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«Die Spiele im eigenen Drittel gewinnen»

Die gute Arbeit des Verteidigerduos Patrick von Gunten und Roman Josi ist mit ein Grund für das Schweizer Hoch an der WM in Stockholm.

Die Schweizer Eishockeyaner weisen nach den drei WM-Erfolgen über Schweden (3:2), Kanada (3:2 nach Penaltyschiessen) und Tschechien (5:2) Spitzenwerte auf. Vor dem heutigen Match gegen Aufsteiger Slowenien stehen sie nicht nur in der Tabelle ganz weit vorne, sondern auch in andern Bereichen. Zum Beispiel bei den Goalies. Das Duo Martin Gerber/Reto Berra belegt mit 93,41 Prozent abgewehrter Schüsse Platz 5. Das ist im Vergleich zur WM 2012 in Helsinki eine eklatante Steigerung. Damals rangierten Reto Berra und Tobias Stephan als Duo auf Platz 14 (88,20 Prozent). Und obwohl die Schweiz in Finnland deutlich offensiver auftrat, war ihre Effizienz im Torschuss zu wenig gut (Platz 11). 2013 agierten bisher nur die Russen und die Amerikaner effizienter als die Schweizer. Ähnlich unterschiedlich präsentieren sich die persönlichen Zahlen von Verteidiger Patrick von Gunten. Der Klotener, der 2011/12 in Göteborg spielte, weist nach drei WM-Partien bereits mehr Eiszeit (56:37) als nach der gesamten letzten WM auf (51:47). Nur noch Roman Josi, sein Verteidigungspartner, stand im Schweizer Team bisher öfter im Einsatz. Josi war durchschnittlich 20:36 Minuten pro Spiel «unterwegs», der 28-jährige von Gunten 18:52. Die beiden «tragen» die Schweizer Defensive, weil sie enorm pucksicher sind und auch unter Druck sehr ruhig bleiben. Und so ordnet der Klotener die Geschehnisse in Stockholm ein. Patrick von Gunten, wie erklären Sie sich diesen grossartigen Schweizer Start? Patrick von Gunten: Wir haben im ersten Match gegen die Schweden gut gespielt. Es war dort knapp – und wir haben gewonnen. Das hat uns Vertrauen gegeben, wir wussten, dass das, was wir spielen, funktioniert. Es wurde nachher auch in den andern Spielen immer eng. Gegen die Tschechen stand es 2:2, dann konnten sie Powerplay spielen. Jeder dachte da, dass sie nun die Wende erzwingen. Aber wir konnten erneut dagegen halten. Was machen die Schweizer denn anders als vor einem Jahr? Da habt ihr gegen grosse Nationen auch gut ausgesehen, aber verloren. In Helsinki 2012 versuchten wir zu sehr, mit spielerischen Mitteln zum Erfolg zu kommen. Wir wollten die Gegner in der Offensive schlagen, wir liefen sehr viel. In Stockholm haben wir vielleicht nicht die beste Mannschaft zusammen. Deshalb war uns klar: Wir müssen die Spiele gegen die grossen Teams im eigenen Drittel gewinnen. Dazu ist es wichtig, dass wir die neu­trale Zone gut kontrollieren. Dieses System kostet deutlich weniger Ener­gie­ als vor einem Jahr. Hier haben wir zudem mit vier Blöcken durchgespielt, man muss kaum Angst haben, dass uns – wie früher manchmal – die Luft ausgeht. Sie bilden mit dem NHL-Verteidiger Roman Josi ein Paar. Ihr hattet aber keine Zeit, euch zu finden. Nein, wir absolvierten ein Training und ein Aufwärmen gemeinsam, das wars. Aber er ist ein sehr guter Spieler, er hatte keine Mühe damit, ins System zu finden. Er kennt es ja auch ein bisschen vom letzten Jahr. Obwohl er aus der NHL zu uns kam, ist Josi keiner, der sich in den Vordergrund stellt. Alle, die hier spielen, wissen, dass sie ein bisschen mehr machen müssen als im letzten Jahr. Sie haben mit Kloten eine schwere Saison hinter sich. Ist die WM so etwas wie eine Belohnung? Eine WM ist immer eine Belohnung. Aber für jeden Klotener, der hier ist, bedeutet es, dass wir als Spieler doch nicht so schlecht sind. Und nach den ersten Spielen empfindet man natürlich eine Riesenfreude – etwas, das wir in Kloten eigentlich nie hatten. Wie oft mussten Sie schon auf Schwedisch Auskunft geben? Erst einmal, nach dem Sieg über die Tschechen. Als wir die Schweden geschlagen haben, waren die Journalisten wohl eher mit ihrer eigenen Mannschaft beschäftigt. Was hat Ihnen das Jahr in Göteborg gebracht? In Kloten hatte ich in den ersten fünf Jahren meine Rolle, ich wusste, wie alles abläuft. In Göteborg musste ich mir meinen Platz zuerst erkämpfen. Dazu lebte ich alleine, das war neu für mich. Wie auch das Eishockey, das ist ein anderes Spiel. Wie kann man den Unterschied zur NLA erklären? In der Schweiz liegen die Schwerpunkte mehr auf dem Läuferischen und Technischen. In Schweden spielt man weniger mit Risiko. Und was man hier vor allem lernt: Das Spiel aus der eigenen Zone heraus ist sehr, sehr gut organisiert. Heute beginnt mit dem Match gegen Slowenien der zweite Teil des Turniers. Was erwarten Sie? Dreimal haben nun die andern Mannschaften das Spiel gemacht, jetzt werden wir das machen müssen. Wir werden deutlich mehr Puckbesitz haben, damit müssen wir gut umgehen. Trotz des guten Starts: Was können die Schweizer noch besser machen? Unser Powerplay ist steigerungsfähig. Gegen die Tschechen schossen wir zwar das 1:0 in Überzahl, aber sonst muss das besser werden. Auch in der Defensive gibt es das eine oder andere anzuschauen. Gegen die Tschechen kommt man kaum ohne Gegentreffer davon, doch das 2:2 brachten sie nur zustande, weil unsere Arbeit im eigenen Drittel nicht gut genug war.

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