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Die ZSC Lions sind im Hoch

Als 1997, vor erst 17 Jahren, die Grasshoppers und der ZSC in der Not fusionierten, konnte niemand ahnen, was sich da aus dem Dunst des Hallenstadions erheben würde.

Wenn die ZSC Lions heute Abend gegen die Rapperswil-Jona Lakers in die Saison starten, tun sie das auf dem Eis im Selbstbewusstsein, für eine erfolgreiche Titelverteidigung stark genug zu sein. Mit dem sportlichen Aufstieg zu einer festen Grösse einher ging der Wandel des Vereins, der im Hallenstadion spielt. Nur 17 Jahre liegen zwischen dem stolzen Moment, da die Lions als Top-Organisation in eine Saison starten – für die sie bereits über 7000 Karten pro Match abgesetzt haben – und dem drohenden Ende. Nur gut sieben Jahre ist es her, als viele jammerten, die neue Führung habe dem «alten» ZSC die Seele und Stimmung geraubt. Tatsache ist: Der ZSC, den es heute gibt, wäre 1997 wohl von der Bildfläche verschwunden, wenn nicht einige «Hardcore-Fans» die Vernunft über das Herz gestellt hätten. Der Stadtzürcher Liftklub wies damals 2,8 Millionen Franken Schulden auf, er lief Gefahr, im Netz des neugegründeten Lizenzierungsverfahrens hängen zu bleiben. Die Nationalliga erlaubte nur eine halbe Million Schulden. In dieser heiklen Phase traten wieder einmal die Grasshoppers des Walter Frey auf den Plan, die trotz teurer Verpflichtungen erneut den Aufstieg in die NLA verpasst hatten. «Muesch nöd verschreckä» Bei Informationsveranstaltungen und Abstimmungen im Stadthof 11 wurden flammende Appelle und hitzige Reden gehalten. Die Neureichen wollte man nicht. Erst, als sich bekennende ZSC-Fans für eine Zusammenführung aussprachen, kippte die Stimmung. Die ZSC Lions brachten ihrem neuen Besitzer Walter Frey den ersehnten Platz in der NLA, Frey brachte das Geld mit. Die Übernahme löste mit der Namensänderung von ZSC auf Züri Lions nochmals enorme Aufschreie in der Fangemeinde aus, man einigte sich später auf ZSC Lions. Als Frey zusammen mit Ernst Meier, dem «Baumeister» der Zusammenarbeit von ZSC-Seite her, einen Match der Zürcher besuchte, bereitete Meier seinen Begleiter vor: «Muesch dänn nöd verschreckä.» Gemeint waren die nicht druckreifen Sprechchöre des dritten Ranges, wenn jeweils ein Spieler des Gastteams auf die Strafbank musste – und manchmal den unflätigen Aufforderungen des Publikums nicht folgte. Trotz der baldigen Meistertitel (2000 und 2001) dauerte es noch viel länger, bis sich das neue Konstrukt etabliert hatte. Die wilden Schlachten der ZSC-Anhänger mit den Lugano-Fans sind inzwischen Vergangenheit, es geht gesittet zu und her im und ums Stadion. Die ZSC Lions gewannen die Champions Hockey League und den Victoria-Cup. Aber sie verpassten gleichzeitig zu oft die entscheidenden Phasen in der Meisterschaft. Nach dem Titel 2008 dauerte es drei Jahre, erst dann passten die Teile zusammen. Mit zwei Titeln und einer Halbfinal-Qualifikation seit 2011/12 sind die Zürcher im Hoch. Immer wieder waren die Investitionen der Zürcher in den (GCK-)-­Nachwuchs belächelt worden. Denn taugliche Spieler für die NLA brachte diese Organisation nicht heraus. Sportchef Edgar Salis sah einen Grund darin, dass zu viele gute Spieler zusammen in einem Team stecken und daher individuell nicht extrem gefordert würden. So langsam aber können die Lions auch dort ernten, wo sie so lange gesät haben. Reto Schäppi, Chris Baltisberger, Sven Senteler, Sandro Zangger oder Mike Künzle sind Stürmer, die es aus dem Nachwuchs ins NLA-Team geschafft haben. Verteidiger Jonas Siegenthaler ist erst 17 Jahre alt, aber ihm gehört bereits die Aufmerksamkeit so manches NHL-Scouts. Einen richtig «grossen Namen» hat der Lions-Nachwuchs – als einzige Einschränkung – noch nicht herausgebracht. Dennoch macht es den Eindruck, dass beim Verein zurzeit alles optimal läuft. Die Nachwuchsorganisation ist nochmals gewachsen, die Führungscrew um Peter Zahner arbeitet unaufgeregt und traf zuletzt immer wieder die richtigen Entscheidungen. Und sie weiss auch: Alles steht oder fällt mit dem Sport. Deshalb scheut sie sich nicht vor Investitionen, auch wenn dann doch wieder Spieler von aussen geholt werden müssen. Weitere Titel sind Teilziele der nächsten grossen Etappe. Und die ist dann bewältigt, wenn die Lions endlich in ein eigenes Stadion einziehen.

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