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Ein bisschen Wehmut und Erleichterung

INTERLAGOS. Noch ist ihre schwierige Mission vor dem Grossen Preis von Brasilien nicht vollendet, doch schon jetzt ist klar: Sergio Pérez werden sie im Sauber-F1-Team keine Träne nachweinen, der Abschied von Kamui Kobayashi fällt ungleich schwerer.

Die Highlights vor allem in dieser Saison hat Sergio Pérez gesetzt, die Sympathien und den Respekt der Sauber-Leute hat in den zwei gemeinsamen Jahren Kamui Kobayashi verdient. Der jetzt 26-jährige Japaner hat sich seit seiner Verpflichtung Ende 2009 in guten und in schlechten Zeiten als echter Teamplayer erwiesen. Der vier Jahre jüngere Mexikaner ist manchmal positiv, sehr oft aber auch negativ aufgefallen.

Der Grosse Preis von Brasilien bietet den beiden Fahrern die letzte Gelegenheit, sich mit dem angestrebten Top­resultat einen guten Abgang im Team zu verschaffen. Dazu braucht es auf der buckeligen, 4,3-Kilometer-Piste im Autodromo José Carlos Pace mindestens 13 WM-Punkte. Dass dies kein Ding der Unmöglichkeit ist, zeigen die Ergebnisse von Sepang, Montreal, Hockenheim, Monza und Suzuka, die steil nach unten zeigende Formkurve von Mercedes, dem direkten Gegenspieler, und die normalerweise hohe Ausfallquote im oft feuchten Interlagos.

Dass die Sauber-Leute Pérez bei der gewohnt launigen Jahresschlussfeier in Abu Dhabi zum Abschied eine Bahnhofuhr geschenkt haben, kommt nicht von ungefähr. Mit der Pünktlichkeit nimmt es «Checo» nie genau. Ein Beispiel dafür war der Flug von Houston nach São Paulo, den er nur deshalb nicht verpasste, weil Force Indias Ersatzfahrer Jules Bianchi freundlicherweise seinen bereits fest zugesicherten Business-Sessel räumte. Ein anderer Charakterzug des Mexikaners zeigte sich kurz vor der Landung, als er dem artig anstehenden britischen Arbeitskollegen Paul di Resta den frei werdenden Platz in der Toilette wegschnappte. Dieser wie sein designierter Nachfolger Nico Hülkenberg und Jenson Button nahmen es mit sichtlicher Verwunderung zur Kenntnis.

Ein Geniesser und ein Nörgler

Ein anderes Beispiel für die unterschiedliche Erziehung der beiden Fahrer ist der Umgang mit der Sauber- Küche, die zu den besten überhaupt im Paddock gehört. Kobayashi gilt als zufriedener Geniesser, der sich auch nicht zu schade ist, selbst an den Herd zu stehen, wenn es ihm nach etwas Speziellem zumute ist. Pérez dagegen als Fastfood-Liebhaber meckert gerne einmal über das Angebot am reichhaltigen Buffet, lässt sich etwas anderes zubereiten und schüttet den Rest auch einmal in eine Schüssel zurück.

Ähnliches erleben die Mechaniker. Der Japaner ist pflegeleicht und hilfs­bereit, wenn auch etwas wenig aussagekräftig bei seinen Kommentaren und auf positive Feedbacks angewiesen. Der Mexikaner ist nur zu wirklich aussergewöhnlichen Leistungen fähig, wenn alles rund läuft. Im anderen Fall sucht er den Fehler zuletzt bei sich selbst. Das könnte ihm bei seinem neuen Arbeitgeber McLaren zum Verhängnis werden.

Unter Beobachtung

Auch auf der Rennstrecke ist das Verhalten von Pérez bei allem Talent nicht über alle Zweifel erhaben. Beim Überholen geht er oft wenig zimperlich zu Werke. Nach zwei Verwarnungen in Abu Dhabi und Austin steht er deswegen in Brasilien unter besonderer Beobachtung der Rennkommissäre, zu denen diesmal Le-Mans-Rekordsieger Tom Kristensen gehört. Beim geringsten Vergehen droht ihm eine Rückversetzung in der Startaufstellung. Das will er bei seinem 37. WM-Einsatz für Sauber unbedingt vermeiden, denn trotz aller Vorbehalte und Reibereien ist der Abschied auch für ihn emotional.

«Die beste Art, Danke zu sagen für das Vertrauen und alles, was sie bei Sauber in den vergangenen zwei Jahren für mich getan haben, wäre ein gutes Ergebnis und die Umsetzung des Planes, Mercedes abzufangen in der Wertung der Konstrukteure», sagt Pérez, der nach dem zweiten Platz in Monza nur noch einmal, als Zehnter in Singapur, gepunktet hat und zuletzt wie Mercedes fünfmal in Folge leer ausgegangen ist. «Die Rennstrecke in Interlagos und die möglicherweise schwierigen Witterungsverhältnisse könnten uns bei dieser anspruchsvollen Aufgabe sehr hilfreich sein», glaubt der Mexikaner. «Die Piste mit den Senna-S-Kurven als Lieblingspassage ist sehr schön, lässt Überholmanöver zu und die Begeisterung der Fans schafft immer eine einzigartige, tolle Atmosphäre.»

Besondere Gefühle verbinden auch Kobayashi mit Interlagos. Hier hat er 2009 mit Toyota sein erstes Formel-1-Rennen bestritten und hier will er sich auch für ein neues Engagement empfehlen. «Ich mag die Brasilianer und vor allem auch ihre Churrascarias», gesteht er. «Hier waren wir im vergangenen Jahr im Finale gegen Toro Rosso erfolgreich und hier können wir uns auch gegen Mercedes durchsetzen. Ich freue mich, auf eine Strecke zurückzukehren, auf der das Verhalten der Reifen entscheidend sein wird. Dass unterschiedliche Strategien und entsprechend viele Boxenstopps zu erwarten sind, eröffnet uns Chancen auf viele WM-Punkte.»

Bei Force India im Gespräch

Ungeachtet dessen läuft seine Uhr ab im Sauber-Team. Teamchefin Monisha Kaltenborn wird noch in Brasilien den 21-jährigen Mexikaner Esteban Gutièrrez als zweiten Fahrer für 2013 neben Nico Hülkenberg bestätigen. Als Ersatz für den Deutschen bei Force India ist auch Kobayashi im Gespräch und alle bei Sauber würden ihm diese Chance gönnen.

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