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Ein Derby – das Geschenk zur Rückkehr

Schaffhausen. Nach zwei Jahren in der Drittklassigkeit ist der FCS zurück, wo er sich zu Recht hingehörig fühlt: in der Challenge League. Erster Lohn ist heute das Derby gegen den FCW.

Es war eine harte und vor allem teure Zeit, die sich der FC Schaffhausen da eingebrockt hat mit dem völlig unvermuteten Abstieg im Frühjahr 2011. Als Erstes entschied Aniello Fontana, der Langzeitpräsident, die Rückkehr sei so schnell als möglich zu schaffen, und dies, wie die Schaffhauser dann zwei Jahre lang bei jeder Gelegenheit würden hören müssen, mit einem Profibetrieb und einem entsprechenden Kader. Also kämpfte sich der FCS mit Trainer Maurizio Jacobacci zuerst eine Saison lang durch die «normale» 1. Liga, um sich einen Platz in der neuen Promotion zu sichern – mehr war nicht möglich. Dann gingen sie ihren Weg weiter durch die neue, eingleisige Liga, die nur Raum für einen Aufsteiger bot. 60 Meisterschaftsspiele lang war dieser Rückweg in die Challenge League; 42-mal gewannen die Schaffhauser, nur 10-mal verloren sie, 163 Tore schossen sie, fast drei pro Match. Aber gefeiert werden konnte erst nach dem letzten dieser 60 Spiele, die Entscheidung fiel in der allerletzten Spielminute zweier langer Jahre – das 2:1 des Stürmers Patrick Rossini Ende Mai gegen YF Juventus. Das Duo Rossini/Frontino Der Tessiner Rossini (25) war die eine grosse Figur der Schaffhauser Rückkehr – mit 38 Toren in 45 Spielen in anderthalb Jahren. Die andere war Gianluca Frontino (24), Schaffhauser und jetzt auch Captain. Er schoss gar 51 Tore in allerdings zwei Jahren. Diese beiden waren – mit zusammen 89 von 163 Treffern – in der Drittklassigkeit die Schaffhauser Lebensversicherung, beide für eine solche Liga zweifelsfrei überqualifiziert. Sie werden auch in der Challenge League ein starkes Duo bilden. Allerdings erst ab der 2. Runde, denn heute ist Frontino gesperrt. Das Kader, mit dem Jacobacci aufstieg, mit dem er nun in der Challenge League als ersten Gegner den FCW angreift, ist gewiss gut genug, dass die Schaffhauser mit dem Abstieg nichts zu tun haben werden. «Das ist das erste Ziel», sagt Jacobacci. Und fügt dann gleich bei: «Aber damit wollen wir uns nicht zufriedengeben.» Eigentlich wäre niemand überrascht, fände der FCS einen Platz in der oberen Tabellenhälfte. Das sind zumindest für einen Neuling hohe Erwartungen. Das weiss auch Jacobacci. «Aber wir werden nun auch nicht mehr die Gejagten sein wie zwei Jahre lang. Ich denke, wir werden gegen bessere Gegner, die mitspielen, auch besseren Fussball spielen.» Was den Schaffhausern an guten Tagen und als «Jäger» und eben nicht Gejagtem zuzutrauen ist, zeigte sich im vergangenen Winter, als sie im Cup-Achtelfinal den Grasshoppers 120 Minuten lang absolut ebenbürtig waren und schliesslich erst im Elfmeterschiessen verloren. Kein anderer Gegner hat die Zürcher auf dem Weg zum Cupsieg mehr gefordert als der FCS, auch nicht der FCB im Final. Alter Stamm und vier Neue Der Stamm dieser Mannschaft blieb den Schaffhausern erhalten. Keinen, den sie halten wollten, konnten sie nicht halten. Als Prominentester erhielt Baykal keinen Vertrag. Von den Neuen werden vier heute einen Platz in der Startelf haben: André Gonçalves, einer der U17-Weltmeister, als Rechtsverteidiger; Pascal Thrier, ein Mann mit langer Vergangenheit beim FCW, den Jacobacci als Innen- und nicht als Rechtsverteidiger sieht; Bertrand Ndzomo aus Freiburg, früher jahrelang bei Yverdon, als kampfstarker «Sechser»; und Dejan Sorgic aus Luzern als rechter Flügelmann. Wie Thrier haben noch mehrere aus Schaffhausens Kader einst für den FCW gespielt: Vaso Vasic, der Torhüter, Matthias Schnorf, den Thrier auf die linke Abwehrseite verdrängt, und Antonio Dos Santos. Der brasilianische Linksfuss spielte als 20-Jähriger für den FCW, mit 34 ist er nach Jahren in der Super League noch immer einer, der mit seinen Standardsi­tua­tio­nen Spiele entscheiden kann. Rund 1,8 Millionen Franken betrug das «Challenge-League-Budget» (Fontana) in der 1. Liga Promotion, jetzt ist es in der wahren Challenge League etwas höher, bei knapp über zwei Millionen. Aber es werden ja auch die Einnahmen höher sein, also wird die Spielzeit in der neuen Umgebung für die Familie Fontana nicht so teuer wie die letzte … Trotz alledem wird der FCW höher eingestuft, sind auch seine Ziele höher. Allerdings muss er, will er heute wirklich zufrieden und damit als Sieger heimfahren, einen statistischen Ballast abwerfen: Seit der Saison 1999/2000, als die Schaffhauser zum bis heute zweitletzten Mal den Gang in die 1. Liga gehen mussten, hat der FCW auf der Breite nicht mehr gewonnen. Vor vier Jahren startete Boro Kuzmanovic, der als alter FCS-Spieler und –Trainer noch immer eine besondere Beziehung zum Verein und dessen Präsidenten hat, seine Zeit als FCW-Chef auf der Breite. Mit einem 0:0. Heute kann er immerhin mit jener Elf anreisen, die zurzeit als bestmögliche gilt. Mit neun Bisherigen, dazu den Neuen Patrik Baumann und Gianluca D’Angelo. Vor allem aber als Favorit. (hjs)

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