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Die Schelte des Rieter-Chefs

Prominente Mitglieder des Rieter-Verwaltungsrates erzielten gestern an der GV schlechte Wahlresultate. Grund waren aber nicht etwa wütende Kleinaktionäre, sondern eine Empfehlung aus Amerika.

Auf dem Papier sah das Resultat für die Rieter-Chefs eigentlich gut aus: Der Verwaltungsrat hatte an der gestrigen Generalversammlung bei allen Traktanden ein Ja erreicht. Die Aktionäre zeigten sich zufrieden mit dem Geschäftsgang und stimmten der Jahresrechnung mit 99,2 Prozent zu. Kein Wunder: Rieter hat einen Reingewinn von 37,4 Millionen Franken erwirtschaftet. Und auch bei der mit Spannung erwarteten Statutenänderung zur Festlegung der Cheflöhne erhielt der Verwaltungsrat die nötige Mehrheit. Damit hat Rieter geklärt, wie bei ihr die Abzockerin­itia­ti­ve umgesetzt wird. Dies ist Sulzer beispielsweise noch nicht gelungen, weil die Firma vor ihren Aktionären scheiterte. Trotz des Vollerfolges bei den Abstimmungen und der Wiederwahl des Verwaltungsrates herrschte bei den Rieter-Chefs aber nicht vollauf Zufriedenheit. Grund waren die Wahlresultate. Früher gehörten nicht nur bei Rieter Zustimmungsquoten über 90 Prozent zur Tagesordnung. Gestern erreichten aber vier Verwaltungsratsmitglieder «nur» zwischen 76 und 79 Prozent, dar­un­ter die beiden Grossaktionäre Peter Spuhler und Michael Pieper. Am wenigsten Ja-Stimmen bekam Verwaltungsratspräsident Erwin Stoller selbst (76,79%). Das im Vergleich mit früheren Jahren schlechte Ergebnis kommentierte Stoller im Anschluss an die Wahlen auch gleich selbst. Es seien mitunter die Abstimmungsempfehlungen der amerikanischen Beratungsfirma ISS, die für dieses Resultat sorgten. Diese wird oft von ausländischen Aktionären konsultiert. Kritik von ISS gibt es unter anderem, wenn Verwaltungsräte selbst grosse Aktienpakete halten. Womit ihr Nein zu Peter Spuhler und Michael Pieper zu erklären ist. Stoller kritisierte dies deutlich. Die Abstimmungsempfehlung sei das Werk von «Theoretikern». Spuhler und Pieper hätten vor Jahren in einer kritischen Zeit in die Firma investiert, wofür er ihnen dankbar sei. «Und ich frage mich, wer sich noch in Verwaltungsräten engagiert, wenn diese Regeln der Weg der Zukunft sind.»

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