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Diese Katze hat einen Nachruf verdient

Seit Anfang dieser Woche hängt beim Eingang des Friedhofs Rosenberg eine Todesanzeige. Das Besondere daran: Der Verstorbene ist ein Kater.

Es ist nicht irgendeine Nachbarschaftskatze, um die es hier geht, sondern Gipsy, der Friedhofskater. Gipsy sei am letzten Freitag verstorben, ist in der viel beachteten Mitteilung am Friedhofseingang zu lesen. Viel beachtet darum, weil die meisten Besucherinnen und Besucher den Verstorbenen kannten und schätzten. Denn Gipsy war keine gewöhnliche Katze, sondern eine Persönlichkeit. Angefangen hat alles vor rund fünfzehn Jahren, als der dreijährige Gipsy begann, seinen Besitzer bei seinen häufigen Besuchen am Grab eines geliebten Menschen zu begleiten. Der lauschige Park scheint ihm gefallen zu haben. Bald verbrachte er seine ganzen Tage dort. Bald fiel er auch den Friedhofsangestellten und Besuchern durch sein Verhalten auf. So schloss er sich bei Beerdigungen jeweils den Trauernden an, setzte sich neben das offene Grab und kehrte erst nach den tröstenden Worten des Pfarrers zurück zum Friedhofstor. Nicht nur das: Auch viele Besucherinnen und Besucher begleitete er zu den Grabstätten ihrer Verstorbenen, nachdem er sie am Eingang gebührend begrüsst hatte. Manchmal setzte er sich neben sie auf die Ruhebank und sinnierte mit ihnen über Leben und Tod. Vielen Leuten spendete er mit seiner schnurrenden Gegenwart Trost und etwas tierisches Mitgefühl. Dass sie ihm seine tröstende Begleitung mit mitgebrachten Katzenleckerbissen dankten, ist nicht verwunderlich. Ein Vorbild im Strassenverkehr Abends kehrte Gipsy meistens nach Hause zurück, auf die andere Seite der Schaffhauserstrasse. Dass er dabei nie an-, geschweige denn überfahren wurde, hat damit zu tun, dass er sich im Strassenverkehr vorbildlich verhielt: Er überquerte die viel befahrene Hauptstrasse konsequent auf dem Fussgängerstreifen. Inzwischen war Gipsy schon längst von den Angestellten der Friedhofsverwaltung adoptiert worden. Sie richteten ihm in ihrem Büro ein Plätzchen unter dem Ordnerregal ein, wohin er sich verzog, wenn das Wetter draussen auch für Katzen zu unwirtlich wurde. Jetzt ist der wohl bekannteste Friedhofsbewohner an seinen Altersgebresten gestorben. Fast 19 Jahre alt ist er geworden, ein ansehnliches Katzen­alter. Immer wieder hätten sich Friedhofsbesucher nach ihm erkundigt, nachdem sie ihn nicht wie üblich an seinem Platz im Eingangsbereich erblicken konnten, sagt Ruth Biscioni von der Friedhofsverwaltung. Es ist anzunehmen, dass er nicht nur ihr noch lange in Erinnerung bleibt.

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