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Die Weichen in Neuhegi sind gestellt

Das Parlament hat die Planungen für das Wachstumsgebiet Neuhegi-Grüze gestern klar gutgeheissen. Einzig die GLP wehrte sich gegen die Vorlage. Sie beklagte, dass auf Kosten von noch mehr Wohnungen Industrieland geopfert werde, kämpfte aber auf verlorenem Posten.

Dass die Zukunft eines ganzen Stadtquartiers auf dem Spiel stand, war gestern im Gemeinderat nicht zu überhören. Fast zwei Stunden lang wurde über die Mammutplanungsvorlage für das Gebiet Neuhegi-Grüze diskutiert. Allein sechs Referenten aus der Baukommission traten auf, um die einzelnen Puzzleteile der Vorlage vorzustellen. Die Kommission hatte zuvor ein Jahr lang über den Details gebrütet, in 13 Sitzungen. Anders veranschaulicht: Allein die Druckkosten für die vielen Pläne und Papiere der dreijährigen Arbeiten beliefen sich auf 25 000 Franken. Die Vorlage beinhaltet, verkürzt gesagt, Folgendes: Je einen Gestaltungsplan für die Zonen um den Bahnhof Grüze (Nummer 1 in der Karte) und um den Bahnhof Hegi (2). Hier sollen Mischzonen entstehen, mit Gewerbe, Büros und einem maximalen Wohnanteil von 50 Prozent, der Rest ist für Arbeitsplätze reserviert. Für die Industriezone (3) werden neue Regeln festgelegt: Verkehrsintensive Nutzungen wie etwa Baumärkte stehen auf der Verbotsliste, und auch Büros dürfen nur dann in grosser Zahl entstehen, wenn sie in direktem Zusammenhang mit ansässigen industriellen Betrieben stehen. Zum Paket gehören auch ein Grüngürtel, für den die privaten Landeigentümer – die von den Umzonungen kräftig profitieren – Land abtreten und einen Teil ihrer Gewinne hergeben müssen. Sowie ein Konzept für den Velo- und Fussgängerverkehr. Bürgerliche ins Boot geholt Die Vorlage war nach Bereinigungen im Vorfeld gestern fast unbestritten. So war ge­gen­über den ersten Plänen eine zweite Baumreihe in der Sulzer-Allee auf Wunsch der Industrie gestrichen worden. Ausserdem verzichtete man in der Industriezone (3) auf die Vorschrift, dass neue Betriebe zwingend ein Mobilitätskonzept erarbeiten müssen. Diese Änderungen, die SP und Grüne als eine Kröte schluckten, holte die Bürgerlichen ins Boot. Gegen die Vorlage wendeten sich allein die Grünliberalen. Die Partei, die sonst oft allein über Mehrheiten entscheidet, stand für einmal allein auf weiter Flur. Das Pièce de Résistance: Beim Bahnhof Hegi wird Industrieland in eine Mischzone umgezont. Die GLP hingegen plädiert für die Devise «Industrieland soll Industrieland bleiben», wie Beat Meier sagte. Die Umzonung mehre die Gefahr, dass Winterthur endgültig zum «Wohnsilo» im Kanton Zürich verkomme. Meier stellte bezogen auf den Gestaltungsplan Bahnhof Hegi einen Ablehnungsantrag – und auch gleich den Eventualantrag, den maximalen Wohnanteil in diesem Gebiet auf 30 Prozent zu beschränken. Mit Felix Landolt (SP) und David Schneider (FDP) bekundeten zwar zwei Kommissionskollegen Sympathien für den Vorbehalt der GLP, sie lehnten die Anträge dennoch ab, zusammen mit ihren Fraktionen. «Wir würden auf Feld eins zurückgeworfen», sagte Landolt. Schneider drückte es so aus: «Das ganze Kartenhaus der Verträge mit den Landeigentümern würde in sich zusammenfallen.» Lilian Banholzer (EVP) beklagte zwar, dass dem Parlament eben wegen dieser Verträge wenig Entscheidungsfreiheiten blieben. Auch ihre Partei lehnte die GLP-Anträge aber ab. Walter Langhard (SVP) lobte die Planung als «guten Kompromiss», Matthias Baumberger (CVP) lobte die Verwaltung. Ein umstrittenes Motörchen Jürg Altwegg (Grüne) sagte, in den Mischzonen könnten sogar mehr Arbeitsplätze entstehen als in Indus­triezonen. Meier tat dies als Hypothese ab. Bauvorsteherin Pearl Pedergnana (SP) bezeichnete den Wohnanteil als «Anreiz für Investoren». Meier hingegen meinte, «wir brauchen das Motörchen Wohnungsbau nicht». Das half nichts. Die GLP-Anträge fielen bei der Mehrheit durch, welche die Vorlage ohne Änderungen verabschiedete. «Ob wir richtig geplant haben, wissen wir erst im Nachhinein», hatte Pedergnana da bereits gesagt. Bis das Gebiet überbaut ist, kann es 2040 werden.

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