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Durchgangsplatz: Kompromiss statt Fahrende-Demo

Nächste Woche soll der Durchgangsplatz wieder öffnen. Um ihn für Jenische attraktiv zu machen, wagt sich die Stadtpolizei juristisch in den Graubereich.

Beim Durchgangsplatz für Fahrende neben der Deponie Riet scheint der Stunk nicht aufzuhören. Was vor fast einem Jahr mit dem Parkverbot für einen Kinderwohnwagen begann und schweizweit Proteste auslöste, nimmt seinen Lauf. Vor drei Wochen hatte die Stadtpolizei den Platz auf unbestimmte Zeit geschlossen. Zu gross war die Menge an Unrat, den ausländische Fahrende auf und neben der Anlage hinterlassen hatten. Die Schweizer Jenischen waren längst weggezogen. Sie fühlten sich gegängelt und nicht willkommen. «Hierhin werden wir nicht zurückkehren», kündigte Claude Gerzner, der Sprecher der Schweizer Fahrenden-Bewegung, kühn an. Man kam. Auch Gerzner, trotz Platzverbot. Diesmal, um Schützenhilfe zu leisten. In der Nacht auf Dienstag hatten 16 junge Jenische zwischen 18 und 25 Jahren mit vier Gespannen auf dem Platz übernachtet. Illegal, denn der Platz ist noch immer gesperrt. Eine Tafel und das Kettenschloss markieren dies deutlich. Am Morgen dar­auf erteilte die Stadtpolizei den Jenischen vier Bussen à 50 Franken wegen verbotenen Campierens, und hielt sie an, den Platz bis am Abend zu verlassen. «Danach gingen die Wogen schnell hoch», sagt Daniel Beckmann, der stellvertretende Kommandant der Stadtpolizei. Die Jenischen fühlten sich einmal mehr ungerecht behandelt. Ob eine Kommunikationspanne seitens der Stadtpolizei dazu führte, bleibt offen. Beckmann dementiert seinerseits entschieden. Kompromiss statt Eskalation Gemäss Gerzner habe die Polizei den Jenischen wenige Tage nach der Schliessung in Aussicht gestellt, den Platz in einer Woche wieder zu öffnen. In diesem Wissen seien die nun Gebüssten nach einer Tour durch die halbe Schweiz nach Winterthur ausgewichen. «Aus purer Verzweiflung», sagt Gerzner. Die Plätze seien überall voll belegt gewesen. Als die Polizei bis am Mittag an der Wegweisung festhielt, drohte die Lage kurz zu eskalieren. Über Facebook und Whatsapp mobilisierten die Fahrenden ihre Kollegen in der ganzen Schweiz und riefen zu einer Demonstration auf dem Durchgangsplatz auf. «70 Wagen waren zeitweise unterwegs», sagt Gerzner. Als sich die Polizei gesprächsbereit zeigte, habe man die Karawane gestoppt. Juristisch in der Grauzone Beckmann betont, dass man für einen friedlichen Kompromiss zwei Augen zugedrückt habe. Dank einer Ausnahmebewilligung dürfen die vier Gespanne bis Montagmorgen auf dem ehemaligen Halteplatz für Fahrende an der Holzwingertstrasse in Hegi bleiben. Dann hoffe man, den Durchgangsplatz wieder öffnen zu können, sauber – und exklusiv für Schweizer Fahrende. «Wir mussten einsehen, dass eine gemischte Nutzung keine Lösung ist», sagt Beckmann. Der Entscheid, den Platz für ausländische Transitreisende zu sperren, sei ein Grund, war­um sich die Wiedereröffnung verzögert hat. Mit dem kantonalen Amt für Raumplanung musste man abklären, ob der bewusste Ausschluss von Minderheiten das Gebot der Nichtdiskriminierung nicht verletzt. Die radikale Exklusivlösung war in Winterthur ursprünglich vorgesehen. Wegen juristischer Bedenken kam man aber wieder davon ab. Bis Ende Oktober läuft nun die Testphase. Danach muss der Kanton in seinem Konzept für Fahrende aufzeigen, wie und wo er auch genügend Platz für ausländische Fahrende schaffen will. Um die Schweizer Jenischen zufriedenzustellen, sind zudem handwerkliche Justierungen nötig. Die Parzellenmarkierungen und die Überwachungskamera kommen weg. «Wir sind bereit, den Platz so zu gestalten, dass die Jenischen sich wohlfühlen», sagt Beckmann. In Abklärung sei zudem, ob man 2015 den Platz auch für die Wintersaison öffne. Ausserhalb der Macht der Stadtpolizei stehe leider die schnellere Abtragung des «Stinkbergs», der temporären Mülldeponie von Stadtwerk unweit des Platzes. «Fühlen wir uns wieder wie Menschen behandelt, kehren wir zurück», sagt Gerzner. Dass man den hier Gestrandeten die Bussen nicht erlasse, sei bedauerlich. Beckmann erwidert: «Wir hätten sie auch wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch verzeigen können.»

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