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Die Schweiz steht kopf

Seit einer Woche ist die Schweiz neu ausgerichtet. Dafür verantwortlich zeichnet die Winterthurer «Gruppe für eine Schweiz mit blauem Himmel». Ein Stück in (bis jetzt) vier Akten.

Hansueli Dubach ist Informatiker. Wer als Informatiker in einer Bank arbeitet, braucht einen guten Ausgleich. Für «Dubi», wie er von seinen Kollegen und Freunden genannt wird, ist es das Wandern. Besonders gern schnürt er mit drei Kollegen die Wanderschuhe: mit Philipp Berni, Luk Martz – beide ebenfalls Informatiker – sowie mit dem Musiker Jürg Thaller. Geht man nicht gerade wandern, so trifft man sich in der Winterthurer Stammbeiz an der Technikumstrasse und trinkt ein Bier. Und vielleicht noch eins. Und noch eins. Und … Erster Akt: Die Idee So ist es auch am Samstagabend, dem 17. November. Es wird spät, man sitzt am runden Tisch gleich vor dem Klavier. Und «Dubi» erzählt von seinen Wanderungen. Schon mehrmals ist er vom südlichsten Punkt der Schweiz (Chiasso, Tessin) zum nördlichsten (Bargen, Schaffhausen) marschiert. Einmal legte er diese Strecke sogar in mehreren, jeweils 24 Stunden dauernden Etappen zurück. Beim Überqueren eines Viehzaunes in Wetzikon bekommt Dubi Elektroschläge ab: «Das macht wieder wach und gibt Energie», schreibt er später auf seiner Internetseite. Nun soll bald die «Direttissima» folgen: Eine schnurgerade Wanderung vom nördlichsten zum südlichsten Punkt der Schweiz auf der direkten Linie mit einer maximalen Abweichung von 500 Metern. Alles schön und gut, finden die Kollegen. Aber immer nur vom nördlichsten zum südlichsten Punkt, das sei doch etwas langweilig. Doch was wäre, wenn man die beiden Punkte miteinander vertauschen würde? Langsam reift die Idee: Sie wollen die Schweiz auf den Kopf stellen. Und zwar jetzt gleich. Zweiter Akt: Im Norden Noch in der Beiz schreibt Luk Martz ein Plakat. Eigentlich soll es lauten: «Tafel weg – kommt wieder». Am Schluss steht dann aber, wohl wegen des Biers: «Tabel weg – kommt wieder». Man geht nach Hause, holt Werkzeug und gute Schuhe. Treffpunkt ist der Hauptbahnhof: Um 01.28 Uhr fährt der Zug nach Schaffhausen, um 2 Uhr kommen sie an. Einen Nachtbus nach Bargen gibt es um diese Zeit nicht mehr. Mit dem Taxi fahren sie nach Bargen, doch bei der Zollstation will der Chauffeur nicht mehr weiterfahren. Durch Nebel und Wald führt der Weg zum Grenzstein Nummer 593. Sie schrauben die grüne Tafel ab, die neben dem Grenzstein angebracht ist und erklärt, was es mit diesem auf sich hat. Dann heften sie das handgeschriebene Plakat dran: «Tabel weg – kommt wieder!» Die Infotafel wickeln sie in geblümtes Geschenkpapier. So reist sie inkognito nach Winterthur. Dritter Akt: Im Süden Sonntag, 25. November. Um 07.25 Uhr fährt der Zug nach Zürich, und ab dort gondelt man im Speisewagen ins Tessin. In Lugano müssen sie umsteigen. Dabei vergessen sie die «Tabel» im Zug, merken es aber noch auf dem Perron und sprinten los. In Chiasso liegt der «Punto estremo sud della Svizzera». Er wird seines länglichen, hölzernen Schilds beraubt, dafür hängt nun hier die grüne «Tabel» aus Schaffhausen sowie ein mehrsprachiges Bekennerschreiben. Inhalt: «Wie du vielleicht bemerkt hast, passt die Beschreibung auf dem Schild nicht zu diesem Ort. Da wir der Meinung sind, dass nicht nur Menschen ihren Standpunkt hin und wieder ändern sollen, haben wir die Schilder der Extremalpunkte Süd und Nord ausgetauscht.» Gezeichnet ist es mit «Gruppe für eine Schweiz mit blauem Himmel» (GSmbH) – und diese werde natürlich dafür sorgen, dass die Schilder an ihren richtigen Ort zurückfinden. Vierter Akt: Ver-rückte Welt Am 30. November wird das Werkzeug kontrolliert und die Tessiner Tafel, die in der Stammbeiz zwischen Pastis-Flasche und Wandtelefon angeschraubt war, eingepackt. Dann geht es wieder nach Bargen. Durch Dunkelheit, über Glatteis führt der Weg zum Grenzstein. Rasch sind die Tessiner Holztafel und das Bekennerschreiben montiert. Daheim in Winterthur feiert die GSmbH die ver-rückte Schweiz bei Pizza und Bier. Und jetzt wartet bereits die Umkehr: Bis Februar soll die Aktion rückgängig gemacht werden. Es sind jedenfalls nicht nur Winterthurer, die die Welt umdrehen; es sind auch Winterthurer, die sie wieder in Ordnung bringen. Oder so. Sicher ist: Der 5. Akt folgt.

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