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Die Schulen stossen an ihre Grenzen

Die Stadt ist mit ihrer Schulraumplanung auf Kurs und bei den Lehrern als Arbeitgeberin beliebt. Der Spardruck zwingt die Schulen aber inzwischen, die Betreuung neu auszurichten.

Nicht mit Pauken und Trompeten, sondern orchestraler mit zwei Musikprojekten empfingen die Dritt- und Fünftklässler des Schulhaus Rebwiesen Schulvorsteher Stefan Fritschi (FDP) heute. Erstere hielten ihm ein dreistimmiges Ständchen auf der Geige, letztere eine koordinativ anspruchsvolle Rhythmus-Performance. Umso beschwingter präsentierte der Stadtrat und Cellist daraufhin die neusten Zahlen und Fakten zum Schuljahr 2014/15. «Für solch innovative Projekte soll es auch in Zukunft Platz haben», versprach er und tönte damit an: auch die Schule muss sparen, aber nicht zu jedem Preis. Selbst wenn im Stadtrat hart darum gerungen wird, wo die schrumpfenden Investitionen hinfliessen.«Dass wir mehr Klassenzimmer brauchen, ist unbestritten», sagt er. Hier werde man weiterhin Kurs halten. Die neuste Prognose bestätigt, dass es in fünf Jahren zusätzlichen Raum für 87 neue Klassen braucht. Stadtweit sind es dann 596. Bis 2019 wollen allein im Kreis Oberwinterthur 28 neue Klassen unterrichtet werden. Fritschi ist daher zuversichtlich, dass der Gemeinderat den Kredit für das Schulhaus Hegi noch diesen September bewilligt. Das Schulhaus Zinzikon mit 16 Klassenzimmern ist bereits 2105 bezugsbereit. Und nicht zuletzt schaffen die Minergie-Pavillons in den Schulhäusern Erlen, Rebwiesen und Hegifeld mit 19 Zimmer Abhilfe. Auf diese «Home Grown»-Patent-Lösung – geplant und gebaut in Winterthur – setze man auch in Zukunft. Für Fritschi ist klar: «Winterthur bleibt für Familien und Lehrer attraktiv.» Reservoir «Ostschweiz»

Die Zahlen sprechen für sich. 1119 Kindergärtner starteten diesen Montag und stellten damit ein neuen Winterthurer Rekord auf, während die Anzahl der neuen Erstklässler um 51 auf 1025 leicht abnahm. Trotz hoher Fluktuation füllt die Stadt Lücken beim Lehrpersonal problemlos. 150 haben in diesem Jahr neu angefangen, darunter viele Junge. «Das urbane Umfeld, die gute Infrastruktur und die Löhne machen Winterthur attraktiv», sagt Fritschi. In keinem anderen Kanton verdienen Einsteiger mehr. Viele Ostschweizer folgen diesem Ruf. Doch selbst hier hängt Schulhimmel nicht voller Geigen. Felix Müller, der Präsident des zusammengelegten Schulkreises Stadt-Töss betont, dass Spardiktat und Schülerwachstum im Alltag ihren Tribut fordern. «Die Schulpflege ist am Anschlag», sagt er. Die vom Gemeinderat verordnete Reduktion erschwere es, vakante Stellen neu zu besetzen. In seinem Kreis sind es derzeit zwei. Jeder Franken müsse umgedreht werden. Das Mehr an Schülern nage am Budget der Schulbetriebe. «Bei jedem Ausflug müssen wir uns fragen, ob und wie wir ihn durchführen können», sagt er. Grüner Anzug, grüne Zahlen

Um das Lehrpersonal zu entlasten, ohne bei der Betreuung Abstriche zu machen, will er auch auf eine neue, inzwischen bewährte Lösung setzen: Zivildienstleistende. In den Schulhäusern Mattenbach und Gutschick sind heute bereits drei Zivis im Einsatz. «Ziel ist es, künftig einen pro zwei Klassenzüge zu haben», sagt Müller. Steigt die Klassenanzahl wie erwartet, kümmerte sich es in fünf Jahren die kleine Schar von rund 25 Zivis um betreuungsbedürftige Schüler. Bewerber gibt es genug. «Sie sind gut qualifiziert und wollen pädagogische Praxis sammeln», sagt Müller. Bisher setzte man vor allem auf sogenannte Klassenassistenten, oft auch Senioren, die Teilzeit im Einsatz stehen. Zivis aber leisten ein 100-Prozent-Pensum und kosten einen Schulbetrieb rund 20'000 Franken pro Jahr und damit drei bis viermal weniger: Für die Kreisschulpflegen eine willkommene Sparhilfe, das sie das Budget für Sonderschulmassnahmen inzwischen selbst verwalten. Die jungen Männer würden betreuungsbedürftige Schüler nicht unterrichten, sondern ausserhalb des Unterrichts unterstützen, mit ihnen spielen und bei den Aufgaben unterstützen. «Das würdeden Lehrerberuf klar aufwerten», sagt Müller.

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