Zum Hauptinhalt springen

Ein bodenständiger Vermittler

Seit vier Jahren erst ist die Zürcher BDP im Kantonsrat vertreten. Nun strebt sie mit ihrem ­Präsidenten Marcel Lenggenhager bereits einen Sitz in der Regierung an. Im Rat ist er beliebt – doch seine Chancen auf eine Wahl sind gering.

Vor vier Jahren genoss die BDP den Bonus einer neuen Partei, als bürgerliche Alternative zur SVP. «BDP – das war vielleicht cool», sagt Marcel Lenggenhager, «aber das ist vorbei.» Deshalb wird ­ die kommende Kantonsratswahl auch aufzeigen, was vom anfänglichen Schwung übrig geblieben ist. Die BDP hat sich zum Ziel gesetzt, ihre sechs Sitze im Parlament zu hal­ten – und allenfalls um ein bis zwei Sitze zu erweitern. Das dürfte schwierig werden. «Wenig Spuren hinterlassen» Der BDP fehle es an Profil, bemängeln Kritiker. «Sie ist nicht fass­bar und hat in den letzten vier Jahren wenig Spuren hinterlassen», sagt Phi­lipp Kutter, Frak­tions­präsident der CVP, zur Ausgangslage der BDP. Von einer neuen Partei, die weder Erfahrung auf Kantonsratsebene mitbringe, noch eine Geschäfts­stelle im Rücken habe, seien auch ­keine spektakulären Vorstösse zu erwarten, verteidigt Lenggenhager. «Doch wir waren an vielen beteiligt oder haben die Vermittlerrolle übernommen. Auch war es die BDP, welche die entscheidenden Anträge für das Budget 2013 und 2014 eingebracht hat.» Sicher sei es als unabhängige Mittepartei schwierig, die eigenen Positionen, die mal Richtung Links (Energie und Umwelt), mal Richtung Rechts (Finanzen) tendiere, gut zu verkaufen. «Man kann sie nur gebetsmühlenartig predigen», sagt Lenggenhager. Und so wird der Regierungs­ratskandidat bis zum 12. April ­ als Wahlkampflokomotive der BDP durch den Kanton ziehen. Wer ihn trifft, merkt bald, dass ihm diese Aufgabe liegt. Er ist schnell auf Betriebstemperatur, gestikuliert, betont, lacht, erklärt, gibt sich dabei selbstbewusst, aber auch selbstkritisch – und zeigt eine Begeisterung, die man ihm abkauft. Diese Stärken seien zugleich seine Schwächen, sagt er über sich. «Wenn ich im Feuer bin und vorausdenke und ungeduldig werde, weil die anderen nicht mitziehen, dann kann ich die ­Leute ein Stück weit überfahren.» Phi­lipp Kutter hat ihn nicht so er­lebt: «Er ist ein bodenständiger, bürgerlicher Politiker – im Umgang unkompliziert und gesellig», sagt der CVP-Kantonsrat über Lenggenhager. Dieser erklärt, dass er im Kantonsrat ­gelernt habe, ein wenig bedachter zu reagieren, weil ohnehin alles viel länger dauere. Länger als in der Kommunalpolitik, wo seine politische Laufbahn begann. Von der FDP zur BDP Während 23 Jahren politisierte Lenggenhager für die FDP, als Schulpfleger, Rechnungsprüfer und zehn Jahre als Schulpräsident – bis er seine Treuhand­firma aufbaute und ihm die Zeit für das Amt fehlte. Seine Nachfolgerin, Cornelia Keller, war es dann, die ihn nach vier Jahren wieder in die Politik zurück­holte. Mit der FDP konnte er sich inzwischen nicht mehr identifizieren, dafür mit der damals neuen BDP. Einer Partei, die nach Auffassung Lenggenhagers eine bürgerliche und demokratische Haltung vertrete und zudem offen sei für andere Meinungen. Damit sich Keller und Lenggenhager bei den Kantonsratswahlen 2011 nicht in die Quere kamen, entschied sich der Gossauer, für den Wahlkreis der Stadt Winterthur zu kandidieren. «Winterthur passt zu mir», sagt Lenggenhager. Er besitzt dort einen Filialbetrieb, ist im Business-Club des FC Winterthur sowie im KMU-Forum und im Hauseigentümerverband. Zu seiner Überraschung wählten ihn die Winterthurer in den Kantonsrat. Und auch dieses Jahr wird er wieder für diesen Wahlkreis antreten. «Als Externer ist das zwar mit einem Risiko verbunden. Aber ich wurde vor ­ vier Jahren in diesem Wahlkreis gewählt, und es wäre nicht ­meine Art, nun in einen anderen Wahlkreis abzuschleichen.» «Ein verlässlicher Partner» Er «schickt sich rein», sagt Lenggen­hager immer wieder. Rein auch in den Kampf um einen Posten im Regierungsrat. Dort ­würde er sich für einen ausgeglichenen Finanzhaushalt einsetzen und überprüfen wollen, welche Aufgaben der Kanton überhaupt zu erfüllen hat. Oder sich der steigenden Verkehrs­problematik annehmen, indem Innovationen vorangetrieben und Visionen aufgezeigt würden – etwas, das er von der aktuellen Regierung manchmal vermisse. Als Brückenbauer und Vermittler würde er dem Gremium gut tun, sagt er. Als jemand, der frei von rechten und linken Posi­tio­nen diskutieren und nach Lösungen suchen könne. So sieht ihn auch Markus Späth, SP-Frak­tions­prä­si­dent aus Feuer­thalen. ­«Marcel Lenggenhager erlebe ich als verlässlichen Verhandlungspartner. Er steht zwar klar im ­bürgerlichen Lager, gehört aber zur Gruppe der Pragmatiker. ­Zudem ist er offen für vernünf­tige Argumente und unideologische Konsensfindung.» Gegen die Wahlkampfmaschinerien der SVP, FDP und SP ­ stuft Lenggenhager seine Chancen zwar als minim ein. Doch er findet, dass nicht nur etablierte Parteien in die Regierung gehören. «Das ist doch eine irrige Meinung, dass man einfach aufgrund einer bestimmten Grösse Anspruch erheben soll. Wenn man fähige Leute hat, dann muss man antreten.» Sich reinschicken. Handicap verschlechtert Und wie weiter, wenn gar die Wieder­wahl in den Kantonsrat misslingen sollte? Dann hätten seine Freunde, seine Frau und ­seine Tochter wieder mehr von ihm. Er könnte häufiger in seine Ferienwohnung im Tessin, endlich mal wieder zum Pinsel greifen und im Atelier Acrylbilder malen. Und auch zum Essen, Weintrinken und Golfspielen bliebe wieder mehr Zeit. Seit der Wahl in den Kantonsrat hat sich sein Handicap von 7 auf (immer noch beachtliche) 10 verschlechtert. Derzeit gilt sein Fokus aber nicht dem Golf­schwung und dem kleinen Ball. «Ich möchte vier Jahre anhän­gen», sagt Lenggenhager. «Meine Arbeit ist noch nicht ab­ge­schlossen.»Heinz Zürcher

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch