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Ein Amt feiert sein Wirken – und sich selbst

Das Amt für Städtebau wurde aus einer Sparübung heraus geboren und ist seit 2007 zu einem Taktgeber der Stadt- entwicklung geworden. Jetzt blickt es in einem Buch zurück.

Es war ein sympathisches ehrliches Schulterklopfen, das Stadträtin Pearl Pedergnana (SP) und ihr Stadtbaumeister Michael Hauser am Donnerstagabend austauschten. Sie hatte in launigen Worten ihn und sein Amt gelobt, er gab die Rosen galant zurück; «Du hast viel Herzblut in die Stadt gesteckt.» Zum Dank dafür bekam die Stadträtin das Buch mit der Agentennummer 007. Die 500 Exemplare seien für «Weggefährten» gedacht, sagte Hauser: Mitarbeitende, Architekten, Planer, Bauherrschaften, Investoren, Schreiber… So liegt denn das 300-seitige Werk mit dem Titel «Dem Wachstum begegnen» auch auf der Redaktion des «Landboten» und fragt sich, wie es von Nutzen sein könnte. Als Nachschlagewerk eignet es sich nicht, da es weder Inhalts- noch Stichwortverzeichnis enthält. Dafür unzählige Power-Point-Präsentationen in kaum lesbarer Grösse, Zeitungsartikel, zwei, drei Karten und Pläne, eine kleine Hommage an Pedergnanas Vorgänger, Walter Bossert, viele Föteli, Zitate und Gedanken. Es ist ein schönes Buch, liegt schwer in der Hand und macht sich gut in jedem edel assortierten Büchergestell. Weil Hauser und seine Leute gerne den Stadtraum, die Si­tua­tion oder architektonische Finessen «lesen», wie sie oft sagen, wollen wir auch dieses Buch nicht im herkömmlichen Sinne lesen, sondern im eher übertragenen. Historische Lesart Das Amt für Städtebau entstand erst 2007, als Fusionsprodukt und Folge einer Restrukturierung, welche die Kosten senken sollte. Hochbau, Raumplanung, Verkehrsplanung, Denkmalpflege, Wettbewerbe, Beratung – alles ist unter einem Dach an der Technikum­strasse im ehemaligen «Tagblatt»-Gebäude neben dem Archzentrum. Geleitet wird das Amt vom Zürcher Michael Hauser, der sich – das wurde am Donnerstag deutlich – als Teamplayer versteht. Und der das Stadtbild der nächsten Jahrzehnte wesentlich mitprägt. Er ist stets ein prominentes Mitglied von Wettbewerbsjurys, über deren Zusammensetzung er mitentscheidet. Sein Einfluss sei damit «indirekt», wie es ein Architekt ausdrückt. Frühere Stadtbaumeister waren auch als Architekten aufgetreten, Wilhelm Ba­reiss etwa, der 1871 aus Enttäuschung seinen Abschied nahm, weil die Bürger die Altstadttore abreissen liessen. 1926 hiess der Stadtplaner Albert Bodmer, der einen Zonenplan zeichnete, «der die Stadt bis heute am besten erklärt», wie es im Buch lobend heisst. Expressionistische Lesart Wie ein Gemälde kommt das Buch daher: hier einen Lichtpunkt werfend, dort einen Schlagschatten, ein Mosaik aus Pinselstrichen und Farbtupfern. Und expressionistisch mutet zuweilen auch die Sprache an, deren sich Hauser und seine Leute bedienen. Sie prägen damit in zunehmendem Mass auch die öffentliche Diskussion. Manche ihrer Begriffe haben sich fast unbemerkt ins gebräuchliche Politikervokabular geschmuggelt: bipolare Stadt, Leuchttürme da und dort, verkehrlich. «Wir sind die Qualitäts-Coaches», heisst eine Selbstdeklaration im neuen Buch. Monetäre Lesart In der derzeitigen Wachstumsphase die Qualität zu sichern und das Risiko von Fehlentwicklungen zu verhindern, sei das Ziel des Amts für Städtebau, sagte Pedergnana bei der Buchvernissage. Die jährlich verbaute Summe sei ständig am Steigen, im Jahr 2011 habe sie – anhand der Baugesuche berechnet – 900 Millionen Franken erreicht (die offizielle Statistik weist 615 Millionen aus). Pedergnana verriet auch, dass die Produktionskosten von 50 000 Franken für das Buch aus dem nicht ausgeschöpften Globalkredit bezahlt würden. 50 000 Franken geteilt durch 500 Bücher? Rechne! Wir «Weggefährten» halten ein kostbares Stück in Händen.

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