Zum Hauptinhalt springen

Die Welt braucht seine Lieder

Es ist noch lange nicht Schluss: Udo Jürgens macht auf seiner Mitten-im-Leben-Tournee halt in Zürich. Und ist wieder in seiner Heimat angekommen.

Der Weg hat in Klagenfurt begonnen, lang ist es her. Die Lieder haben ihn dann um die Welt geführt. Überall ist Udo Jürgens schon aufgetreten: in Rio, Warschau, Paris, Tokio. Und der Weg, das zeigt der Einspieler zu Beginn seines Konzerts im Zürcher Hallenstadion, geht jetzt zu den Sternen. «Es ist schön, hier zu sein», sagt Udo Jürgens, der im September 80 wurde. Das Hier ist sein Zuhause.

«Mitten im Leben», so heisst die aktuelle Tournee. Zürich ist Zwischenstation. Zehntausend Menschen sind am Sonntag ins Hallenstadion gekommen, jeder Platz ist besetzt. Die Welt braucht seine Lieder. Für die Zukunft.

Mit «Alles aus Liebe» beginnt dann das eigentliche Konzert. Udo Jürgens ist am Flügel, Pepe Lienhard steht mit seinem Orchester auf der Bühne im Hintergrund. Es ist wie immer. Und doch hört man Udo Jürgens anders.

Hunger nach Glück

«Lass die Erde in Frieden sich drehn – und nicht im Streit, lass der Jugend ihren Spass und den Hunger nach Glück, lass den Alten die Würde – oder gib sie ihnen», das ist die Ansage. «Natürlich könnte ich gleich am Anfang die alten Lieder singen», sagt Udo Jürgens. «Aber die Menschen haben doch das Recht dar­auf, zu wissen, was ich heute denke.»

Und er sagt, was er denkt. Der Zustand der Welt macht ihm Sorge. Zu viel Gier, zu viel Raubbau an der Natur, zu viel Überwachung, das ist zu wenig Zukunft für die Kinder. Davon sprechen die aktuellen Lieder wie «Die riesengrosse Gier», «Der gläserne Mensch». Und weil Udo Jürgens ein sehr höflicher Mensch ist, ist jedes Lied eine Bitte – auch an die Menschen im Publikum.

«Ich wüsste gern, was die Schweiz denkt», sagt Udo Jürgens, «und wie es mit der Demokratie weitergeht.» Die Menschen im Hallenstadion klatschen zu diesen Worten, als hätten sie alle gegen die Masseneinwanderungs- in­itia­ti­ve gestimmt.

Wir sind in einem ehrenwerten Haus. Aber «Ein ehrenwertes Haus» kommt natürlich erst später. Wie natürlich «Aber bitte mit Sahne».

Denn zuerst kommt noch die Nachdenklichkeit mit der symphonischen Dichtung «Krone der Schöpfung» («Wir opfern unsre Wälder dem Gott aus Stahlbeton»). Das tönt recht nach Öko-Pop – wie auch andere Lieder. Aber so einfach das auch tönt, man darf es sich mit Udo Jürgens nicht zu einfach machen. Er hat eine Botschaft. Er trägt sie vor. Das ist gut so.

Bei «Immer wieder geht die Sonne auf» gehen auch im Publikum die Herzen auf – und manche singen das Lied leise mit, als ob es sie schon lange begleitet hätte, vielleicht auch durch schwierige Momente. Wir stehen alle mitten im Leben. Und das ist die andere Dringlichkeit dieses Konzerts: Man ist gekommen, um zu danken.

Jetzt swingt die Halle

Allfällige Geschenke und Blumen sollen bitte in der Pause vor die Bühne gelegt werden, hat das Management vor dem Konzert ausrichten lassen – Mitarbeiter würden dann die Gaben Herrn Jürgens zukommen lassen. Das Publikum bedankt sich aber anders, es zeigt Nähe.

Noch vor «Tausend Jahre sind ein Tag» hat Udo Jürgens eine Bitte. Zwei Lieder möchte er noch «ungestört von vorne nach hinten bringen». Die ganze Kon­zen­tra­tion gilt dann dem Lied «Griechischer Wein», es kommt in einer Fassung auf die Bühne, die schöner und trauriger nicht sein kann. Ein grosser Moment.

Dann darf das Publikum vor die Bühne kommen. Das Konzert wechselt die Farbe. «Ich war noch niemals in New York» gibts mit richtigen «New York, New York»-Einsprengseln – jetzt swingt die ganze Halle. Udo Jürgens ist jetzt der grosse Unterhalter, schon längst hat er die Krawatte und den Veston abgelegt. Es folgt der obligate Auftritt im weissen Bademantel. Dann, in Jeans und Hemd, das letzte Lied: «Zehn nach elf»: über einen Künstler, der aus dem Licht tritt und sich nach der Nähe eines geliebten Menschen sehnt.

Dann black auf der Bühne. Auf einmal ist Leere, wo einer mitten im Leben stand. Und wir sagen: Merci, Udo Jürgens, für die drei Stunden. Stefan Busz

Udo Jürgens tritt am 8. März mit dem Orchester Pepe Lienhard nochmals im Zürcher Hallenstadion auf.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch