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Donnergrollen aus dem hohen Norden

Kvelertak mögen es laut. Mit ihrem wild-skurrilen Metal ’n’ Roll haben die Norweger das Gaswerk in den Würgegriff genommen.

Gespenstisch sah er aus – mit entblösstem Oberkörper und einer ausgestopften Eule halb als Hut, halb als Maske auf den Schultern schrie er die ersten Töne ins Mikrofon. Wild, irgendwie surreal und mit ungebändigter Ener­gie­ wirkte der Eulenmann, wie wenn er direkt Odins Tafeln in Walhalla entsprungen wäre. Erlend Hjelvik und seine Band Kvelertak sorgten am Freitagabend im Kulturzentrum Gaswerk für Götterdämmerungsstimmung.

Eröffnet wurde der norwegische Konzertabend von den beiden Bands Gerilja und Arabrot. Klarer Hauptact waren aber Kvelertak. Dies zeigte sich nur schon dadurch, dass die beiden Vorbands mit Standlicht vorliebnehmen mussten und Schlagzeug und Verstärker unschön vor das Equipment von Kvelertak gequetscht wurde. Beide machten aber das Beste aus den un­günstigen Bühnenverhältnissen und legten den Grundstein für die gute Stimmung beim Konzert von Kvelertak. Und diese stiegen gleich mit einer Kompromisslosigkeit und Wucht in ihren Auftritt ein, dass selbst die hintersten Reihen in den Bann gezogen wurden. «Kvelertak» bedeutet «Würgegriff». Und aus diesem entliess die Band ihr Publikum erst ganz am Ende der Show. Der Eulenhut vom Beginn des Auftritts blieb nicht lange auf, brauchte Sänger Hjelvik doch seine Bewegungsfreiheit, um die Menge unermüdlich zum Mittanzen, Mitgrölen und zu wildem Pogo zu animieren. 2007 gegründet, veröffentlichte die Band im Frühling ihr zweites Album «Meir», welches in Norwegen prompt Platz 1 der Charts erreichte. Mit diesem im Gepäck lehrte die Band am Freitagabend das Gaswerk, wie man eine norwegische Metal-Party schmeisst.

Alles, was laut und brachial tönt

Die sechsköpfige Band aus Norwegen spielt eine betörende Mischung aus allem, was laut und brachial tönt. Punk, Hard Rock, Heavy Metal und Rock ’n’ Roll werden zu einem treibenden und eingängigen Klangteppich vermischt. Für satten Sound sorgen dabei neben einem Schlagzeug und einem Bass stolze drei Gitarren. Und das Ganze wird von der keifenden, schreienden und donnernden Stimme von Hjelvik abgerundet. Das Konzept geht auf. Die Songs sind wütend, temporeich und düster und trotzdem nie um ein bitterschön jaulendes Gitarrensolo oder einen hymnenartigen Refrain verlegen.

Auch im Gaswerk kam die Musik von Kvelertak gut an. Im gut gefüllten Saal wurde ausgelassen mitgetanzt und die Band mit viel Applaus zu zwei Zugabeblöcken motiviert. Kvelertak zeigten sich denn auch als ausdauernde und präsente Liveband. Ohne Verschnaufpause folgte Song an Song, Ansprachen gab es praktisch keine. Das Programm war dicht, aber wirkte trotzdem nicht monoton abgespult. Die Band war mit sichtlichem Spass am Werk. Und immer wieder suchte sie den Augenkontakt zum Publikum und ging im Falle von Hjelvik sogar auf Tuchfühlung. Dieser liess sich auf den Händen seiner Fans quer durch den ganzen Konzertsaal und wieder zurück tragen.

«Meir» fürs Geld

Der Name des neuen Albums «Meir», was «mehr» heisst, war Programm. Kvelertak spielten mehr richtig gute Songs, sorgten für mehr ausgelassene Stimmung und boten mehr ungebrochene Livepräsenz als manch andere Rockband. Diesen Würgegriff liess sich das Publikum gerne gefallen.

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