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Die Veloverleihstation verschwindet vom Hauptbahnhof

Ein weiteres Veloprojekt der Stadt ist gescheitert. Die Verleihstation Publibike am Bahnhof soll nach Ablauf der Testphase diesen Frühling schliessen.

Hoffnungsfroh kündigte die damalige Stadträtin Pearl Peder­gnana (SP) im April 2012 die Veloausleihstation am Bahnhof an: «Mit diesen Fahrrädern soll die letzte Meile im öffentlichen Verkehrssystem erschlossen werden.» Geschäftsreisende, aber auch Touristen sollten die vorerst sechs Velos und zwei E-Bikes gegen eine geringe Gebühr nutzen. Der Testbetrieb war auf drei Jahre ausgelegt. Danach wolle man Bilanz ziehen und allenfalls weitere Standorte eröffnen.

Nicht kostendeckend

Daraus wird nun definitiv nichts. Im Frühling stellt die Stadt den Verleih ein. «Nicht weil wir von der Idee nicht überzeugt gewesen wären, aber angesichts der beschränkten personellen und finanziellen Ressourcen hat der Stadtrat 2014 entschieden, auf die Weiterführung des Projekts zu verzichten», sagt Raffael Noesberger, Gesamtleiter Verkehr der Stadt. Denn der Verleih ist nicht kostendeckend. Rund 10 000 Franken kostet die Station die Stadt pro Jahr. Zudem entsprach die Nachfrage nie den Erwartungen. In der Startphase gab es im Schnitt rund 50 Vermietungen pro Monat. In wärmeren Monaten wurden die Velos bis zu 80- mal im Monat genutzt. Im letzten Halbjahr sanken die Verleih­zahlen nochmals drastisch. Der Grund: Das Bahnhofsgebäude, vor dem die Verleihstation platziert war, wurde in den letzten Monaten umgebaut. Deshalb musste die Publibike-Station zuerst für ein paar Monate geschlossen und später in die Velostation Stellwerk unter dem Bahnhof gezügelt werden. Die Mietfahrräder waren dort für Passanten nicht mehr sichtbar. Entsprechend gab es trotz Hinweisschildern zuletzt nur noch knapp zehn Ausleihen im Monat.

«Halbherzig aufgezogen»

Für Noesberger ist klar, dass für eine attraktive Velovermietung mehrere Standorte über die Stadt verteilt nötig gewesen wären. Offerten für weitere Stationen – etwa Quartierbahnhöfe – holte die Stadt zwar ein, doch man sei wegen der beschränkten Mittel zur Erkenntnis gekommen, dass es dringendere Projekte gebe, so ­Noesberger. Dies kann auch Kurt Egli von Pro Velo nachvollziehen. Er kritisiert jedoch, dass der Verleih mit nur einer Station von Beginn weg halbherzig aufgezogen worden sei. Lausanne beispielsweise hat ein grosses Verleihnetz mit über 20 Publibike-Stationen und 280 Velos.

Kommt hinzu, dass das Ausleihen für Gelegenheitsnutzer etwas umständlich ist. Mieter brauchen eine Publibike-Kundenkarte für 25 Franken im Jahr. Mit der Karte kostet die Stunde zwei Franken, maximal 20 Franken pro Tag. Einmalige Nutzer können via Smartphone mit der Kreditkarte einen Code erwerben. In diesem Fall kostet die erste Stunde sechs Franken, ein Tag 20 Franken.

Immerhin muss sich die Stadt keine Gedanken dar­über machen, was mit Velos und E-Bikes geschieht. Sie gehören der Anbieterin Publibike, hinter der Postauto, SBB und «Rent a Bike» stehen. Publibike kann die Fahrräder an anderen Standorten in der Schweiz einsetzen. Mirjam Fonti

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