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Ecopop ist ebenso untauglich wie zynisch

Der Verein Ecopop («ECOlogie et POPulation») verfolgt hehre Ziele. Ecopop, 1971 gegründet, hat sich zum Ziel gemacht, Lebensgrundlagen und -qualität auch für kommende Generationen zu erhalten. Mit der Initiative «Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen» hat Ecopop diese Ziele nun in eine konkrete Forderung gegossen. Die Initiative verlangt erstens, dass nach einer zweijährigen Übergangsphase die jährliche Nettozuwanderung auf 0,2 Prozent der Wohnbevölkerung begrenzt wird. Zweitens sieht die Initiative vor, dass der Bund mindestens 10 Prozent seiner Ausgaben für Entwicklungshilfe in die Förderung der Familienplanung investiert. So soll er dazu beitragen, dass die globale Geburtenrate sinkt. Der Ansatz ist unterschiedlich, das Ziel der beiden Massnahmen aber das gleiche: eine Verringerung des Bevölkerungswachstums zur langfristigen Sicherung der Lebensgrundlagen – einmal hier, einmal global. Die Väter der Ecopop-Initiative machen es den Abstimmenden mit ihrem Anliegen auf den ersten Blick nicht einfach. Schliesslich ist die Sorge zur Umwelt in unserer Gesellschaft real. Eine gewisse Skepsis angesichts der wachsenden Zuwanderung deutlich zu spüren. Der Sinn für Projekte im Bereich der Entwicklungshilfe geschärft. Die Initiative ist gut gemeint. Bloss: Schon der Publizist Kurt Tucholsky war in seiner Einschätzung gnadenlos, als er einst schrieb, das Gegenteil von gut sei nicht böse – sondern gut gemeint. Geht man nämlich ins Detail, so verfolgt die Ecopop-Initiative völlig untaugliche Lösungsansätze. Schon bei der Beratung im Parlament hat man die Schwächen der Ecopop-Initiative erkannt. 190 Nein zu 3 Ja lautete das Verdikt im Nationalrat, 44 Nein zu 1 Ja im Ständerat. Unsere Volksvertreter können nicht derart falsch liegen. Alles andere als ein Nein zu Ecopop wäre in der Tat fatal. Die Initiative ist eine bürokratische Totgeburt. Die fixe, extrem tiefe Zuwanderungsquote nimmt keine Rücksicht auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und lässt sich in der Praxis kaum sinnvoll umsetzen. Wie sollte man die Nettozuwanderung denn messen? Auf Tagesbasis? Wöchentlich? Monatlich? Über die Chancenlosigkeit von Verhandlungen mit der EU, welche die Schweiz im Falle einer Annahme führen müsste, wollen wir an dieser Stelle gar kein Wort verlieren. Die bilateralen Verträge wären gestorben. Am meisten stört an Ecopop allerdings, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Zuwanderung und Umweltbelastung hergestellt wird. Das wirksamste Mittel dafür, die Umweltbelastung zu reduzieren, ist ein schonender Umgang mit Ressourcen – hieseits und jenseits der Landesgrenze. Alleine die Idee, unseren eigenen Ressourcenverbrauch zu billigen, dabei aber andere auszugrenzen und – im Fall der Länder der Dritten Welt – sogar über Geburtenkontrolle die Entwicklung zu steuern, ist zynisch und zeugt von kolonialistischer Denke, die man längst überwunden glaubte.

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