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Ein Engel kommt nach Zürich

«Z wie Züri» reloaded: In der Neubear­beitung der Cabaret-Revue lässt sich Engel Hugo vom Teufel aus der Agglo verführen. Und verliebt sich schampar in die Stadt.

Gerade hat Lady Gaga Zurich wonderful gefunden. Auch Helene Fischer trug im Hallenstadion «I love Zürich» auf ihrer Brust. Nur im Bernhard-Theater weiss man nicht so recht, was in der Stadt aktuell so läuft. Denn die Stadtheiligen haben Bohnen in den Ohren. Und wollen im Himmel nur die Ängeli singen hören. Es ist das alte Lied. Zürcher Stadtheilige sind in diesem Fall: Gottfried Keller, die Heilige Regula, Huldrych Zwingli, Stapi Emil Landolt, sie sind die üblichen Verdächtigen, wenn es um den Sound von damals geht. Aber eigentlich wollen sie ja schon gern wissen, wie das Zürich von heute tönt. Also lassen sie einen Engel herniederfahren. Sein Ticket: Himmel– Zürich Flughafen, und weiter gehts per ÖV in die Stadt. Ein Wiedergänger Engel Hugo war schon einmal da. Das war 1976, damals sang die halbe Stadt sein Lied, es hiess «Es Ängeli muess uf Züri gah». Hans Gmür und Karl Suter hatten die Cabaret-Revue «Z wie Züri» geschrieben, Hans Moeckel und Peter Jacques machten die Musik. So ging Engel Hugo im Bernhard-Theater den Weg durch die Niederungen einer Stadt. Die Zeitungen schrieben von Schmiss und Schwung. Engel Hugo gibts jetzt als Wiedergänger. Domenico Blass, Chefautor der Late-Night-Show «Giacobbo/Müller», Drehbuchschreiber und auch Spezialist für Züri-Slang, hat «Z wie Züri» neu bearbeitet. Es ist eine sanfte Renovation unter Mitwirkung des Heimatschutzes. Am Donnerstag war Premiere von «Z wie Züri» – wieder im Bernhard-Theater. Regie führte Björn Bugiel, ein junger Musicalmann aus Leipzig. Viele aber waren im Publikum, die schon damals dabei waren, sie fanden die Neubearbeitung auch recht gut. Man klatschte im Takt des «Sechseläutenmarschs». So schnell ändern sich die Zeiten hier nicht. Okay, Gott ist hier eine Frau und skypt. Engel Hugo upgraded die Harfe zum iPhone. In Szene setzt sich neu der Hafenkran. Die Substanz von «Z wie Züri» bleibt aber bewahrt, es ist die alte Geschichte: In «Z wie Züri» zeigt sich die Stadt betulich heiter. Und gar nicht atemlos gaga. Hugo landet crashbumm in Zürich Flughafen. Trifft auf Luzi Fehr , was ein Teufel aus der Agglo ist. Und dieser lässt ihn Sachen machen, die ein Engel in Zürich sonst nicht tut: Koks über die Grenze tragen, ohne Billett Tram fahren, Schlemmen, Rotwein trinken im Bumslokal. Kurz: ­Hugo sündigt und findet das gar nicht so schlecht, wie das auch alle Zürcher tun – mit ihrer ganzen Liebe zu sich und zu ihrer Stadt. Himmel auf Erden Zur Sintflut kommt es aber nicht, es gäbe hier auch fast niemanden zu retten. Alle guten Zürcher, sagt Frau Gott, hätten doch in einem Pedalo Platz. Ausserdem werden in Zürich allfällige Sünden immer grad in cash bezahlt. Man hat hier Kredit im Himmel. Vor allem singt man aber hier auf der Bühne. Und es sind schöne Züri-Lieder, die gesungen werden: eben vom Ängeli, das auf Zürich muss, vom Züri-Tram und von den Restaurants in Zürich, von denen es so viele gibt – die Aufzählung ist endlos. Das Ensemble der acht Darstellerinnen und Darsteller singt sich, begleitet von der famosen Band um Claudio Diallo, durch die Rollen vom Himmel auf Erden. Eine Regula kann da schnell zum leichten Mädchen werden oder der Zwingli zum ZVV-Kontrolleur. Nur einer bleibt sich gleich, es ist Flavio Dal Molin, der gefallene Engel Hugo. Einmal dürfen alle auch tanzen, die Steppnummer wird zum Höhepunkt. Bis ganz zum Himmel ist es aber von Z. noch weit. So bleibt man halt hier lieber unten. Z wie Züri . Bernhard-Theater, ­Zürich. Bis 4. Januar.

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