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Don’t Worry, Be Bobby

zürich. «Don’t Worry, Be Happy»: Bobby McFerrin hat zwar seinen grössten Hit nicht mehr im Repertoire, aber nach wie vor hält er sich daran. Sein Auftritt war grossartiges Anti-Miesepeter-Entertainment.

Der Sänger (oder sollte man besser von einem Ein-Mann-Orchester sprechen?) Bobby McFerrin gibt keine Konzerte. Die Auftritte des Optimismus-Botschafters mit der Vier-Oktaven-Stimme ähneln vielmehr einer Mischung aus Messe, Zirkus, Gesangsstunde, Wellness-Seminar und atemberaubender Vokal-Solo-Performance. McFerrin verblüfft, verzaubert und verführt sein Publikum – und manchmal führt er es auch an der Nase herum. Auch in der ausverkauften Tonhalle Zürich hatte das sympathische Stimmwunder ohne Ecken und Kanten das Publikum im Nu um den Finger gewickelt.

McFerrin trat wie gewohnt in Jeans und T-Shirt auf und stellte damit von Anfang an klar: Ich bin kein abgehobener, elitärer Künstler, sondern ein Kumpeltyp zum Anfassen. Herzliche Umarmungen mit Leuten, die er auf die Bühne holte, gehörten wie üblich zu seiner Animation. Und auch wer nicht auf die Bühne stürmte, um zu tanzen oder einen Ad-hoc-Chor zu bilden, wurde immer mal wieder zum Mitsingen eingeladen. So ergab sich ein Gemeinschaftsgefühl, dem man sich nur schwer entziehen konnte – auch wenn die Hierarchie zwischen Star und Statisten letztlich unangetastet blieb.

Deliziöses Duo

Nun muss man McFerrin unbedingt zugutehalten, dass er es auch im Bereich der Publikumsbeteiligung zu grosser Meisterschaft gebracht hat. Er ruft nicht einfach La-la-la-Gegröle ab, sondern wendet recht originelle Motivationsmethoden an – etwa wenn er auf der Bühne herumhüpft und damit verschiedene Töne einer pentatonischen Skala anzeigt, die es als Begleitung zu einer seiner fabulösen Improvisationen zu singen gilt. Trotzdem wirkt auch diese Form von Populismus auf die Dauer etwas anbiedernd und bietet kaum Raum für echte Überraschungen oder gar für eine aufmüpfige Ästhetik des Widerstands.

Widerstand ist sowieso nicht McFerrins Ding – ihm geht es vielmehr um Harmonie. Das wurde auch in den Duo-Passagen klar, für die er mit dem Gitarristen Ferenc Snetberger einen beinahe ebenbürtigen Partner auf die Bühne holte, der ebenfalls auf Virtuosität und Wohlklang setzte. Ob Blues oder Bossa nova, ob Benny Golsons «Whisper Not» oder Chick Coreas «Spain»: Diesem Duo gelang alles mit einer eleganten Mühelosigkeit, zu deren Erlangung garantiert sehr viel harte Arbeit nötig war.

Neben den nach wie vor extrem ­beeindruckenden Solo-Kabinettstückchen, bei denen blitzschnelle Wechsel zwischen Kopf- und Bruststimme die Illusion von Mehrstimmigkeit erweckten, waren diese deliziösen Duo-Einlagen ganz klar die Höhepunkte des Abends. Doch wäre es bei diesen echt konzertanten Elementen geblieben, wäre es eben kein echter McFerrin-Abend gewesen.

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