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Die «Solikarte» ist gefährdet

Zürich. Mit der «Solikarte» können Cumuluspunkte gesammelt werden, die Bedürftigen zugutekommen. Das privat initiierte Projekt steht vor dem Aus, weil die Migros die bisherige gemeinschaftliche Nutzung des Cumuluskontos ab 2014 nicht mehr tolerieren will.

Die vor rund drei Jahren lancierte «Solikarte» wird es in ihrer jetzigen Form möglicherweise bald nicht mehr geben. Das Konzept war einfach und hat wohl gerade deshalb zahlreiche Anhänger gefunden: Anstatt beim Einkauf in der Migros eine persönliche Cumuluskarte zu benutzen, wird die Solikarte verwendet, sodass die Punkte auf deren Sammelkonto landen. Die daraus resultierenden Migros-Gutscheine (1 Franken pro 100 Franken Einkauf) werden anschliessend Projekten im Asylbereich zur Verfügung gestellt, Das von der St. Gallerin Debora ­Buess gestartete Projekt hat offenbar im Laufe der Zeit zahlreiche Migros-Kunden überzeugt: In den vergangenen zwei Monaten generierte die Solikarte Migros-Gutscheine im Wert von rund 26 000 Franken. Wie viele Solikarten im Umlauf sind, weiss niemand so genau – der Strichcode kann schliesslich mit einfachen Mitteln kopiert und weitergereicht werden. Offiziell unterstützt hat die Migros das Projekt trotz einer entsprechenden Anfrage nie – aber sie duldete es lange Zeit, obwohl es möglicherweise von Anfang an gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen verstossen hat: «Cumulus ist eine Haushaltskarte», heisst es unter Punkt 2. Die gemeinsame Benutzung eines Cumuluskontos über diesen Rahmen hinaus war somit zumindest nicht vorgesehen. Spenden weiterhin möglich Dieser Punkt könnte der Solikarte nun zum Verhängnis werden. Die Migros hat Buess und ihren Unterstützern angekündigt, die Karte ab nächstem Jahr nicht mehr zu akzeptieren. Stattdessen sollte eine persönliche Cumuluskarte benutzt werden, deren Punkte anschliessend von den Inhabern auf das Konto der Solikarte übertragen werden können. Von diesem Angebot machen bereits die Glückskette, die Winterhilfe und weitere Organisationen Gebrauch. Wie kürzlich im «Migros-Magazin» zu lesen war, sind so insgesamt 140 000 Franken zusammengekommen. Die Macher der Solikarte wollen sich mit dieser Möglichkeit aber nicht zufriedengeben – sie befürchten, dass viele Unterstützer dann abspringen werden, weil dieses Modell für die Benutzer etwas aufwendiger ist als das jetzige. Die Punkteübertragung müssten sie zukünftig selber vornehmen. Bislang landen die Punkte direkt auf dem richtigen Konto. Zudem werden wohl auch nicht alle bisherigen Solikarte-Inhaber bereit sein, der Migros ihre persönlichen Daten zu überlassen und damit eine Analyse ihres Einkaufsverhaltens zu ermöglichen. Anpassung wäre zu teuer Die Migros wiederum weist den Vorwurf von sich, es ginge ihr mit dieser Massnahme nur darum, an die Daten der Kartenbenutzer zu gelangen. Das Unternehmen begründet den Schritt mit neuen Möglichkeiten der Cumuluskarte, die eine Identifikation des Inhabers zukünftig zwingend erfordern (beispielsweise für das Bezahlen mit dem Handy). Die IT-Systeme so anzupassen, dass die Solikarte trotzdem in ihrer heutigen Form weiterexistieren könnte, wäre laut Migros viel zu aufwendig. «Die Programmierkosten wären weit höher als der mit der Solikarte gespendete Betrag», sagt Mediensprecherin Christine Gaillet auf Anfrage. Ob es dabei bleibt oder ob sich bis Ende Jahr doch noch eine für beide Seiten tragbare Lösung finden lässt, ist derzeit offen. «Die Gespräche sind am Laufen», sagt Gaillet.

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