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DVD-tipps

Feel-Good-Revolution

Chile, 1988: Ein Referendum soll dar­über entscheiden, ob Diktator Pinochet weiterregiert oder künftig freie Wahlen stattfinden. Doch das Volk ist gelähmt und zwiegespalten, die Opposition rechnet mit Betrug an der Urne. Da entwerfen ihre Marketingspezialisten eine geniale Feel-Good-Kampagne für die täglich 15 Minuten Sendezeit. – Die Geschichte ist wahr und hatte auch in der Realität ein Happy End. Damit nicht genug: Ironischerweise unterlag das wirtschaftsfreundliche Regime exakt den Kräften, die von ihm an die Macht gebracht worden waren. Denn die Gegner mobilisierten die Massen, indem sie für die Demokratie wie für ein Konsumgut warben. Pablo Larraín hat die freie Adaption von Antonio Skármetas Bühnenvorlage mit zeitgenössischen Videokameras gedreht, damit sich die Archivaufnahmen, dar­un­ter viele subversive Werbefilme, nahtlos ins Filmmaterial einfügen. Das erhöht die Authentizität des Gezeigten, schafft aber auch eine ästhetische Distanz dazu. (tdv)

¡No!

Pablo Larraín

good!movies / Pelicanfilm

*****

Wölfe im Schafspelz

Nach Einnahme eines Antidepressivums in der Versuchsphase tötet eine junge Frau ihren Mann. Ihr Psychiater (Jude Law) setzt sich für sie ein, gerät aber selber unter Druck. Da entdeckt er, dass seine Patientin mit ihrer letzten Ärztin (Catherina Zeta-Jones) ein Verhältnis hatte. – Steven Soderberghs vorläufig letzte Kinoarbeit ist ein Hitchcock-Thriller mit ernst zu nehmender Kritik an bestimmten Praktiken der Pharmaindustrie. Diese spiegeln aber bloss das Verhalten jenes Teils der Gesellschaft, der nur nach Geld und Status strebt und scheinbar blind für fremdes Leid ist. Die schlafwandelnde Mörderin symbolisiert diese Haltung, die der Psychiater mit gemeingefährlicher Naivität unterstützt. Damit steht «Side Effects» in der langen Reihe gesellschaftskritischer Werke Soderberghs. Ihm verdankt sich auch ein irrwitziger Bonus: Zu Aufnahmen vom Dreh, die Zeta-Jones gemacht hat, ertönt ein satirischer Kommentar über das harte Leben von Filmstars. (tdv)

Side Effects

Steven Soderbergh

Ascot Elite

*****

Neutralität als Privileg

Der Arzt Amin Jafaari, Israeli palästinensischer Abstammung, gehört zur Upper Class von Tel Aviv. Da kommt seine Gattin bei einem Anschlag um – und wird als Attentäterin identifiziert. Fassungslos versucht der Mann herauszufinden, wer die Frau an seiner Seite war. Nach Yasmina Khadras Bestseller ist ein ebenso spannender wie nachdenklich machender Film entstanden. Wie im Roman wird aus der Sicht von einem erzählt, der nicht Partei nehmen will, ausser für das Leben selbst. Er wolle Menschen retten, nicht töten, beteuert Jafaari. Doch im Verlauf seiner Recherche erkennt er, dass diese Haltung ein Privileg ist und vielleicht mit dem Verrat an seiner Familie und Herkunft erkauft wurde. Vieles bleibt angedeutet, weil der Fokus auf Jafaaris Emotionen liegt und offenbar kein Politlehrstück geplant war. Dar­um auch fehlen die dramatischen Ereignisse, mit denen die Vorlage endet. Am Schluss ist der Prot­ago­nist bloss völlig ratlos – wie der Zuschauer. (tdv)

The Attack

Ziad Doueiri

Praesens-Film

*****

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