Zum Hauptinhalt springen

Die umstrittene Grafik der SP

Die Einheitskassenlobby erweckt mit einer Grafik den Eindruck, die Krankenkassen hätten die Prämien viel zu stark erhöht. Mit der Realität hat das wenig zu tun.

Diese Grafik verfehlt ihre Wirkung garantiert nicht. Während die Gesundheitsausgaben um gut 40 Prozent steigen, klettert die Durchschnittsprämie um schwindelerregende 80 Prozent in die Höhe (siehe Illustration unten rechts). Zu finden ist diese Grafik auf der Startseite des Internetauftritts der Einheitskassenbefürworter. Die Aussage ist klar: Die Krankenkassen ziehen massiv überhöhte Prämien ein – ja sie zocken die Versicherten geradezu ab. Als Quelle der Prämiendaten nennt die SP, die die Einheitskassenkampagne führt, das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Dieses distanziert sich auf Anfrage: Die Grafik vergleiche Entwicklungen, die nicht vergleichbar seien. Das hat zwei Gründe. Erst einmal bildet die Grafik nicht die effektiven Prämieneinnahmen der Kassen ab, sondern basiert auf einer Schätzung des BAG zur durchschnittlichen Prämienentwicklung aller Grundversicherten. Das zweite Problem: Die Grafik gibt nicht an, wie stark die Kosten gestiegen sind, welche die Krankenkassen in der Grundversicherung begleichen, sondern sie bildet das Wachstum der gesamten Gesundheitskosten ab. Das ist problematisch, weil der Kostenanteil der Grundversicherung rascher wächst als die Gesamtkosten. Auch dies trägt dazu bei, dass die Grafik die Entwicklung stark zuungunsten der Krankenkassen verzerrt.

Aus Sicht der SP zulässig

Ist eine derart manipulative Darstellung zulässig? Unbedingt, findet die SP: «Im Abstimmungskampf darf man die Argumente zuspitzen», so Sprecher Michael Sorg. Auf die Frage, ob die Grafik nicht einfach falsch sei, sagt er, alle Daten seien korrekt. «Die Interpretation der Grafik überlassen wir dem Betrachter.» In der Sache räumt Sorg ein, dass die Grundversicherung ein Gewinnverbot kennt und die Krankenkassen deshalb nicht mehr einnehmen können, als sie ausgeben. Beim BAG wären auch realistische Statistiken verfügbar. Eine zeigt, dass die Krankenkassen jeweils um die 95 Prozent der Prämieneinnahmen zur Bezahlung von Gesundheitsleistungen verwenden. Der Rest entfällt auf Verwaltungskosten, Abschreibungen und Reserven. Laut dem Kassenverband Santésuisse stellt aber auch diese Statistik die effektiven Prämieneinnahmen zu hoch dar: Das BAG gibt auch nicht genau die effektiven Einnahmen der Kassen wieder, sondern das «Prämiensoll», das anhand der bewilligten Prämien berechnet wird. Die realen Einnahmen sind laut Santésuisse jeweils tiefer, da die Rabatte für höhere Franchisen oder Hausarztmodelle nicht vollumfänglich vorhersehbar seien.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch