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Die zähe Kleinarbeit hat sich gelohnt

Ihr unermüdlicher Kampf für das Recht aller Kinder auf Schulbildung wurde gestern mit dem Friedensnobelpreis geehrt: Die Pakistanerin Malala Yousufzai teilt den Preis mit dem indischen Kinderrechtsaktivisten Kailash Satyarthi.

Vor Jahresfrist schien Grossbritannien den Atem anzuhalten. Schon damals galt die in Birmingham lebende Pakistanerin Malala Yousufzai als Favoritin für die prestigeträchtige Anerkennung aus Oslo. Als die Nachricht vom Gewinn des Friedensnobelpreises für die 17-Jährige diesmal tatsächlich eintraf, wirkten die Medien eher desinteressiert; die öffentlich-rechtliche BBC verbannte die jüngste Preisträgerin der Geschichte auf den letzten Platz ihrer Mittagsnachrichten – hinter das Resultat einer Nachwahl, die Auswirkungen der Ebola-Epidemie und den neuesten Frontbericht aus Syrien. So ist das wohl mit dem Herzensanliegen der tapferen jungen Frau. Schulbildung für Mädchen, egal, wo sie aufwachsen, taugt in unruhigen Zeiten nicht als Schlagzeilenthema, sondern bedarf zäher Kleinarbeit. Malala habe «durch ihr eigenes Beispiel» bewiesen, dass junge Leute zur Verbesserung ihrer Situation beitragen könnten, hiess es in der Urteilsbegründung. «Bildung gehört weder zum Westen noch zum Osten», darauf beharrt die Geehrte. «Bildung ist ein Menschenrecht für alle.» Bekenntnis zum Islam Unfreiwillig stellt Malala den Beweis dafür dar, dass dieser für uns selbstverständlich erscheinende Grundsatz in manchen Weltregionen lebensgefährlich sein kann. Weil sie zum Symbol für einen friedfertigen, aufgeschlossenen Islam geworden war, schoss ein Auftragskiller der Taliban der damals 15-jährigen im Oktober 2012 mitten ins Gesicht. In monatelangem Kampf retteten Ärzte in Pakistan und England zunächst Malalas Leben, unterzogen sie schweren Gehirnoperationen, verhalfen ihr durch ein Implantat dazu, ihr Gehör wiederzuerlangen. Malala trat an der Seite von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon in New York auf als lebendes Symbol zähen Durchhaltewillens. Wie eine geübte Politikerin hielt sie eine Rede, die im Aufruf gipfelte: «Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch, ein Stift können die Welt verändern.» Dass dies eine überzeugte Muslima sagt, die ein Kopftuch trägt und sich zu ihrer paschtunischen Herkunft bekennt, wiegt schwer. «Der Islam gehört zu mir. Islam bedeutet Frieden», sagt sie und verkörpert damit die Hoffnung vieler westlicher Politiker, die um die Integration ihrer muslimischen Minderheiten ringen. Malala verkörpert die Hoffnung darauf, Westen und Osten könnten sich einigen auf das grosse Ziel der Bekämpfung von Ignoranz und Armut. Vorbild und Bedrohung Dass sie ihr Heimatland Pakistan an dessen Schattenseiten erinnert und zur Reform mahnt, dürfte der Grund dafür sein, dass die im Westen Hochgeehrte im Osten zwiespältige Gefühle hervorruft. Die Morddrohung gegen Malala gilt weiter, weshalb sie mit ihren Eltern und zwei jüngeren Brüdern in Birmingham lebt. Natürlich gibt es auch in Pakistan viele, nicht zuletzt Mädchen und Frauen, die begeistert Malalas Leben nacherzählen: die frühe Neugier auf neue Erkenntnisse, die vor allem durch ihren Vater Ziauddin geweckt wurde; der zunächst anonyme Blog für den World Service der BBC; schliesslich die Prominenz in den lokalen und nationalen Medien. Übrigens: Pakistans Premierminister Nawaz Sharif hat der 17-Jährigen gratuliert: Sie sei «der Stolz» seines Landes.

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