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Die Schweizer sind Weltmeister im Goldhorten

Keine andere Zentralbank der Welt hütet pro Kopf der Bevölkerung mehr Gold als die Schweiz. Geht es nach den Befürwortern der Goldinitiative, müsste der bereits stattliche Goldbestand fast verdreifacht werden.

1040 Tonnen Gold sind im Besitz der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Nur sechs Länder verfügen über noch grössere Goldbestände als die kleine Schweiz, darunter die USA und Deutschland. Pro Kopf der Bevölkerung liegt die Eidgenossenschaft sogar mit Abstand an der Spitze: Pro Einwohner besitzt die SNB 126 Gramm Gold. Deutschland, das Land mit dem zweithöchsten Pro-Kopf-Anteil, kommt gerade mal auf einen Drittel: auf 42 Gramm pro Einwohner (siehe Grafik). Stimmt das Schweizer Volk am 30.November 2014 der Goldinitiative zu, wird der bereits überdurchschnittlich hohe Goldbestand weiter erhöht – und zwar massiv. Mindestens 20 Prozent der Vermögenswerte müsste dann die Nationalbank in Gold anlegen. Per Ende August lag der Anteil des Goldes bei 7,5 Prozent.

Währung mit Gold gedeckt

Früher lagerte in den Untergeschossen der Notenbanken mehr Gold als heute. Die SNB besass Ende der neunziger Jahre mehr als doppelt so viel: 2590 Tonnen. Die hohen Reserven rühren aus der Zeit des Goldstandards, als die Notenbanken in der Lage sein mussten, ihre Zahlungsmittel in Gold tauschen zu können. Um dies sicherzustellen, mussten sie für einen Teil der im Umlauf befindlichen Banknoten Goldreserven halten. Die Regelungen waren im Abkommen von Bretton Woods festgehalten. 1971 brach das Bretton-Woods-System mit den festen Wechselkursen zusammen, und das Gold verlor damit seine Bedeutung in der internationalen Währungsordnung. Im schweizerischen Münzgesetz blieb aber die Goldparität bestehen. Erst mit dem Inkrafttreten der neuen Bundesverfassung auf Anfang 2000 wurde die Goldbindung des Schweizer Frankens endgültig aufgehoben. In Artikel 99 der Bundesverfassung steht: «Die Schweizerische Nationalbank bildet aus ihren Erträgen ausreichende Währungsreserven; ein Teil dieser Reserven wird in Gold gehalten.» Über die Höhe des Goldanteils steht nichts. Sie liegt im Ermessen der Nationalbank. Zwischen 2000 und 2008 verkaufte die SNB mehr als die Hälfte ihrer Goldreserven. «Ende der neunziger Jahre bestand in der Schweiz ein breiter politischer Konsens darüber, dass die Goldreserven der SNB zu hoch seien», schreibt die SNB auf ihrer Homepage. Von 2000 bis 2005 verkaufte sie 1300 Tonnen Gold wegen der Aufhebung der Goldbindung des Frankens. Der Erlös ging zu einem Drittel an den Bund und zu zwei Dritteln an die Kantone. Zwischen 2007 und 2008 wurden weitere 250 Tonnen Gold verkauft, um laut SNB «eine ausgewogenere Verteilung der Währungsreserven zwischen Devisen und Gold zu erreichen». Auch die anderen Notenbanken Europas versilberten aus dem gleichen Grund ihre Goldreserven. Das sorgte in der Anlegergemeinde für eine grosse Unsicherheit (Kasten). Um den Goldpreis nicht absacken zu lassen, haben sich die Zentralbanken Europas und Nordamerikas Ende 1999 im Washingtoner Abkommen darauf geeinigt, dass keine Notenbank pro Jahr mehr als 400 Tonnen Gold verhökert. Das Abkommen wurde im Mai zum vierten Mal verlängert. Die SNB erklärte in einem Communiqué: «Die Beteiligten hegen zurzeit keinerlei Pläne, in namhaftem Umfang Gold zu verkaufen.»

Russen und Chinesen kaufen

Ganz anders die Russen: «Still und leise kauft die russische Notenbank Edelmetall auf, in riesigen Mengen», schrieb «Die Welt» am 28.August. Moskau besitze inzwischen den fünftgrössten Goldschatz der Welt. «Experten vermuten einen geheimen Plan.» Noch aggressiver als die Russen agieren schon seit geraumer Zeit die Chinesen. Das Handelsblatt aus Frankfurt schrieb kürzlich, dass sich die chinesische Zentralbank am Weltmarkt im grossen Stil mit Gold eindecke. «China ist inzwischen der grösste Goldförderer der Welt, kauft aber weiter zu.» Der Grund ist offensichtlich: Die aufstrebende Wirtschaftsmacht will die Abhängigkeit vom amerikanischen Dollar reduzieren. Das Land erzielt seit Jahren im Aussenhandel massive Überschüsse. Deshalb sollen sich die Währungsreserven seit 2005 vervierfacht haben. Laut dem Handelsblatt würden die Devisenreserven Chinas ausreichen, um die Goldbestände aller Zentralbanken der Welt zu kaufen – zweimal.

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