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DVD-tipps

Ein Volk erwacht

Die ägyptische NGO-Aktivistin Reem verliebt sich in den Reiter Mahmoud, der während des Aufstands gegen Mubarak Revolutionäre angegriffen hat und dabei gefilmt wurde. Nach und nach lernt sie die Hintergründe dieser Attacke kennen. – Yousry Nashallahs rasant inszenierter Film bietet viele überraschende Einsichten zum Arabischen Frühling. So werden die Muslimbrüder kaum erwähnt, die offenbar erst nach dem Regimesturz eine wichtige Rolle spielten. Nashallah zeigt, wie die Gesellschaft Ägyptens (und wohl die anderer Staaten im Nahen und Mittleren Osten) zwischen feudalen und demokratischen Strukturen zerrissen wird. Umso mehr verblüfft, wie das Nationalitätsgefühl und die leidenschaftliche Mentalität selbst erbittertste Gegner vereinen und einen ersten Dialog ermöglichen. Staunen lässt auch, wie offen Frauen und Männer aller Schichten miteinander umgehen. Jene hocken, selbst wenn sie geschlagen werden, nicht aufs Maul und wissen sich zu wehren. (tdv)

Nach der Revolution

Yousry Nashallah

Polyband/IHE

*****

Gewecktes Gewissen

1980, Peru: Ein junger kalifornischer Lehrer und Surfer wird wegen seines abgelaufenen Visums verhört, gerät in Panik, will fliehen und findet sich wegen Drogenbesitzes im Gefängnis wieder. Als man ihm klarmacht, dass er sich freikaufen kann, schaltet er auf stur. Co-Autor und Regisseur Camilo Vila inszeniert nach einer wahren Geschichte den Albtraum jedes allein reisenden Touristen. Dennoch verhindert er von Anfang an, dass man sich mit der Hauptfigur vorbehaltlos identifiziert. Diese wird nämlich mit einer Realität konfrontiert, die sie egoistisch verdrängt hat: dem Leiden des Volks, in dessen Land sie Ferien gemacht hat. Es braucht die Haft unter elenden Bedingungen, damit das soziale und politische Gewissen des Lehrers geweckt wird. Zwar ist die Low-Budget-Produktion mit formalen Mängeln behaftet. Doch sie packt als partiell schmerzhafte Illustration von Sartres These, wonach wir nur frei sein können, wenn unsere Mitmenschen es auch sind. (tdv)

186 Dollars to Freedom

Camilo Vila

Praesens-Film

*****

In Gott erwachen

Ein Konzertmanager mit Dealervergangenheit verliebt sich in eine bekennende Christin und findet dank ihr zu Gott. «I’m in Love with a Church Girl» basiert auf den Erfahrungen von Produzent und Drehbuchautor Galley Molina, der im Film als (selbst für US-Verhältnisse) unkonventioneller Pastor auftritt – was er unterdessen ebenfalls ist. Er schrieb das Skript im Gefängnis, wo er, längst geläutert, noch landete. Diesem Bussgang entgeht sein Film-Ich. Auch sonst läuft vieles zu glatt und zeigt ein nur oberflächliches Verständnis komplexer seelischer und sozialer Prozesse. Doch obwohl ungelenk inszeniert und oft ungewollt komisch, interessiert das Werk dank der Einblicke in die Religiosität amerikanischer Mittelschichtbürger. Ihr harter Überlebenskampf, gekoppelt mit einer traditionell autoritätskritischen Haltung, führt zu einem anderen Glaubensverständnis als bei uns. Manches daran mag naiv und stillos wirken – oder aber unverbildet und herzlich. (tdv)

I’m in Love with a Church Girl

Steve Race

Great Movies/TBA

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