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Die Rückenlehne führte zum Streit

Einer der beiden Chinesen, die mit ihrer Schlägerei ein Swiss-Flugzeug zum Umdrehen bewogen, ist zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt worden. Der andere kommt ungeschoren davon. Die Swiss behält sich allerdings vor, auf Schadenersatz zu klagen.

Die beiden Streithähne, die sich auf einem Swiss-Flug nach Peking so in die Haare gerieten, dass der Pilot über Moskau kehrtmachte und nach Zürich zurückflog (Ausgabe von gestern), sind bereits wieder auf freiem Fuss. Nach dem Vorfall am Sonntagabend hat die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland die beiden 57- und 29-jährigen Chinesen einvernommen. Der ältere von ihnen wurde wegen Störung des öffentlichen Verkehrs per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen in unbekannter Höhe verurteilt. Strafbefehle bis zu sechs Monaten Haft kann die Staatsanwaltschaft sofort und ohne Gerichtsverfahren erteilen. Voraussetzung dafür ist, dass der Täter das ihm vorgeworfene Delikt gesteht. Das sei gestern der Fall gewesen, sagte Staatsanwältin Daniela von Känel. Der in Spanien wohnhafte 57-Jährige habe zugegeben, dass er im Handgemenge mit seinem Landsmann auch auf den Maître de Cabine losgegangen sei. Dieser hatte den Streit schlichten wollen. Straflos kommt hingegen der jüngere der beiden Chinesen davon. Ihm habe keine Störung des öffentlichen Verkehrs nachgewiesen werden können, sagt die Staatsanwältin. «Es reicht nicht, dass sich jemand an Bord eines Flugzeugs daneben benimmt. Da braucht es schon mehr, wie eben eine Tätlichkeit gegen Crewmitglieder.» Erst geschrien, dann geschlagen Ob die beiden Chinesen noch im Land oder schon wieder ausgereist sind, ist nicht bekannt. Der Ältere von ihnen könnte gegen seinen Strafbefehl innert zehn Tagen Einsprache erheben. Tut er das nicht, wird das Urteil rechtskräftig. Zahlen muss er die Geldstrafe aber ohnehin nicht, da sie bedingt verhängt wurde. Allerdings hat die Staatsanwältin von beiden Beteiligten Geld beschlagnahmt, um die Verfahrenskosten zu decken. Wie hoch diese sind, sagt von Känel nicht. Inzwischen sind weitere Details zur Ursache des Streits bekannt geworden. Die beiden Männer – die sich vor dem Flug nicht gekannt hatten – sassen offenbar hintereinander. Zum Streit kam es, weil sich der 57-Jährige an der heruntergelassenen Lehne des 29-jährigen Vordermannes beim Essen störte. Wie eine Mitpassagierin ge­gen­über Blick.ch sagte, schrie der Ältere den Jüngeren zunächst an und schlug ihn dann, als keine Reaktion kam, mit der flachen Hand auf den Kopf. Dar­aufhin setzte sich der Angegriffene zur Wehr. Der Maître de Cabine versuchte erfolglos zu schlichten, worauf die Crew den aggressiven älteren Mann in die hinterste Sitzreihe brachte und ihm die Hände mit Kabelbindern fesselte. Laut Polizeiangaben war er alkoholisiert. Weil ihm die Si­tua­tion zu heikel war, entschloss sich der Pilot, den zehnstündigen Flug nach rund vier Stunden abzubrechen und nach Zürich zurückzukehren. Eine angemessene Reaktion, findet der ehemalige Swissair-Pilot und Aviatikexperte Olav Brunner. Sicherheit und Komfort der Passagiere hätten allerhöchste Priorität. «Aus einem solchen Streit könnte sich eine Massenschlägerei entwickeln und das wäre dann sehr ungemütlich», sagt er. Ein Pilot dürfe nicht riskieren, dass es Verletzte gebe an Bord. «Schliesslich kann man auf einem Flug niemanden ins Spital bringen.» Schäden noch unklar Geärgert haben sich die fast 200 anderen Passagiere vermutlich trotzdem. Laut Swiss-Sprecherin Myriam Ziesack können sie durch die Umkehr entstandene Schäden gemäss europäischer Fluggastrechtverordnung ge­gen­über der Airline geltend machen. Ob schon Forderungen eingegangen sind, gibt die Swiss nicht bekannt. Schäden sind aber auch der Swiss selbst entstanden. Sie musste die 200 Betroffenen kurzfristig in Hotels unterbringen und auf andere Flüge umbuchen. Welche Kosten dadurch entstanden, sei noch nicht bezifferbar, so Ziesack. Die Swiss behalte sich vor, gegen die beiden Streithähne auf Schadenersatz zu klagen. Mit einem Blick auf die Vergangenheit scheint dies allerdings eher unwahrscheinlich. Fünfmal haben sich in der Geschichte der Swiss vergleichbare Vorfälle ereignet. Zu einer Klage kam es nie.

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