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DVD-tipps

Die Täterin als Opfer

Prinzessin Elsa kann Eis und Schnee herbeizaubern, was einen Unfall mit ihrer jüngeren Schwester zur Folge hat. Die zwei werden getrennt und isoliert von der Aussenwelt aufgezogen, bis die Eltern sterben und Elsa gekrönt wird. Doch wieder kon­trol­liert sie ihre Kräfte nicht. Disneys jüngster Animationsfilm ist von Andersens «Die Schneekönigin» inspiriert. Aus der gefühlskalten Kindsentführerin wird aber neu eine von Gewissensbissen geplagte Mutantin, die ihr Reich verlässt und einen Eispalast baut, um endlich sich selbst zu sein. Zudem hat sie nun eine aufmüpfige, taffe Schwester, die statt eines Mannes zu Elsas Rettung aufbricht. Diese feministische Wendung ist nicht die einzige Überraschung der schnell und witzig erzählten Geschichte. Schade, bleibt das Vergnügen am schön gemachten Werk oberflächlich. Es gibt zu viele Ungereimtheiten, und im Bemühen um politische und pädagogische Korrektheit geht dem Märchen die Abgründigkeit der Vorlage ab.

Die Eiskönigin – Völlig unverfroren

Chris Buck, Jennifer Lee

Walt Disney

*****

Verdrängte Schuld

Ohne Gatte, Reichtum und Ansehen flüchtet sich Jasmine (Cate Blanchett) zu ihrer Schwester Ginger (Sally Hawkins). Dabei verachtet sie sie und hat Mitschuld daran, dass Gingers Ex viel Geld verloren hat. Was bei Disney aufs Archetypische reduziert wird, führt Woody Allen lebensprall und psychologisch stimmig aus. Auch er erzählt von grundverschiedenen, unter unglücklichen Umständen aufgewachsenen Geschwistern. Die eine passt sich an und imponiert mit ihrer Aura kühler Eleganz, die andere rebelliert, folgt ihrem Herzen und hilft dar­um der Schwester. Allen setzt den moralischen Diskurs von «Match Point» und «Cassandra’s Dream» fort, mit Fokus auf das Phänomen der Verdrängung. Diese hat bei Ginger Hilfsbereitschaft, bei Jasmine Egoismus zur Folge sowie die Unfähigkeit, aus Fehlern zu lernen und zu reifen. Doch dafür, so legt Allen nahe, können beide nichts. Dar­um lässt er uns mit dem vom Schicksal geschlagenen «ewigen Opfer» Jas- mine mitfiebern.

Blue Jasmine

Woody Allen

Frenetic/moviemento

*****

Vom Opfer zum Rächer

Ein Junker misshandelt zwei Rosse, die ihm als Pfand übergeben wurden, sowie den Stallknecht des Pferdebesitzers Michael Kohlhaas (Mads Mikkelsen). Als dieser die Sache nicht vor Gericht bringen kann, nimmt er das Recht in die eigene Hand und sammelt ein Heer. In Heinrich von Kleists berühmter Novelle geht es nicht nur um Selbstjustiz zur Zeit Luthers. Genau dar­auf aber reduziert Arnaud des Pallières den Plot. Auch aus Budgetgründen wird seine Adaption zum stimmungsvoll düsteren, dialogarmen Western in der Tradition Sergio Leones und Anthony Manns. Dazu passen Mikkelsens wie in Stein gehauenes Gesicht und die karge Landschaft der Cevennen im Süden Frankreichs, wohin die Geschichte versetzt worden ist. Doch irgendwann hat man sich daran sattgesehen und findet emotional oder intellektuell keine neuen Anreize. Im Bonusinterview nennt der sympathisch eigenwillige Regisseur als Vorbilder Tarkowski und Kurosawa. Leider wird er ihnen nicht gerecht. (tdv)

Michael Kohlhaas

Arnaud des Pallières

Polyband

*****

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