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DVD Tipps

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Ein erfülltes Leben selbstlos führen

Die Haushaltshilfe Tao Jie, Fräulein Jie, hat vier Generationen einer Familie bekocht und umsorgt. Ein Schlaganfall zwingt sie in ein Altersheim von Hongkong. Doch nun erntet sie die Früchte ihrer Hingabe. Der Plot von «Tao Jie – Ein einfaches Leben» ist karg, die Inszenierung nüchtern. Dennoch packt Ann Huis Film, der erst kürzlich im Zürcher Filmpodium zu sehen war. Ein Grund für die Faszination ist sicher der exotische Rahmen: Wie sieht Altersversorgung in einer uns weitgehend fremden Kultur aus? Dann deutet Ann Hui vieles nur an, was vom Publikum Aufmerksamkeit, Mitdenken und Empathie fordert. Doch dass die Geschichte ans Herz geht, liegt in erster Linie an den subtil eingefangenen zwischenmenschlichen Verhältnissen. So kümmert sich der letzte in Hongkong verbliebene Spross der Familie, ein Filmproduzent, zunehmend wie ein Sohn um Tao Jie. Dabei geht ihm nicht nur auf, was alles sie für ihn getan hat. Vielmehr realisiert der christliche Konvertit, dass die Magd ein Leben führte, das (nicht nur) in seiner Religion als Ideal gilt. Und zu seinem Erstaunen führen Selbstlosigkeit und Demut zu einem mindestens ebenso erfüllten Leben wie das ebenfalls entsagungsvolle Streben nach Selbstverwirklichung und Ruhm in einem kreativen Beruf. tdv

Wenn sich alles ums Ego dreht

Auf Kosten ihrer verklemmten Tochter Apple (Nadja Uhl) erholt sich die Ex-Hippie Ingrid (Hannelore Elsner) in Torre­molinos von einer Hüftoperation, bis die Vergangenheit sie einholt. Mit «Alles inklusive» hat Doris Dörrie ihren gleichnamigen Roman verfilmt. Wie gewohnt erspart sie einem nicht die unschönen und lächerlichen Seiten ihrer Protagonisten. Doch kaum hat man ein Urteil über eine Figur gefällt, wird der negative Eindruck relativiert oder korrigiert. Dieses Wechselbad der Gefühle ist typisch für Dörrie, die den steten Wandel der Verhältnisse spiegeln will. Sich dagegen zu sperren, schafft nach der praktizierenden Buddhistin Leid oder verstärkt und verlängert einen unvermeidbaren Schmerz. Das illustrieren Apples Lebensangst und kon­sequent falsche Partnerwahl ­sowie der Umstand, dass der Transvestit Tim/Tina noch nach 30 Jahren Ingrid vorwirft, schuld am Suizid seiner Mutter zu sein. Das Intermezzo mit einem afrikanischen Flüchtling rückt die Melodramen ins rechte Licht. Doch selbst wenn die Seelenqual der Bürger und Aussteiger im Vergleich wie Luxus anmutet: Der Schmerz ist real. Im Bonusmaterial kommen interessante Auszüge und Infos aus dem Roman zur Sprache. tdv

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