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Ein erfinderischer Querulant

Arnold Wagner ist der Erfinder des Kabinenmotorrads. Nun legt der ehemalige Swissair-Pilot seine Autobiografie vor.

Wenn an der Einfangstrasse in Töss dichter Rauch aufsteigt, ist Arnold Wagner wohl gerade mit der Lösung eines Problems beschäftigt. Momentan tüftelt der 71-Jährige in seiner kleinen Werkstatt an der perfekten Zündkerze für den von ihm entworfenen Kugelmotor. Immer wieder setzt er sein Werkzeug an und startet dann den Motor, um das Resultat zu überprüfen. Ein Abzug fängt die Abgase auf. Ziel der Tests ist es, den Ölverbrauch zu reduzieren. «Gehirnkaugummis» nennt Wagner die technischen Schwierigkeiten, die es dabei zu überwinden gilt.

Der Ostschweizer ist ein Multitalent. Jahrelang als Militär- und später als Swissair-Pilot tätig, machte er sich vor allem mit technischen Erfindungen einen Namen. Über 100 Schutzrechte und Patente sind auf seinen Namen registriert. Wagners bekanntestes Werk ist der Monotracer, eine Mischung aus Motorrad und Sportwagen. Der stromlinienförmige Hybride mit der spektakulären Karosserie und ausfahrbaren Stützrädern wird wohl so manchem Passanten schon aufgefallen sein.

Ein rebellisches Kind

Nun hat Arnold Wagner eine Autobiografie über sein Leben und seine Innovationen veröffentlicht. Auf mehr als 300 Seiten beschreibt er die Sorgen und Nöte der Berufsgattung der Erfinder und seinen persönlichen Werdegang. Jede von Wagners Erfindungen beruht darauf, dass ihn anfänglich etwas störte. «Wenn ich merke, dass etwas ‹ein Seich› ist, dann fange ich an, mir Gedanken zu machen, wie man es ändern könnte», sagt er und zitiert den russischen Schriftsteller Alexander Solschenizyn: «Die Ursache jeder schöpferischen Tat liegt in der Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Si­tua­tion.»

Die rebellische Haltung ge­gen­über dem Bestehenden machte sich schon in der Kindheit bemerkbar. Wagner, der streng und religiös erzogen wurde, kamen früh Glaubenszweifel. «Ich wollte herausfinden, ob die Religion funktioniert», erinnert er sich. So habe er begonnen «zu pröbeln» und ein paar Tage nicht gebetet – entgegen allen Erwartungen wurde er nicht vom Blitz erschlagen. «Da war der Religionsglaube gestorben. Mein Denken konnte sich nun in jeder Hinsicht frei entfalten.»

«Ich bin mein bester Kunde»

Und so lehnte sich Wagner nicht nur gegen die Kirche auf, sondern auch gegen seine Eltern, die Schule, das Militär und später auch gegen seine Arbeitgeber: «Ich war immer Querulant und sass nie auf meinen Mund.» Schwer sei es gewesen, jahrelang gegen das «System» zu rebellieren, sagt Wagner weiter. «Geholfen hat mir aber, dass ich im technischen Bereich über eine grosse fachliche Kompetenz verfüge.»

Nun, in einem Alter, in dem andere mit den Pantoffeln vor dem Fernseher sitzen, arbeitet Arnold Wagner immer noch sieben Tage die Woche. Der vor Jahren patentierte Kugelmotor, der kleiner, leichter und billiger ist als ein herkömmlicher Hubkolbenmotor, soll bald reif sein für die Produktion. Und was kommt danach? «Solange ich kann, werde ich mit dem Erfinden weitermachen», sagt er. Ihm werde die Lust nicht vergehen. «Ich war immer mein bester Kunde, und ich habe auch stets nur Sachen erfunden, die ich selber haben wollte.» Ums Geld sei es ihm dabei nie gegangen, betont Wagner, und er sieht sich trotz der Erfolge, die er schon feiern konnte, bloss als «Spielzeugbauer». Seine Werkstatt sei die «Spielwiese», er selber «der grösste Spieler überhaupt». Auch seine nun veröffentlichte Autobiografie wird ihn weiterhin beschäftigen: «Die letzten Kapitel müssen ja erst noch geschrieben werden.»

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