Weinland

Die Zuckerrübe mit dem roten Vater

Randensaft wird als natürlicher Farbstoff genutzt, so etwa zum Färben von Joghurt. Manchmal greift aber auch die Natur selber in den Farbtopf – und färbt Zuckerrüben rot.

Eine Zuckerrübe so rot wie eine Rande – gesehen auf einem Feld bei Trüllikon im Weinland.

Eine Zuckerrübe so rot wie eine Rande – gesehen auf einem Feld bei Trüllikon im Weinland. Bild: Markus Brupbacher

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Kürzlich auf einer Wanderung durchs Weinland: Viele der Felder mit Zuckerrüben sind bereits abgeerntet. Die beigefarbenen Rüben liegen aufgehäuft am Ackerrand, bereit für den Abtransport in die Zuckerfabrik.

Auf einem Feld zwischen Trüllikon und Marthalen aber stecken die Rüben noch zu Tausenden im Boden, grün ragen ihre Blätter in die Höh. Doch eine Zuckerrübe tanzt aus der Reihe: Sie ist rot – die Blätter, die Stiele, die Haut und das Innere der Rübe.

Über 99,99 Prozent

Wie kann das sein? Eine Mutation? Nein, sagt Andreas Bertschi von der Schweizer Fachstelle für Zuckerrübenbau am landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum Strickhof in Lindau. Und er erklärt, wie es zu dieser roten Rübe gekommen ist. Das Saatgut für die Zuckerrüben wird in Italien oder Südfrankreich produziert. Dabei wird folgendermassen vorgegangen: Neben sechs bis acht Reihen Mutterpflanzen werden zwei Reihen männliche Zuckerrübenpflanzen als Pollenspender angebaut. Dann wieder sechs bis acht Reihen weibliche Zuckerrüben, daneben erneut zwei männliche und so weiter. All diese Rüben werden im ersten Jahr nicht geerntet, wodurch sie im zweiten Jahr zu blühen beginnen. Und da passiert’s: Der Pollen der männlichen Pflanzen bestäubt die weiblichen Blüten. Nach der Bestäubung werden die männlichen Pflanzen in den 2er-Reihen nicht mehr benötigt und vernichtet. Das reife Saatgut der weiblichen Zuckerrüben hingegen wird mit einem Mähdrescher geerntet.

Weibliche und männliche Pflanzen werden deshalb so eng beieinander angebaut, damit der Zuckerrübenpollen auch wirklich auf den Narben der weiblichen Pflanzen landet. In über 99,99 Prozent der Fälle klappt die gewollte Bestäubung auch.

Roter Zucker wäre möglich

Es könne aber «nicht ganz verhindert werden», erklärt Bertschi weiter, dass ab und zu auch einige Pollen von Randen, Krautstiel oder Futterrüben aus Privatgärten «in der Luft sind und den Weg auf die Narben der Mutterpflanzen finden». Hierbei muss man wissen: Die Rande (Rote Bete), der Mangold (Krautstiel), die Futterrübe (Runkel) und die Zuckerrübe sind Sorten ein und derselben Art. Und das zentrale Merkmal für eine Art ist, dass sich deren Mitglieder eben untereinander fortpflanzen können.

«Die Mutter ist immer eine Zuckerrübe, der Vater aber ab und zu eine Rande, Futterrübe oder ein Krautstiel.»

Andreas Bertschi, Strickhof

Wenn so etwas passiert, ist das betroffene Saatgut nicht reinerbig. Wird es später ausgesät wie im vorliegenden Fall, so wächst daraus plötzlich eine rote Zuckerrübe. «Die Mutter ist immer eine Zuckerrübe, der Vater aber ab und zu eine Rande, Futterrübe oder ein Krautstiel», sagt Bertschi. Dadurch können die Rüben auf dem Feld durchgehend rot sein, breite Blattstiele oder eine gelbe Rübenhaut haben.

Es ist also eine Mischform entstanden. Wären alle Rüben rot, wäre auch der Zuckersaft beim Einkochen rot, auch nach dem Eindicken des Saftes. Der Zucker selber ist ein Kristall, an dem Verunreinigungen – wie auch die rote Farbe – haften bleiben. Bei der Zuckerherstellung werden diese Kristalle in grossen Zentrifugen geschleudert. Dabei werden solche Verunreinigungen weggeschleudert und als Melasse den Tieren verfüttert. Zurück bleiben die klaren Kristalle, die in der Masse weiss erscheinen. Ohne den Einsatz von Zentrifugen wäre der Zucker braun, gelb «oder eben rot», wie Bertschi sagt. Ein Beispiel für farbigen Zucker ist der rohe Rohrzucker.

(Der Landbote)

Erstellt: 26.11.2018, 17:36 Uhr

Erträge und Zuckergehalt schwanken

Im Sommer litten die Zuckerrüben stark unter der Trockenheit – sichtbar an den welken Blättern. Verdorrten diese, wuchsen später zwar neue Blätter, doch dafür musste die Pflanze den Zuckervorrat in der Rübe anzapfen.
Die Verarbeitung der Rüben in der Zuckerfabrik Frauenfeld dauert noch rund einen Monat. Daher gibt es noch keine definitiven Zahlen zur Ernte 2018. Laut Andreas Bertschi vom Strickhof sind in der Westschweiz die Erträge sowie der Zuckergehalt in den Rüben tiefer. Aktuell rechne man im Durchschnitt mit 67 Tonnen Zuckerrüben pro Hektare. Dies entspreche dem Schnitt seit dem Jahr 2000. «In einem normalen Jahr müssten die Erträge aber über 80 Tonnen sein.» Doch schon seit ein paar Jahren habe es keine normalen Jahre mehr gegeben. In der Praxis schwankten die Erträge 2018 zwischen 35 bis 115 Tonnen, je nach Region, Bodenart und so weiter. Auch beim Zuckergehalt sei die Schwankungsbreite mit 14 bis 22 Prozent enorm. Angesichts der Probleme seien die Resultate dieses Jahr «gar nicht so schlecht». Doch ein Landwirt brauche gute Resultate, um alle Kosten zu decken. mab

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