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Im Labyrinth ­ der Liebe

In naher Zukunft will ein US-Geheim­dienst mit Zeit­reisen einen verheerenden Bomben­an­schlag in der Vergangenheit ver­hin­dern. Der dafür zuständige Beamte (Ethan Hawke) kommt sich dabei aber selbst in die ­Quere. «Predestination» lief nicht in unseren Kinos. Dabei han­delt es sich um die packende Adaption einer berühmten Kurzgeschichte von Robert A. Heinlein aus dem Jahre 1959. Deut­licher noch als der Science-Fiction-Autor thematisieren die Zwil­lings­brüder Spierig die archetypisch romantischen Elemente der Geschichte, nämlich Ovids Narziss-Mythos und Aristophanes’ Erzählung vom hermaphroditischen Urmenschen, die sich bei Plato findet. Denn der Antrieb, die Gesetze von Zeit und Raum zu durchbrechen, ist die Sehnsucht nach einem Geliebten. Auch weil bei Heinlein ein rationaler Faktor für die Zeitreisen fehlt, erfinden die Spierigs eine Zeitschlaufe mehr. Sie stellt das Narzisstische der Liebe in einen ethischen Kontext und assoziiert das Selbstmörderische daran mit dem «Grossvater-Paradox». Danach eliminiert ein Zeitreisender sich selbst, wenn er seinen Opa tötet. Während Mark Twain, ­ auf den der Song «I’m My Own Grand­father» anspielt, einen komi­schen Ausweg aus der logischen Sackgasse kannte, gerät er im Film tragisch. tdv

Im Mahlstrom ­ des Verlangens

Als ein Mann von der Reise heimkehrt, ist die Wohnung von ­ innen verriegelt und die Gattin verschwunden. Bald verliert er sich im unheimlichen Innen­leben des Jugendstilhauses, welches ihm die Sehnsüchte seiner Frau und eigene Ängste offenbart. «Der Tod weint rote Tränen» ist nach «Amer» der zweite Spielfilm von Hélène Cattet und Bruno Forzani. Inspiriert vom Gruselthriller-Genre Giallo erkunden sie das Entgrenzende von Sex, Gewalt und Tod. Mit den Leibern löst sich die Erzählstruktur auf. Assoziative Traumlogik domi­niert, mehrfach beisst sich die Geschichte in den Schwanz. Dazu passt, dass sich drei der vier männlichen Prot­ago­nis­ten rein äusserlich als Alter Egos spiegeln. Auch ästhetisch werden alle Konventionen gesprengt. Farben und Formen gewinnen ein rausch­haftes Eigen­leben, während die Verfolgung einer Frau zur Serie schwarz-weisser Fotos gerinnt. Leiseste Geräusche ertönen unnatürlich laut, penetrant wird vor Lust und Schmerz gestöhnt: Verlangen verstört und wird als körperlicher Eingriff in die Intimsphäre erlebt. Diese verdrängte Erfahrung machen Cattet und Forzani bewusst und erinnern an die quasi ödipale Urszene, wenn sich dem begehrlichen Blick des Knaben das weibliche Geschlecht als blutrote Wunde zeigt. tdv

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