Zum Hauptinhalt springen

DVD-tipps

Anstösse zur (R)Evolution

Ein revolutionärer Kartellboss Mexikos bedroht Washington mit einer Atomrakete, ist aber nur das Werkzeug eines Industriellen, der die Menschheit erneuern will. Nach «Machete», einer subversiven Exploitationfilm-Parodie über die ganz reale Ausbeutung von Latinos in den USA, erkundet Roberto Rodriguez mit «Machete Kills» Formen der Gewalt, die nicht primär auf Selbstbereicherung abzielen: Militanz resultiert auch aus dem Willen, sich gegen Unterdrückung zu wehren, Hilflosen beizustehen und Prinzipien oder andere fixe Ideen durchzusetzen. Stets wirkt dabei ein kreatives Moment mit, nach Rodriguez ein Motor der Evolution. Das sähe der medial begabte Industrielle genauso. Doch gegen dessen skrupellosen Drang nach äusserer Reform setzt Rodriguez als Künstler auf Veränderung des Bewusstseins. Darum provoziert seine blutige Trash-Komödie in der Tradition vom «Théâtre du Grand Guignol» Sinne und Geist des Publikums. Mit dabei: Mel Gibson und Lady Gaga.

Machete Kills

Roberto Rodriguez

Universum-Film

*****

Wille und Recht, zu sterben

Frank ist über neunzig und in einem Pflegeheim. Als ein Schlaganfall ihn leicht behindert und er vergesslich wird, will er gegen den Wunsch von Familie und Freundinnen sterben. Der kürzliche Vorstoss von Exit, den Alterssuizid zu enttabuisieren, verleiht «Herbstmond» unerwartete Aktualität. Das Independent-Movie mit dem Originaltitel «Another Harvest Moon» basiert auf einem Bühnenstück, inspiriert von schmerzlichen Erfahrungen des Autors im familiären Umkreis. Trotzdem fehlt dem Film alles missionarisch Kämpferische. Es wird nicht grundsätzlich debattiert, sondern auf das subjektive Erleben der Betroffenen fokussiert. Die politische und religiöse Dimension bringt Frank selbst ins Spiel, wenn auch indirekt und mehrdeutig: Eine Kriegserinnerung zeigt, dass die Freiheit des Einzelnen ebenso wie die Verfügungsgewalt des Staates von gesellschaftlichen Werten abhängt. Sie sind zu diskutieren. – Leider besitzt die englische Version keine Untertitel.

Herbstmond

Greg W. Swartz

Lighthouse/TBA

*****

Drang, sich auszudrücken

1982 sucht der Kanadier Ron Mann den Musiker John Cage sowie über zwanzig in Amerika lebende Dichter und Schriftsteller auf. Er bittet sie – etwa Tom Waits, Allen Ginsberg und William S. Burroughs – Texte vorzutragen oder filmt ihre öffentlichen Lesungen. Einige Poeten nehmen sich antike Sänger und mittelalterliche Troubadoure zum Vorbild: Sie singen ihre Gedichte, untermalen sie zum Teil originell mit Musik und wippen, hopsen oder tanzen beim Vortrag. Das Resultat ist wiederholt beeindruckend, oft kurios, zuweilen beides und manchmal nur unfreiwillig komisch oder schlicht langweilig. Natürlich hängt das Urteil von den persönlichen Vorlieben ab. Doch in jedem Fall faszinieren die Momentaufnahmen eigenwilliger Künstler, die indirekt für den modernen Rap Pate stehen. Den roten Faden durch das Werk bilden respektlos unflätige Bemerkungen von Charles Bukowski, von denen man nicht genug bekommt. Ein Muss für Fans moderner amerikanischer Dichtung. (tdv)

Poetry in Motion

Ron Mann

Edition Salzgeber

*****

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch