Zum Hauptinhalt springen

Ein Chauffeur mit Fingerspitzengefühl

Wer für die gemeinnützige Organisation Tixi Zürich tätig sein will, muss Engagement und eine gehörige Portion Finger­spitzengefühl mitbringen. Unterwegs mit Tixi-Chauffeur Urs Schmid aus Embrach.

«Ich habe morgen eine wichtige Sitzung», sagt Monika Lüthi*, während sie auf dem Rücksitz des Renault Kangoo sitzt. Fahrer Urs Schmid hört ihr aufmerksam zu und fragt sie nach dem genauen Termin sowie allfälligen weiteren Sitzungsteilnehmern. Monika Lü­thi hat Trisomie 21. Tagsüber arbeitet sie in der Pigna-Werkstätte in Kloten, wohnhaft ist sie in Baltenswil bei Bas­sersdorf. Am Morgen und nach Feierabend ist sie auf einen Transport zur Arbeit beziehungsweise von dort nach Hause angewiesen. Hier kommt Urs Schmid ins Spiel: Seit vier Jahren arbeitet der 69-jährige Embracher einmal pro Woche für Tixi Zürich. Seine Tätigkeit ist ehrenamtlich, doch dar­auf bildet sich der ehemalige Mittelschullehrer nichts ein: «Es reicht nicht, mit gutem Gewissen ans Steuer zu sitzen und zu denken, damit sei die Arbeit getan.» Wer für Tixi unterwegs sei, sollte vor allem auch um einen korrekten Umgang mit den Fahrgästen bemüht sein. Das heisst konkret: Der Fahrer sollte mit den Fahrgästen kommunizieren und sie ernst nehmen. «Natürlich hat die Passagierin am nächsten Morgen keine Sitzung, doch für sie war die Vorstellung in diesem Moment sehr wichtig», erklärt Schmid. Auch an gewisse Sprachregelungen musste er sich erst gewöhnen: «Viele Fahrgäste sprechen einen ungefragt mit Du an.» Professioneller geworden Es war ein Freund aus dem Appenzell, der ehemalige Leiter von Tixi Herisau, der Schmid auf die Existenz dieser In­sti­tu­tion aufmerksam machte: «Als ich von seiner Tätigkeit hörte, fasste ich den Vorsatz, dies als Rentner ebenfalls zu tun.» Tatsächlich sollten nach seiner Pensionierung nur wenige Monate vergehen, ehe Schmid zum ersten Mal selbst am Steuer sass. Seither habe sich bei Tixi einiges verändert und ist professioneller geworden: Sei es früher vorgekommen, dass ein Fahrer an einem Tag in verschiedene Ecken des Kantons fahren musste, blieben die Tixi-Chauffeure heute meist den ganzen Tag in einer Region. Schmids Einsätze erfolgen an diesem Nachmittag überwiegend im Unter­land. Nachdem er sich in Baltenswil von Monika Lüthi verabschiedet hat, fährt er zur Pigna-Werkstätte in Klo­ten. Dort findet er sich in einer unübersichtlichen Si­tua­tion wieder: Ein anderer Tixi-Fahrer hat sich bereits der Passagierin Luana Juen* angenommen, die eigentlich von ihm hätte transportiert werden sollen. Hinzu kommt, dass auf Schmids Auftragsblatt Effretikon als Zielort aufgeführt ist, Luana Juen jedoch nach Bassersdorf muss. «So etwas kommt immer wieder vor: Zwei Fahrer haben den gleichen Abhol- und für ihren jeweiligen Fahrgast auch einen ähnlichen Zielort. Der Fahrer, der sich als Erster am Abholort befindet, denkt dann, er könne der Einfachheit halber gleich alle wartenden Personen mitnehmen», erzählt Schmid. «Sind dazu auch die Angaben auf dem Auftragsblatt falsch, ist das Chaos komplett.» Vom Funk, der ihm für solche Fälle zur Abstimmung mit der Tixi-Zentrale zur Verfügung stehen würde, muss Schmid aber keinen Gebrauch machen. Die beiden Chauffeure klären das Missverständnis unter sich. Schmid macht sich mit Luana Juen auf den Weg nach Bas­sersdorf. Anspruchsvolles Engagement Als er die gesprächige Passagierin nach Hause gebracht hat, ist es bereits 16.30 Uhr. Der Arbeitstag ist für Urs Schmid allerdings noch nicht zu Ende, denn die letzte Fahrt steht um 18.30 Uhr an. Der Zielort ist Kloten. «Vor 20 Uhr werde ich heute nicht zu Hause sein, ich muss den Wagen ja auch noch in der Tixi-Zentrale in Albisrieden abliefern.» Das freiwillige Engagement ist für Schmid somit nicht nur mit der Opferung eines Nachmittages, sondern auch des jeweiligen Abends verbunden. «Auch wenn es nicht allzu spät wird, bin ich nach der letzten Fahrt in der Regel so müde, dass ich für grosse Sprünge nicht mehr zu haben bin.» Zu stark beanspruche das Fahren seine Konzentration. Missen möchte er diese Tätigkeit aber auf keinen Fall: «Es ist für mich immer wieder befriedigend, zu sehen, wie viel Freude die Fahrgäste an Tixi haben und wie dankbar sie sind.» * Name von der Redaktion geändert

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch