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Die Zeit der Geheimtrainings

Eine ganze Woche haben die Schweizer Fussballer Zeit, sich in Brasilien zu akklimatisieren und das WM-Startspiel gegen Ecuador vorzubereiten.

Ein erstes Training im Estadio Municipal von Porto Seguro, um hineinzuschnuppern in die WM-Umgebung noch am Tag der Landung. Tags dar­auf wurde gut 1000 Zuschauern auf der vollen Tribüne des kleinen Stadions ein öffentliches Training geboten – nicht unkonzentriert, gewiss. Aber auch (noch) nicht sonderlich intensiv. Und es durfte Xherdan Shaqiri zur Kenntnis nehmen, auch weitab von Basel oder München bestens bekannt zu sein.

Sehr wenig «geheim»

Schon am Montag aber wurde nach einer für die Medien offenen Viertelstunde hinter verschlossenen Türen gearbeitet. Heute fällt selbst diese Viertelstunde für die Fotografen weg und wird, um 13 Uhr Lokalzeit, zu jener heissen Mittagsstunde geübt, zu der am Sonntag auch angepfiffen wird. Es ist, in der Endphase der Vorbereitung des Matches gegen Ecuador, der sich bereits als «Final» um einen Achtelfinalplatz ankündigt, also die Zeit der Geheimtrainings angebrochen.

Das ist normal, und die Tage vor einem grossen Anlass sind immer die langatmigsten, um nicht zu sagen langweiligsten. Dafür sind es die spekulativsten. Dabei ist doch nur noch sehr wenig geheim – wenigstens was das Schweizer Team anbetrifft. Die Spekulationsobjekte sind noch immer dieselben: Ist Fabian Schär wirklich der Innenverteidiger an der Seite des als gesetzt geltenden Steve von Bergen? Reichts Admir Mehmedi, den zuletzt formschwachen Granit Xhaka aus der Startelf zu verdrängen? Coach Ottmar Hitzfeld hat natürlich nichts dagegen, wenn so gedacht, so gesprochen und geschrieben wird.

Denn wenn er vor dem Publikum an diesem Pfingstsonntag in Porto Seguro bei den taktischen Übungen die verschiedensten Abwehrduos zusammenwirken lässt, dann lässt er damit auch die Spieler im Ungewissen. Es sagt dann einer wie Philippe Senderos: «Der Trainer hat hier noch nie die Anfangself zusammen aufgestellt. Er mag sie schon wissen, aber wir wissen sie nicht – und es kann sich jeder zeigen.» Und schon gar nicht würde einer der Verteidigerkandidaten sagen, er glaube, er spiele oder sei gar davon überzeugt. Selbst von Bergen formuliert es so: «Ich machte neun von zehn Qualifikationsspielen. Aber hier sind wir vier und ich sagte immer: Nichts ist sicher, man muss sich immer wieder beweisen.»

Und doch denkt man, es werde dann schon auf diese Variante hinauslaufen: im Abwehrzen­trum auf Fabian Schär als Partner von Bergens, im offensiven Mittelfeld auf Xhaka, der noch immer so viel Kredit hat, dass er – und eben nicht Mehmedi – beginnt. Die ganz Cleveren werden ja sagen, Schär und von Bergen müssten schon deshalb zusammen spielen, weil ausgerechnet sie es bei diesem offenen Training nie taten …

Wichtiger Punkt dieser Tage ist natürlich, sich ans Klima zu akklimatisieren. In der Feriengegend Porto Seguro ist es in diesen brasilianischen Wintertagen sicher warm, aber bisher nicht über 30 Grad; gewöhnungsbedürftiger ist die Luftfeuchtigkeit. Sie ist höher als in der Schweiz, aber auch nicht dramatisch. Am Sonntag in Brasilia auf knapp 1200 Metern Meereshöhe wird die Schweizer weniger Luftfeuchtigkeit erwarten; in Salvador danach (gegen Frankreich) schon deutlich mehr; zum Schluss im gefürchteten Manaus sicher am meisten.

Schwerer als vorher …

Aber bis dahin sollten sich die Fussballer doch schon zurechtgefunden haben. Ganz abgesehen davon, dass sportliche Grossanlässe unter schwierigen klimatischen Bedingungen – sieht man mal vom besonders unangenehmen Manaus ab – schon öfter stattgefunden haben. In Mexiko zwei Fussball-Weltmeisterschaften, auch mal Olympische Spiele. Und wer vor 20 Jahren in der texanischen Mittagshitze oder in Florida zu einem WM-Spiel antreten musste, wird genauso gefordert worden sein, wie er es hier in Brasilien wird.

Es sind aber auch die wissenschaftlichen Kenntnisse fortgeschritten, wie diesen Anforderungen zu begegnen ist. Also wurde selbst am Sonntag im Training gemessen, wie sich das Gewicht der Sportler veränderte. Und dann war einer wie der offensichtlich hitzeresistente Verteidiger Michael Lang nach der Einheit (mit mehreren Trinkpausen) 100 Gramm schwerer als vorher … «Ich habs auch gern, wenns warm ist», schmunzelte Lang dazu.

Nur ein paar Kilometer von den Schweizern entfernt hausen die Deutschen. Sie sind einen Tag später auf dem kleinen Flughafen Porto Seguro eine gute Flugstunde nördlich von Rio de Janeiro niedergegangen. Sie fuhren nach der Landung ein paar Kilometer weiter der Atlantikküste entlang als die Schweizer, in deren Resort sich übrigens die … deutschen Spielerfrauen niedergelassen haben. Deren Männer mussten mit der Fähre erst noch den Rio João da Tiba überqueren, ehe sie «daheim» waren. Zeit, sich vorzubereiten, haben sie gleich viele wie die Schweizer. Denn sie spielen einen Tag später, im feuchten Salvador gegen Portugal. hjs

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