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«Dieses Risiko gehen wir ein»

Wer in der Schweiz Spitzensport betreiben will, kommt ausgerechnet im entscheidenden Alter in die «Klemme»: Die berufliche Ausbildung neben dem Sport ist wichtig – damit man später einmal «etwas» hat, wie es immer wieder tönt. Ab 15 Jahren zählen Lehre, Schule oder Abschlussprüfungen mindestens so viel wie der Sport. Da verpasst oft ein Schweizer Talent, obwohl es bereits im NLA-Team einen Platz hätte, einige Trainings oder Spiele; das ist der Entwicklung nicht förderlich. Es ist erwiesen: In der Phase zwischen 16 und 19 geht im Vergleich zur europäischen Konkurrenz die Leistungsschere auf, in diesen Jahren verlieren die Schweizer Eishockeyaner ge­gen­über den gleichaltrigen Kollegen aus den europäischen Eishockey-Nationen wie Russland, Tschechien, Finnland oder Schweden deutlich an Boden. Dort muss voll auf den Sport setzen, wer eine Chance haben will, hier geht das eigentlich nicht. Von dem her ist die «Eishockey-Familie» Müller eine Schweizer Ausnahme. Vater Roland und Mutter Christina haben sich entschieden, im Falle von Mirco voll auf den Sport zu setzen. Die frühere Handballerin tat dieses mit grösseren Bedenken als der ehemalige Fussballer. Noch lieber wäre ihnen gewesen, wenn der Sohn vor der Abreise nach Nordamerika die Abschlussprüfung an der HMS bestanden hätte, doch auch wegen seiner ersten Einsätze in der NLA-Mannschaft der Kloten Flyers gelang das nicht. Mirco erhielt sportlich für ein Jahr einen «Freipass», nach dem Draft 2013 soll entschieden werden, wie es weitergeht. «Dieses Risiko gehen wir ein, mit diesem Weg und diesen Möglichkeiten hat er eine Chance verdient», sagt Vater Müller. «Wenn Mirco sieht, dass es nicht ganz reicht, um gut vom Sport zu leben, dann kann man die Weichen noch immer neu stellen.» Das würde dann bedeuten, wieder mehr Gewicht auf eine berufliche Ausbildung zu legen. Wenn sein Sohn aber gesund bleibt, so denkt Roland Müller, «wird er einen guten Weg machen». Er selber musste wegen gesundheitlicher Probleme seine Fussballer-Karriere (Schaffhausen, FCW und SC Veltheim) frühzeitig beenden. Als in Winterthur noch auf dem Zelg­li Schlittschuh gelaufen und Eishockey gespielt wurde, wohnten die Müllers in unmittelbarer Nähe, später, als sie an den Deutweg umzogen, wurde fast gleichzeitig die Halle dort eröffnet. Der Weg zum Eisfeld war nie weit, der Schritt vom Handball oder Fussball zum Eishockey war für Mirco und Schwester Alina ein kleiner, aber vom Interesse her ein durchaus logischer. Und heute ist die ganze Familie «von Kopf bis Fuss» auf Eishockey eingestellt. Der Vater verpasst kaum ein Spiel Mircos in Nordamerika: Mit den heutigen technischen Mitteln ist es kein Problem, live dabei zu sein, höchstens der Schlaf kommt manchmal ein bisschen zu kurz. Ende November besuchen die Müllers ihren Sohn in Everett. Nicht nur der Sohn, auch die Tochter hat eine vielversprechende Eishockey-Zukunft vor sich. Alina Müller ist ein riesiges Center-Talent und dürfte trotz ihrer Jugend (Jahrgang 1998) einen Platz im U18-Nationalteam für die Heim-WM auf sicher haben. (jch)

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