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Ein Abbruch – viele Meinungen

LENZERHEIDE. Nach der Absage der Abfahrten wurde gestern beim Weltcupfinal der Super-G der Männer abgebrochen und das Rennen der Frauen gar nicht gestartet. Marcel Hirscher holt sich damit den Gesamtweltcup.

Rund zwei Stunden nach dem Abbruch des Super-G der Männer war es offiziell: Marcel Hirscher konnte im Gesamtweltcup seinen Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigen. Die letzten Zweifel räumte ausgerechnet sein letzter Konkurrent Aksel Lund Svindal aus der Welt, indem er seinen Verzicht auf den Slalom vom Sonntag verkündete.

Rein mathematisch wäre es dem Norweger noch möglich gewesen, den Rückstand von 149 Punkten wettzumachen. Doch schon im Riesenslalom von morgen Samstag liegen die Vorteile auf der Seite des Österreichers – und erst recht hätten die Stärkeverhältnisse im Slalom für Hirscher gesprochen. «Marcel ist ein verdienter Sieger. Was er in diesem Winter geleistet hat, ist fantastisch.» Ins Loblied auf seinen Gegner liess Svindal aber auch den Hinweis einfliessen, dass ihm als Speed-Spezialisten im Vergleich zu Hirscher in seinen starken Disziplinen sechs Rennen weniger zur Verfügung standen. «Er hat 19 Möglichkeiten, ich nach den Absagen der Abfahrt und des Super-G hier in Lenzerheide nur 13.» Svindal punktet zwar auch regelmässig im Riesenslalom, doch die absoluten Topergebnisse bleiben ihm mittlerweile verwehrt. «Für einen Abfahrer wie mich ist es fast unmöglich, gegen die besten Riesenslalomfahrer wie Ted Ligety, Hirscher oder Alexis Pinturault anzukommen.»

Kröll mit Oberarmbruch

Der Super-G in Lenzerheide begann mit einer Verspätung von dreieinhalb Stunden. Hujara bestimmte den Abbruch nach zehn Fahrern und einem schweren Sturz von Klaus Kröll, der sich einen Oberarmbruch zuzog. Der Oberarmkopf wurde auch in Mitleidenschaft gezogen. Der Steirer, der sich erst Anfang April 2012 bei einem Sturz mit dem Cross-Motorrad den Wurzelknochen im rechten Fuss gebrochen hatte, wurde in Chur bereits operiert.

Starker, böiger Wind hatte nicht nur für irreguläre Verhältnisse gesorgt, sondern das Rennen auch zu einer (zu) gefährlichen Angelegenheit werden lassen. Der erste Unterbruch erfolgte schon nach dem mit der Nummer 1 gestarteten Franzosen Gauthier de Tessières; 40 Minuten lang ging auf der Piste «Silvano Beltrametti» nichts mehr.

Die Bergung von Kröll bedingte die nächste Pause, der schliesslich der Abbruch folgte. In Führung lag Vizeweltmeister de Tessières. Patrick Küng, der einzige Schweizer, schied nach einem Torfehler aus – an jener Stelle, die Kröll zum Verhängnis geworden war. In Bezug auf die Super-G-Wertung hatte das abgebrochene Rennen keinen Einfluss. Svindal hatte sich die Kristallkugel schon am vorletzten Samstag in Kvitfjell gesichert. Und seine zweite dieses Winters gewann er ja in der Abfahrt nach der Absage am Mittwoch.

Bei den Frauen hat die Slowenin Tina Maze, die schon den Gesamtweltcup und die Riesenslalomwertung zu ihren Gunsten entschieden hatte, eine weitere Kristallkugel auf sicher. Streitig machen hätte ihr die Super-G-Trophäe nur noch Julia Mancuso machen können. Die Amerikanerin hätte aber mit ihren 55 Punkten Rückstand wohl nur geringe Erfolgsaussichten gehabt.

«So etwas noch nie erlebt»

Der Entscheid zum Abbruch des Männer-Super-G hallte selbstredend nach. An der abendlichen Mannschaftsführersitzung taten die Trainer ihre Meinung kund, Hujara stellte die Sachlage aus seiner Sicht dar. Grösster Kritiker war Mathias Berthold, Chefcoach des Österreichischen Skiverbandes. Der Vorarlberger, der zudem die Art und (zu lange) Dauer der Bergung von Kröll aufs Schärfste verurteilte, nannte die verantwortliche Jury just einen «Witz». Für ihn könne es nicht angehen, dass die Rennleitung Trainer und Fahrer in die Entscheidungsfindung über einen im Raum stehenden Abbruch mit einbeziehen würde. Interessen und Ziele der Teams seien zu verschieden, als dass deren Vertreter die Si­tua­tion objektiv einschätzen könnten. «So etwas habe ich noch nie erlebt», schob Berthold nach. Für Hujara wars ein Vorgehen im Sinne der «Demokratie». «Betreffend Bedingungen bekamen wir am Funk alles zu hören – von ‹problemlos fahrbar› bis ‹zu gefährlich› und ‹unverantwortlich›.» Die Trainer hätten zudem mit 6:4 Stimmen für einen Abbruch gestimmt. «Deshalb liessen wir über Ted Ligety als Athletenvertreter auch die Meinungen der Fahrer einholen.»

Ganz andere Voten waren von den Norwegern und Franzosen zu hören. Für sie war der Abbruch zu Unrecht erfolgt – eine offensichtlich aus Eigeninteressen gebildete Meinung. Mit Gauthier de Tessières führte ein Franzose, mit Aksel Lund Svindal wartete ein Norweger mit (minimen) Chancen auf den Gesamtweltcup auf seinen Start. Für Frankreichs Chefcoach beeinflussten die Österreicher den Entschluss zum Abbruch mit dem Rückzug ihrer Fahrer mit. Alpindirektor Hans Pum hatte schon nach Krölls Malheur verkündet, dass die weiteren ÖSV-Fahrer nicht mehr antreten würden. Dem widersprach Hujara. Der Abbruch sei erfolgt, weil der Wind im Zuge der Erstversorgung von Kröll noch an Stärke zugenommen habe und die Sichtverhältnisse sich weiter verschlechtert hätten, versicherte der Schwarzwälder in Diensten der FIS. (si)

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