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DVD-tipps Spass im Slum Knirpse im Knast Shakespeare in der Anstalt

Der minderjährige Tony lebt in einem Slum von Manila. Als ein weisser Rentner seinen jüngeren Bruder missbraucht, sinnt er auf Rache. Dank List und Glück begeht ein Polizist den Mord und winkt Tonys Familie ein Leben fern vom Slum. – Der Plot, ein dünner roter Faden, ist nebensächlich. In «Mondomanila» zählen die schwarzhumorigen Einfälle. Davon quillt der sprunghafte, spektakuläre Film über, der mit gut meinenden Vorstellungen vom Elend extrem Unterprivilegierter radikal aufräumt. Stattdessen sieht man Individuen, die sich mit unglaublicher Ener­gie­ Lebensfreude ertrotzen. Regisseur Khavn de la Cruz lässt Zwerge, Krüppel und Verstümmelte rappen, tanzen und singen, dass es einem den Atem verschlägt. Er schockiert, um das Anstössige der Existenzbedingungen zu spiegeln – und entlarvt dann einen Teil der Schocks als Inszenierung, um Mitleidsgefühle im Keim zu ersticken. Ein Bonusinterview und Mini-Dokus liefern nützliche Hintergrundinformationen. (tdv)

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Im Jugendgefängnis von Tscheljabinsk im Ural werden 120 Kinder zwischen 11 und 16 Jahren umerzogen. Die meisten haben gestohlen, einige getötet. Drill, Unterricht, Arbeit und ständige Überwachung sollen die Reintegration fördern. Das strenge Programm in der hellen, sauberen Anlage scheint zu fruchten. Überkommt sie nicht das Heimweh, sind die Halbwüchsigen zufrieden, fast glücklich. Ein Entlassener redet gar von einer grossen Familie. Dennoch werden 91 Prozent rückfällig. Warum, verdeutlichen Interviews mit Eltern, auch mit der Mutter eines Opfers: Ausserhalb der Anstalt herrschen Armut und Hoffnungslosigkeit. Ihm habe daheim die Willensstärke gefehlt, um weiterzulernen, meint ein Knirps. Der Entlassene findet trotz Lehre keine Arbeit. Und auf den jugendlichen Mörder warten hasserfüllte Erwachsene. Autorin Alexandra Westmeier, in Tscheljabinsk geboren, enthält sich jeden Kommentars. Die Bilder und Aussagen der Porträtierten sprechen für sich. (tdv)

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Im Hochsicherheitstrakt der Römer Strafanstalt Rebibbia wird Shake­speares «Julius Cäsar» inszeniert. Die Brüder Taviani halten die Proben mit Mördern und Mafiosi fest. Ihr Werk, letztjähriger Berlinale-Sieger, ist bei uns nun immerhin auf DVD zu entdecken. Ausser einigen wenigen Szenen ist alles gestellt. Die Inhaftierten spielen, wie sie Theater spielen oder nicht spielen und sich selbst sind. Trotzdem wirkt das Vorgeführte unglaublich authentisch. Denn die Tragödie um Machtstreben, Verrat, Ehrenmord und Bandenkrieg scheint den Akteuren auf den Leib geschrieben. Kein Schauspieler könnte die Rollen überzeugender ausfüllen: So genau hat der Dichter dem Leben den Puls gefühlt. Umgekehrt bewegt, wenn die vom Schicksal gezeichneten Männer nun interpretieren, was sie einst waren. Die künstlerische Distanz vermittelt eine bisher unbekannte Freiheit. Im Gefängnis ist das eine paradoxe und schmerzhafte Pointe, wie der letzte Satz im Film klarmacht.

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