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«Die Zusagen sind ein erster Schritt - aber wir sind noch nicht am Ziel»

Beim städtischen Pflegepersonal muss gespart werden. Stellen werden gestrichen und Leistungen für die Bewohner gekürzt. Zu viel, findet das Pflegepersonal und übergab heute Abend Stadtrat Nicolas Galladé einen offenen Brief.

Der Stadtrat will im Zuge des Sparprogramms «Effort 14+» bei der Langzeitpflege Kosten in Höhe von 1,65 Millionen Franken einsparen. Insgesamt gehen so 13 Fachpersonalstellen in den fünf Alterszentren verloren. Damit will sich das Pflegepersonal der betroffenen Zentren nicht abfinden und demonstrierte heute Abend auf dem Winterthurer Neumarkt. Mit Sprüchen wie «Keine Abwertung der Langzeitpflege», «13 Stellen weg! Roboter in der Pflege??» oder «Pflege wie am Band? - Nein danke!» demonstrierten die rund 250 Anwesenden ihren Unmut. Vertreterinnen und Vertreter der Gruppe «Langzeitpflege mit Qualität» übergaben heute Abend deshalb einen offenen Brief an Sozialvorsteher Nicolas Galladé. Darin fordern sie unter anderem genügend Fachpersonal und die Aufhebung der 13 gestrichenen Fachpersonalstellen. Zudem soll jeder Wohngruppe eine Pflegefachfrau mit erweitertem Fachwissen zugeteilt sein und die Doppelbesetzungsgesuche von Stellen bewilligt werden. Auch die Ausbildung von Berufsnachwuchs komme derzeit zu kurz und müsse mit ausreichenden zeitlichen Ressourcen und Funktionszulagen für Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern ausgestattet werden.Galladé, der während der Demonstration aufmerksam zuhörte und sich zwischendurch Notizen machte, nutzte die Gelegenheit, um sich direkt an die Angestellten in seinem Departement zu wenden. Er habe ein gewisses Verständnis für den Unmut der Pflegenden, doch man müsse berücksichtigen, dass die Stadt aktuell mitten in einem Sparprogramm stecke, sagt er auch später im Videointerview (siehe oben). Galladé konnte an der Demonstration aber dennoch mit zwei erfreulichen Nachrichten aufwarten: Die Sreichung des Obligatoriums nach mindestens einer Pflegefachfrau mit erweitertem Fachwissen pro Wohngruppe werde wieder rückgängig gemacht. «Wir haben in einer internen Evaluation festgestellt, dass ein Abbau dieser Leistung nicht sinnvoll ist», sagte er. Auch der Forderung nach Zulagen für Pflegefachfrauen mit einem Ausbildungsauftrag kommt er nach: Einigen Ausbildnerinnen sei bereits mit der letzten Lohnzahlung vergangene Woche ein Zuschuss von 80 Franken ausbezahlt worden. «Das ist zwar nicht viel, aber immerhin ein Anfang», so Galladé.

Fehler häufen sich bereits

Trotzdem lassen die Initianten der Demonstration nicht locker, wie Simone Costa, Wohngruppenleiterin des Alterszentrums Oberi sagt: «Das sind gute Schritte in die richtige Richtung, aber wir müssen dranbleiben.» Denn der Abbau mache sich bereits in der täglichen Arbeit bemerkbar: So häuften sich Fehler, Reaktionszeiten bei Notfällen verlängerten sich und der Informationsfluss zwischen Pflegepersonal und Fachärzten stocke, schreiben die Initianten in ihrem offenen Brief. Das Personal sei durch die Stellenreduktion einer immer höher werdenden Arbeitsbelastung ausgesetzt, dadurch sinke die Arbeitszufriedenheit und Krankheitsausfälle und Kündigungen mehrten sich.Doch auch bei den Bewohnern sinke die Unzufriedenheit. Sie müssten immer mehr auf menschliche Zuwendung und das Eingehen auf ihre Bedürfnisse verzichten. «Wir kümmern uns um Mütter, Väter, Grossmütter, Grossväter, ehemalige Bauarbeiten, Polizisten, Hausfrauen und Sekretärinnen - vielleicht auch um Ihre Angehörigen!», appelliert das Pflegepersonal an Nicolas Galladé. «All diese Menschen haben wie wir alle ihren Beitrag zum Erhalt unseres Gemeinwesens geleistet und haben einen Anspruch darauf, ihren Lebensabend würdig und mit dem nötigen Respekt verbringen zu dürfen.»Wenn Stadt- und Gemeinderat sich entschlössen, an ihren Sparvorhaben festzuhalten, könne das Pflegepersonal die Verantwortung für die entstehenden Risiken nicht mehr tragen. Die Protestgruppe richtet deshalb deutliche Worte an Stadtrat Galladé: «Wir übergeben Ihnen deshalb ab sofort die Verantwortung für die Konsequenzen der aus Ihrer Politik resultierenden Ressourcenverknappung in der Langzeitpflege.» Galladé nahm den offenen Brief an und versprach, die politische Verantwortung für diese Entscheide zu übernehmen.Mehr dazu lesen Sie morgen im Landbote.

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