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DVD-tipps

Frau sperrt sich

Ein schwuler Schriftsteller reist wiederholt aus Berlin in die Ostschweiz, um sich mit der Schwester um seine Mutter Rosie (Sibylle Brunner) zu kümmern. Denn die über 70-Jährige macht es sich und anderen schwer. «Rosie» ist Marcel Gislers erstes Werk, seit er 1999 mit «F. est un salaud» den Schweizer Filmpreis gewonnen hat. Schade, dreht er nicht häufiger. Er erzählt ebenso poetisch wie lebensnah, verschränkt souverän Witz und Tragik und inszeniert unaufgeregt die Aufdeckung von Rosies dunklem Geheimnis. Gisler inter­essiert, wie Menschen reifen, und er weiss, dass die Zeit dabei eine zentrale Rolle spielt. Dar­um passiert in «Rosie» nichts geradlinig. Zeiten, in denen die Prot­ago­nis­ten aktiv ihre Entwicklung vorantreiben, wechseln mit solchen ab, in denen sie hinnehmen und aushalten müssen, was mit und in ihnen geschieht. Als Bonus gibt es ein Making-of und über 20 Minuten Deleted Scenes, die der Dichte und dem perfekten Timing geopfert wurden. (tdv)

Rosie

Marcel Gisler

Look Now / Pelicanfilms

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Frau merkt auf

Die Tätowiererin Elise verliebt sich in den Bluegrass-Sänger Didier und hat mit ihm ein Kind. Als es an Krebs erkrankt, gerät die Welt des Paares aus den Fugen. «The Broken Circle» erzählt eine an sich bekannte Geschichte so unkonventionell, dass keine Déjà-vus aufkommen und die ausgelösten Emotionen ständig überraschen. Für Di­stanz und Spannung zugleich sorgt zum Beispiel der Kunstgriff, sich nicht an die Chronologie der Ereignisse zu halten. Die Vor- und Rückgriffe verleihen den einzelnen Szenen eine zusätzliche Bedeutungsebene und schaffen ein sich verdichtendes Gefühl für die Fatalität der Ereignisse. Dieser Eindruck widerspricht aber exakt der Überzeugung Didiers, der trotz Vorliebe für einen religiös geprägten Musikstil kein Organ für Spiritualität hat, anders als Elise, die sich im Stich gelassen fühlt. Sie realisiert zuerst, wie kaum merkliche und unwichtig scheinende Unterschiede, die Welt zu sehen, die Liebenden radikal entfremden. (tdv)

The Broken Circle

Felix Van Groeningen

Filmcoopi / Impuls

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Frau verstört

Die in Amerika lehrende deutsche Philosophin Hannah Arendt berichtet 1961 über den Prozess gegen Adolf Eichmann in Israel. Ihre Artikel provozieren einen Riesenskandal. Angeblich entlaste sie den Naziverbrecher und verurteile die Judenräte. Obwohl oft holzschnittartig inszeniert, packt diese Episode aus Arendts Leben. Ihre Aktualität beweisen die Angriffe, die unlängst Judith Butler für die Kritik am israelischen Staat erfahren musste. Auch diese jüdische Intellektuelle, die sich auf Arendt beruft, akzeptiert keine Denkverbote. Was es heisst, nicht zu denken und bloss seine Pflicht zu tun, meinte Arendt am Beispiel des hochrangigen Nazis ablesen zu können. Es inspirierte sie zur These von der «Banalität des Bösen». Dass sie ihre Einsicht mutig vertrat, wird im Film unter anderem mit der Enttäuschung über ihren Lehrer und Geliebten Martin Heidegger erklärt. Der huldigte feig Hitler und zog sich in einen philosophischen Elfenbeinturm zurück. (tdv)

Hannah Arendt

Margarethe von Trotta

Filmcoopi / Impuls

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