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Die Smartphone-Chirurgie - ein florierendes Geschäft

Zwei Jungunternehmer sind mit ihrer Smartphone-Reparaturwerkstatt so erfolgreich, dass sie nun einen Laden im Zentrum eröffnen. Sie haben die nächste Nische entdeckt.

Ein Kunde stiess einen langen Freudenschrei aus, ein anderer tanzte solange den Glückstanz in der Werkstatt, bis sein «Baby» die Not-Operation heil überstanden hatte: Solche Szenen spielen sich in der bescheidenen Smartphone-Reparaturwerkstatt «iPong Repair» im Zentrum Töss ab. Sie zeigen: Manch einer liebt sein Gerät innig oder hängt regelrecht davon ab. Laut ist der Hilferuf, gross der Phantomschmerz, hat das Smartphone einen Wasserschaden, geht das Display in die Brüche oder fällt der Akku aus. Neben der emotionalen «Beziehung», die manche mit ihrem Smartphone haben, ist es der hohe Kaufpreis, der einen daran hindert, es kampflos aufzugeben und zu ersetzen. Dass es hier eine Nische zu besetzen gibt, haben die heute 20-jährigen Kittipong Khundan und Gabriel Ruggli bereits vor vier Jahren begriffen und «iPong Repair» gegründet. Eine risikoarme Geschäftsidee, denn nirgends ist die Smartphone-Dichte höher als in der Schweiz (70 Prozent), der iPhone-Hochburg schlechthin (56 Prozent Marktanteil 2013).

Beziehungsnetz ist die halbe Miete

Sie starteten als Pioniere in Stadt und der umliegenden Region und konnten den Kundenstamm ihrer GmbH rasch erweitern. Inzwischen gehen täglich Aufträge von bis zu zehn Kunden ein und auch 60 KMUs zählen zum Kundenkreis. Mit dem Elektroniker Severin Hoch, der wie Informatiker Khundan vor allem defekte Geräte repariert, ist aus dem Zwei- ein Dreimannunternehmen geworden. Ruggli studiert im dritten Semester Sinologie. Er kümmert sich hauptsächlich um Bestellungen, Rechnungen und das Marketing. «Reich hat uns das Geschäft noch nicht gemacht. Inzwischen kann ich aber davon leben», sagt Khundan. Gestartet im Keller von Khundans Elternwohnung, richteten sie sich bald schon eine kleine Reparaturwerkstatt im Zentrum Töss ein. Am 15. November eröffnen sie am Obergasse 2 nun einen Laden mitten in der Altstadt. Die mühsame Suche nach einem attraktiven Standort nach hat die beiden gelehrt: Ein gutes Beziehungsnetz ist die halbe Miete.

Blaue Displays und andere Überraschungen

Es war bei weitem nicht die einzige Lektion für die zwei Jungunternehmer. Alles schriftlich zu verlangen und dass die Kunden heute einen 24/7-Service erwarten, sind weitere Erkenntnisse. Ersatzteile – Displays, Akkus und Hüllen – beziehen sie aus Shenzhen. Die chinesische 10-Millionen-Stadt an der Grenze zu Hong-Kong ist ein Zentrum der Hitech- und Elektronik-Industrie, wo auch der Riese Foxconn für Apple produziert. Seit Ruggli fliessend Chinesisch spricht und selbstbewusst und zielgerichtet ordern kann, bleibenen böse Überraschungen bei den Bestellungen praktisch aus. «Einmal hat man uns Displays mit Blaustich geschickt», sagt er und lacht. Der Markt für Ersatzteile sei riesig, das Angebot kaum mehr überblickbar. Mittelfristig planen die beiden daher ihre erste Geschäftsreise nach Shenzhen, um engere Kontakte zu knüpfen und bessere Konditionen auszuhandeln.

Aus, Ende, vorbei

Die Kundschaft von «iPong Repair» ist bunt durchmischt: Vom Geschäftsmann, dessen Blackberry wenige Stunden vor dem Flug den Dienst versagte, bis zum Teenager, der seine Fotosammlung verloren glaubt. «Helfen können wir praktisch immer», sagt Khundan. Knifflig werde es bei Wasserschäden, bei denen er unter dem Mikroskop die winzigen Widerstände auf dem Mainboard auswechseln muss. Die Preise variieren entsprechend zwischen 60 und 260 Franken. Da die Geräte immer schlanker und fragiler werden, kommen auch mehr Kunden mit zweigeteilten Handys vorbei. «Da lässt sich leider nichts mehr machen», sagt Khundan.

Umfeld und Marge im Blick

Rat wiederum wissen die beiden auf Fragen wie «Wo kann ich eigentlich die App zum Telefonieren herunterladen?». Smartphones und Tablets sind längst Alleskönner, was viele überfordert. Im neuen Laden werden sie daher Einsteiger-Kurse für den Umgang mit Geräten sämtlicher Betriebssysteme anbieten. Die nächste Nische. Auch hier sei die Nachfrage gross, vor allem bei der älteren Generation. «Wer sein Smartphone beherrscht, verliert die Umgebung nicht aus dem Blick», sagt Ruggli. Massen von aufs Display starrenden Passanten irritierten auch ihn immer wieder aufs Neue. Ruggli und Khundan sind keine Nerds, sondern Pragmatiker mit wachsendem Sinn für Geschäft. Im neuen Laden setzen sie auch auf den Verkauf von Zubehör und Smartphone-Gesamtlösungen. Licht, Musik, Heizung, Strom: das alles lässt sich heute übers Smartphone steuern. Und die Marge ist hier weitaus höher als bei einfachen Reparaturen. «iPong Repair», neu: Obergasse 2, Winterthur. Eröffnung am 15. November 2014. www.ipong.ch.

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