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Ehrenrettung für die Geothermie

Technologieexperten plädieren dafür, die in Verruf geratene Geothermie nicht vorschnell aufzugeben. Sie habe Potenzial. Um es nutzen zu können, seien weitere Erfahrungen nötig.

Trotz der jüngsten Rückschläge sollte die Schweiz weitere Erfahrungen mit Geothermie sammeln, findet das Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-Swiss. Die Stromproduktion aus Erdwärme sei umweltfreundlich, konstant und wohl preislich konkurrenzfähig – jedoch auch risikobehaftet. Geothermieprojekte sorgten in letzter Zeit für negative Schlagzeilen: Die Stadt St.Gallen stoppte ihr Vorhaben für ein Geothermiekraftwerk, nachdem wegen der Bohrungen die Erde gebebt hatte. Zuvor war auch in Basel das erste Vorhaben in diesem Bereich abgebrochen worden. Der Kanton Genf hat dagegen im Sommer angekündigt, bis 2017 die Böden für Geothermie zu durchleuchten.

Technologie nicht abschreiben

Aus Sicht von TA-Swiss sollte die Schweiz die Technik dennoch nicht zu schnell abschreiben. Die Ressourcen von Erdwärme seien gigantisch, so Gunter Siddiqi vom Bundesamt für Energie (BFE) gestern bei der Präsentation der Studie. «Wir müssen aber noch lernen, wie wir an die Wärme in der Tiefe gelangen.» Dafür braucht es weitere Erfahrungen mit dem Bau und dem Betrieb geothermischer Anlagen. Laut Siddiqi sind dabei vor allem die Kantone gefragt. In der Schweiz bestimmen sie, wie ihr Grund und Boten genutzt wird. Der Bund habe wenig Einfluss, könne aber übergeordnete Richtlinien erlassen, damit die Prozesse möglichst in Einklang gebracht würden. Geologisch kämen hierzulande in erster Linie petrothermale Kraftwerke infrage, bei denen heisses Gestein das induzierte Wasser aufwärmt und dieses wieder heraufgepumpt wird. Die Technologie verursache sehr wenig Treibhausgas CO2, sagte Studienautor Stefan Hirschberg vom Paul-Scherrer-Institut. In Deutschland sind bereits zwei geothermische Grossanlagen in Betrieb. Die Kosten für die Stromerzeugung schätzt die Studie im Durchschnitt auf 35 Rappen pro Kilowattstunde. Wenn nicht nur Strom produziert, sondern auch die Restwärme verkauft werden kann – beispielsweise zum Heizen –, veranschlagt die Studie einen Preis von 14 Rappen. Damit wäre die Technologie wettbewerbsfähig mit Sonnen- oder Windenergie. Im Gegensatz zu diesen Energiequellen würde der Strom regelmässig erzeugt, was ein grosser Vorteil sei. «Für die Energiestrategie 2050 ist die Versorgungssicherheit ein zentraler Pfeiler», sagte Siddiqi vom BFE.

Das Übel mit den Erdstössen

Als Risiko nennt die Studie die Erdstösse, die sich beim Bau und Betrieb der Anlagen nie ausschliessen liessen. Stefan Wiemer, Direktor des Schweizerischen Erdbebendiensts, bezeichnet sie als «notwendiges Übel». Wichtig sei vor allem, diese Erdbeben zu kontrollieren. Die Standortsuche sowie die Bewilligungsverfahren seien zudem kostspielig. Wiemer schätzt etwa ein Pilotprojekt, bei dem fünf Kilometer in die Tiefe gebohrt wird, auf 30 bis 70 Millionen Franken. Die Studie setzt überdies Fragezeichen hinter die gesellschaftliche Akzeptanz: Viele Menschen in der Schweiz sähen sowohl Chancen wie auch Risiken in der Geothermie. Diese ausgeglichene Meinung könne aber rasch umschlagen. Damit Akzeptanz hergestellt wird, sollten gemäss der Studie Konzessionen zur Geothermienutzung unter Auflagen erteilt werden – namentlich, dass erhobene geologische Daten öffentlich gemacht werden. An der Studie von TA-Swiss arbeiteten Wissenschaftler des Paul-Scherrer-Instituts, der ETH Zürich, der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften und des Instituts Dialogik mit.

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