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Doppelte Leistung und ein stilles Studio

Die Gemeinschaft Hard baut ihr Kleinwasserkraftwerk aus und will bald Strom für rund 725 Haushalte produzieren. Weil der Bund mehr bezahlt, wird die Zusammenarbeit mit Stadtwerk beendet.

Sie singt, röhrt und rumpelt: Die alte Turbine in der Hard in Wülflingen ist auch ein Musikinstrument. Willkommen im Orchester ist sie aber nicht, im Gegenteil, die Turbine mischt sich hie und da ungefragt ein, wenn in den Hardstudios Tonaufnahmen laufen. Betriebswart Rolf Künzle muss dann die Turbine herunterfahren, damit Sprecher und Musiker ungestört mit ihrer Arbeit fortfahren können. Was gut ist für das Studio, ist schlecht für die Rentabilität des Kleinwasserkraftwerkes in der ehemaligen Spinnerei an der Töss. Eine Turbine, die nicht läuft, produziert keinen Strom und keinen Ertrag. Die Gemeinschaft Hard AG machte sich dar­um vor sechs Jahren auf die Suche nach einer Lösung, die den Bewohnern Stille und dem Kraftwerk eine Zukunft bescheren würde. Gestern nun wurde diese vom Hard-Geschäftsleiter Jörg Jucker und weiteren Beteiligten präsentiert. Mehr Gefälle, mehr Leistung Statt mitten in der Spinnerei wird die Turbine neu beim Kanalauslass platziert. So fallen die unerwünschten Schwingungen weg, zudem kann das ganze Gefälle von 11,6 Metern genutzt werden. Weil auch noch mehr Wasser auf die neue Turbine geleitet wird, steigt die Jahresproduktion von 1390 auf 2550 Megawattstunden, was ausreicht, um über 700 Haushalte zu versorgen. Die Konzession für den Ausbau hat die Gemeinschaft Hard bereits erhalten. Auch eine Baubewilligung liegt vor, und die Finanzierung ist gesichert. Insgesamt kostet das neue Kleinwasserkraftwerk 4,6 Millionen Franken:

K Neu werden der Töss bis zu 6500 Liter Wasser pro Sekunde entnommen. Bisher wurden maximal 3500 Liter auf die Turbine geleitet. In der Töss verbleibt weiterhin eine Restwassermenge von mindestens 800 Litern pro Sekunde. K Der Hochwasserschutz oberhalb des Wehrs wird verbessert, die Uferverbauung aus Beton unterhalb des Wehrs teilweise durch Steine ersetzt. Der 1802 gegrabene Kanal muss leicht aufgeweitet werden, weiterhin ist er aber Lebensraum für 700 Forellen, Krebse und auch einen Bibermann. K Für die Turbine wird unterhalb der Spinnerei ein Maschinenhaus direkt an der Töss erstellt. Geplant ist ein «Betonklötzchen» ohne störende Wirkung auf die Umgebung. Der Auslass wird abgetieft, was noch mehr Gefälle schafft.

Mit der Inbetriebnahme der neuen Anlage, die für April 2015 geplant ist, wechselt auch der Abnehmer für den Strom aus der Hard. Bisher ging er unter dem Label «naturemade star» für 18 Rappen pro Kilowattstunde an Stadtwerk. Neu nimmt ihn die Übertragungsnetzbetreiberin Swissgrid ab, für 22 Rappen, finanziert über die kostendeckende Einspeisevergütung. Die Preisdifferenz sei der Grund für den Wechsel zu Swissgrid, sagt Hard Geschäftsleiter Jörg Jucker: «Mit 18 Rappen pro Kilowattstunde könnten wird die neue Anlage nicht finanzieren.» Die Gemeinschaft Hard habe lange mit Stadtwerk verhandelt, um eine lokale Abnahme zu ermöglichen, ohne zählbares Ergebnis. Stadtwerk wollte sich beteiligen «Auf dem Markt ist Naturmade-Strom für 4 bis 5 Rappen erhältlich», sagt Stadtwerk-Direktor Markus Sägesser. Bisher habe Stadtwerk die Differenz auf 18 Rappen übernommen, um Strom aus lokaler Produktion anbieten zu können. An der weiteren Zu­sammenarbeit mit der Hard AG sei man stark interessiert gewesen, sagt Sägesser. Allerdings unter der Bedingung, dass sich Stadtwerk an der neuen Anlage hätte beteiligen können. Leider habe man sich aber über die Modalitäten nicht einigen können.

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