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Die Schwingerlegende Karl Meli lebt weiter

Beim ersten Karl-Meli-Festival war der prominente Schwinger als lebendige Erinnerung präsent.

Schon von weitem sind aus dem Festzelt mitten auf der Löwenstrasse lüpfige Ländlerklänge zu hören: Freude herrscht, denn allein am Samstag spielen zwischen zwölf Formationen, darunter die legendären Schmid-Buebe. Dass das Zelt um die Mittagszeit dennoch nur locker gefüllt ist, muss wohl dem Badewetter zugeschrieben werden.

Am musikalischen und kulinarischen Angebot kann es jedenfalls nicht liegen: Während die Kapelle René Jakober beschwingt Volkstümliches spielt, duftet es verführerisch nach Grilladen, Älplermagronen und Raclette. «Auslöser für das Festival war eigentlich der Umstand, dass die Stadt Winterthur und mein Vater dasselbe Geburtsdatum haben», erzählt Irène Bodenmann-Meli, Tochter des Schwingers und Wirtin im «Sternen». «Natürlich nur bezogen auf den Tag, den 22. Juni, und nicht auf das Jahr.»

Vor gut einem Jahr hat sie sich mit Andi Brunner, von dem die Idee stammt, und Zugewandten an die Realisierung gemacht. Ob das Festival wiederholt wird, ist laut Bodenmann-Meli noch offen; sie hofft, dass die finanzielle Bilanz nicht negativ ausfällt. Eintritt wurde nicht verlangt, stattdessen eine Kollekte eingerichtet: «Es war uns ein Anliegen, dass alle Musik hören können, unabhängig vom Budget.»

Initiative für Veltheim

Die Wirtin versteht den Anlass denn auch als «Initiative für Veltheim», wo im Rahmen der 750-Jahr-Festlichkeiten sonst nichts laufe. Private Sponsoren und freiwillige Helfer haben das Festival möglich gemacht.

Das Fest begann schon am Freitagabend, mit einer Direktübertragung der volkstümlichen Radiosendung «Zoogä-n-am Boogä» aus dem «Sternen» und dem angegliederten «Schwinger­stübli», einem umgebauten Wäschehäuschen hinter der Wirtschaft. Dieses war Melis letztes Projekt, fertiggestellt wurde es erst posthum Ende letzten Jahres. Beim Fest wurde zwar der Winterthurer Schwingerlegende gedacht, aber keineswegs «Heldenkult» betrieben: In einer Talkrunde am frühen Samstagnachmittag, die von der Speakerlegende Dagobert Cahannes moderiert wurde, kam Meli erst zum Schluss an die Reihe: Rolf Lussi, Präsident des Zürcher Kantonal-Schwingerverbandes, hat ihn noch als Trainer erlebt und dabei viel von seinen «Erfahrungen, Tipps und Tricks profitiert». Harry Knüsel hingegen, Schwingerkönig von 1986, hat Meli nur noch als «Wirt, Döschwo-Fahrer und Bernhardinerzüchter» erlebt.

Meli habe sich eben dadurch ausgezeichnet, dass er «viele lustige Sachen gemacht hat», weiss Knüsel. Meli selber dürfte das Treiben wohl «von oben» mit Freude verfolgt haben – «unten» präsent war er nicht nur in Form des «Karl-Meli-Marsches», sondern vor allem als lebendige Erinnerung in den Gesprächen seiner alten Schwingerkollegen, seiner Restaurantgäste, Freunde und Familienmitglieder. Alex Hoster

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