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Die Uni geht dem Sound der Schweiz auf den Grund

Zürcher Forscher graben eine fast in Vergessenheit geratene Sammlung typischer Schweizer Musik wieder aus. Sie klingt teils recht unerwartet.

Wie musikalische Swissness klingt, das diktieren seit ein paar Jahren der Zürcher Rapper Bligg und sein Hitproduzent Roman Camenzind, die ihre stampfenden Popsongs konsequent mit Handörgeli und Hackbrett anreichern. Aber bei aller Hitparadenpower: Ganz so wirkungsmächtig wie ihr Vorgänger dürften sie kaum je werden.

Der Musikwissenschafter Fritz Dür hatte nämlich in den Fünfziger- und Sechzigerjahren den hochoffiziellen Auftrag gefasst, einen Katalog von typischer Schweizer Volksmusik zusammenzustellen. Diese akustische Visitenkarte des Landes wurde dann von Schweizer Radio International per Kurzwelle über den ganzen Globus getragen.

Jetzt nehmen sich Forscher vom In­sti­tut für Populäre Kulturen der Universität Zürich der 8000 Titel umfassenden Musiksammlung an, die zuletzt im Archiv in Vergessenheit zu geraten drohte. Zusammen mit Kollegen der Uni Basel und der Hochschule Luzern werden sie in den nächsten drei Jahren untersuchen, welche schweizerischen Eigenarten damit transportiert wurden. Der Nationalfonds unterstützt das Vorhaben mit 1,2 Millionen Franken.

Frivole Töne aus Helvetien

Während einer Auftaktveranstaltung an der Uni Zürich waren am Mittwochabend Kostproben aus dem Katalog von Fritz Dür zu hören. Dabei zeigte sich, dass dieser die musikalische Swissness offenbar grosszügiger auslegte als heute Bligg, Camenzind und Konsorten. Dani Häusler, Dozent an der Hochschule Luzern, demonstrierte das breite Spek- trum anhand eines volkstümlichen Schottisch, der von einer frivol sirrenden Hammondorgel begleitet wurde. Welche Schweiz-Assoziationen dies seinerzeit in Kairo, New York oder Tokio geweckt hat, ist leider nicht überliefert. Im Plenum warf es aber die Frage auf, ob Dür seinen Auftrag womöglich gar mit einem Hang zur Subversion erledigt hat.

Wer sich selbst ein Urteil bilden will, kann ab sofort jeweils mittwochs um 18.30 Uhr auf dem Radiosender Musikwelle ein Ohr voll Swissness von anno dazumal nehmen.

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