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Ein Designhaus für Hühner

Fabio Müller hat sich nach dem Wirtschaftsgymnasium nicht etwa für Betriebswirtschaft entschieden, sondern für ein Designstudium. Das kommt jetzt unter anderem den Hühnern zugute.

«Oft reagieren die Leute irritiert, dass ich nicht in der Ökonomie gelandet bin», erzählt Fabio Müller. «Dabei sind die beiden Gebiete recht ähnlich: Auch der Desi­gner muss Kundenbedürfnisse, Mitbewerber und den Markt analysieren, Probleme oder Chancen entdecken und kreative Lösungen zu den verschiedensten Aufgabenstellungen finden.» Nor­ma­ler­weise steige man nach dem Studium als Praktikant irgendwo ein und arbeite sich «nach oben». Aber weil der 30-jährige gleich einen ersten Auftrag erhalten hat, ist er direkt in die Selbstständigkeit hinein­gerutscht. Aber finanziell reicht es noch nicht ganz, deshalb arbeitet er zusätzlich Teilzeit bei einer Designagentur. Dadurch kann er auch Erfahrungen sammeln und später Referenzen vorweisen, die wichtig sind, um als Selbstständiger an Aufträge zu kommen. Am Hühnerleben teilnehmen Sein Hühnerhaus hingegen ist – um bei einem ländlichen Bild zu bleiben – ganz auf dem eigenen Mist gewachsen. Oder vielmehr auf demjenigen seiner Bachelor-Arbeit zum Thema «Selbstversorgung in der Stadt». «Aufs Huhn bin ich gekommen, weil es eines der wenigen Nutztiere ist, die auch einen Nutzen bringen, ohne dass man ihnen an die Gurgel geht: Es legt täglich ein Ei!» Das hat ihm gefallen, und er machte sich an die Recherche. «Es gibt nur wenige Anbieter, die Hühner­häuser herstellen – ihre Produkte sind aber alle mehr oder weniger gleich», stellte er bald fest. Zudem versagen sie nach seiner Beobachtung alle in einem wichtigen Punkt. «Haustiere werden oft angeschafft, wenn Kinder da sind und weil mit der Tierhaltung – Pflege, Fütterung, Nachwuchs etc. – auch erlebnispädagogische Aspekte verbunden sind.» Diese familienspezifischen Bedürfnisse habe er mit seiner Version verbessern wollen. Weil Hühner unter Beobachtung keine Eier legen, hat er das Haus mit Türspionen auf Kinderaugenhöhe ausgestattet, die einen (diskreten) Einblick ins Nest und auf die Futterstation erlauben. Und da zur Hühnerhaltung auch das unbeliebte Ausmisten des Stalles gehört, hat er hierfür ebenfalls eine kreative Lösung entwickelt: Die ganze Vorderfront lässt sich aufklappen, sodass der Mist ohne grosse Sauerei einfach in eine untergestellte Wanne gewischt werden kann. Gefragte Prototypen Natürlich hat Müller auch an das Wohl der Hühner gedacht: Die erforderliche, tiergerechte Grösse und Höhe des Hühnerhauses, die Platzierung und Form der Sitzstange oder des Nestes (in einer dunklen Ecke) hat er sorgfältig recherchiert – und inzwischen mit eigenen Hühnern in der Praxis erprobt: «Die Tiere sind wohlauf; sie legen brav und scheinen sich wohlzufühlen: Das Hühnerhaus funktioniert und generiert einen Mehrwert», stellt er befriedigt fest. Bloss dass er sich bisher mangels Zeit nicht aktiver um seine Vermarktung beziehungs­weise einen Produktionspartner gekümmert hat, ärgert ihn jeden Frühling aufs Neue: «Dann erhalte ich regelmässig Anfragen von Leuten, die mein Hühnerhaus irgendwo gesehen haben und es unbedingt kaufen wollen …»Mehr Informationen: Fabio Müller Produktgestaltung, Ackeretstrasse 17, 8400 Winterthur, Telefon 079 790 14 62. www.fabiomueller.ch

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