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«Die vielen potentiellen Straftäter zeigen das hohe Gewaltpotential»

Die Polizei hat heute 35 Personen im Zusammenhang mit der Tanzdemo «Standortfucktor» angezeigt. Sicherheitsvorsteherin Barbara Günthard-Maier nimmt dazu Stellung.

Die Polizei zeigt nun 35 Personen an, die an der Demonstration vom 21. September straffällig geworden seien. Das ist über ein Drittel der damals verhafteten. Sind Sie von dieser Zahl überrascht?

Barbara Günthard-Maier: Zu den Verfahren selber kann ich nicht näher Stellung nehmen, bevor sie abgeschlossen sind. Aber die Tatsache, dass die Polizei inzwischen bereits so viele potentielle Straftäterinnen und Straftäter identifiziert hat, zeigt das sehr hohe Gewaltpotential der damaligen Kundgebung. Offensichtlich haben zahlreiche Demonstrationsteilnehmende die Kundgebung als Deckmantel benützt, um Straftaten zu begehen. Damit wird auch bestätigt, wie wichtig der gemeinsame Einsatz von Stadt- und Kantonspolizei für die Sicherheit im Stadtzentrum damals tatsächlich war.

Die Polizei wurde wegen des harten Vorgehens kritisiert. Beurteilen Sie den Einsatz nach wie vor als angemessen?

Dass die Polizei bereits so viele Personen identifiziert hat, die mutmasslich straffällig geworden sind, macht deutlich, wie hoch die Gewaltbereitschaft in der damaligen Kundgebung tatsächlich war. Es zeigt sich damit auch, dass die Polizei seinerzeit angemessen und richtig reagiert hat. Sie hat die Stadt vor massiven Sachschäden bewahrt. Die Verletzung der jungen Demonstrantin ist sehr bedauerlich. Wie es dazu gekommen ist und ob die Verletzung tatsächlich durch ein Gummigeschoss verursacht wurde, wird derzeit untersucht.

Die Juso hat Ihren Rücktritt gefordert. Was sagen Sie dazu?

Als Sicherheitsvorsteherin kann ich es leider nie allen recht machen, wenn der polizeiliche Umgang mit einer solchen Veranstaltung in Frage steht. Besonders schwierig wird es dann, wenn ein Teil der Demonstrationsteilnehmer die Personenansammlung offensichtlich als Schutzschild missbraucht, um Straftaten zu begehen. Ich muss die unterschiedlichen Auffassungen zur polizeilichen Bewältigung einer solchen Situation akzeptieren und gehe deshalb auch mit der nötigen Gelassenheit mit solchen Forderungen um. Entscheidend ist letztlich aber, dass es dank dem besagten Polizeieinsatz gelungen ist, die Sachschäden im Stadtzentrum in engen Grenzen zu halten und wüste Krawalle, wie wir sie in Bern erlebt haben, zu verhindern. Die zahlreichen Strafanzeigen sprechen ein deutliches Wort.

Sie haben immer betont, sie seien zum Dialog bereit. Sind Sie unterdessen mit den Organisatoren der Tanzdemonstration ins Gespräch gekommen?

Bereits vor dem damaligen Anlass haben wir versucht, mit den anonymen Organisatoren der Kundgebung in ein konstruktives Gespräch zu kommen. Das ist uns leider nicht gelungen. Es war niemand bereit, persönlich für die damaligen Geschehnisse geradezustehen. Inzwischen befinden wir uns aber bereits in einem Dialog mit verschiedenen Interessenvertreterinnen und -vertretern, um ihre politischen Anliegen zu erörtern und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Das Interview wurde in schriftlicher Form geführt.

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