interessantes Seherlebnis ermöglicht. Wie die blaue Farbe kommt die Zahl acht immer wieder vor in den ausgestellten Arbeiten. Darauf angesprochen, sagt Signer: «Die Acht ist eine schöne Zahl. Was mich an ihr fasziniert, ist die Unendlichkeit ihrer Form.» Die Ausstellung dauert bis 26. Oktober.

Silvia Minder, sda

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